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«Zersplitterten Lagern hilft es»

Herr Bochsler, Listen­verbindungen der Konkurrenz haben die SVP sieben Sitze gekostet. Ist das nicht unfair?

Das Wahlsystem bevorteilt grosse Parteien. Listenverbindungen wirken in diesem System korrigierend. Parteien können sich zusammentun und den Effekt einer grossen erzielen.

Sind solche Allianzen im Sinne der Wähler?

Die Parteien gehen in den meisten Fällen Listenverbindungen ein, die dem politischen Kompass ihrer Wähler entsprechen. Wenn die gewählte Partei den Sitz nicht macht, sind die Stimmen nicht verloren, sondern gehen an eine andere Partei, die den Wählern politisch ebenfalls nahesteht.

Gibt es eine Faustregel: Wer profitiert am meisten?

Ja, die gibt es: Je mehr Parteien sich zusammenschliessen, desto besser. Listenverbindungen helfen somit vor allem jenen Lagern, die stark zersplittert sind. Deshalb hat es sich für die Mitteparteien besonders gelohnt, sich breit zu verbünden. Innerhalb der Allianzen profitieren die grösseren Parteien – diese Ungerechtigkeit ist das Manko.

Welche Partei hat die beste Strategie?

Die Linke ist konsequent: Sie verbindet ihre Listen in fast allen Kantonen. Die GLP hat den Vorteil, dass sie zwischen den Lagern flexibel schauen kann, wo sie am meisten profitiert.

Dafür wurde die GLP unter Martin Bäumle kritisiert.

Bäumle ist bei den Listenverbindungen eher pragmatisch vorgegangen und hat sich teils vom Taschenrechner leiten lassen. Viel zitiert wird eine Verbindung unter Einschluss der EDU.

Warum sind Listenverbindungen wieder entscheidender?

Weil die Mitte fragmentierter ist als früher. Mit GLP und BDP gibt es mehr potenzielle Partner, die CVP schwächelt, zugleich ist der Kulturkampf vorbei, sodass auch CVP und FDP vermehrt Verbindungen eingehen.

Wie sähe ein wirklich gerechtes Wahlsystem aus?

Darin würden die Sitze den Parteien weiterhin in den Kantonen zugewiesen. Bei den Restmandaten sollten aber nicht die Listenverbindungen entscheiden, sondern der nationale Wähleranteil einer Partei. Die Stimmen kleiner Parteien aus kleinen Kantonen sollten zur Restmandatsverteilung in anderen Kantonen beitragen.

Raphaela Birrer und Markus Häfliger

Daniel Bochsler ist Politikwissenschaftler und lehrt in Budapest, Belgrad und Zürich. Er hat zu den ­Effekten von Listenverbindungen publiziert.

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