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Wortwitz statt Sex vor der Kamera

Die neue Love-Life-Kampagne des Bundesamts für Gesundheit überzeugt sogar Kritiker. Zahlen zeigen zudem: Trotz grosser Proteste waren die letztjährigen Plakate erfolgreich.

Die Empörung war gross, als das Bundesamt für Gesundheit (BAG) im letzten Frühling die neue Love-Life-Kampagne lancierte. «Bereue nichts», lautete die zentrale Botschaft, und für geschützten Geschlechtsverkehr warb unter anderem ein Kurzfilm mit expliziten Szenen. Zudem rief das BAG zu einem Casting für Fotosujets auf, bei dem Paare vor der Kamera die Hüllen fallen liessen. Fünf Schnappschüsse mit eindeutigen Posen waren schliesslich auf Plakatwänden in der ganzen Schweiz zu sehen. «Pornografie!», befanden Parlamentarier aus unterschiedlichen Lagern – und reichten eine Reihe von politischen Vorstössen ein. Doch nicht nur das: Sogar das Bundesverwaltungsgericht befasste sich im Herbst mit der Präventionskampagne. Religiöse Kreise hatten deren Einstellung gefordert, weil sie die Entwicklung von Kindern gefährde. Die St. Galler Richter erteilten der Beschwerde in einer Zwischenverfügung aber einen abschlägigen Bescheid.

Von den Turbulenzen des vergangenen Jahres lässt sich das BAG nicht beirren. Die aktuelle Kampagne legt den Fokus auf den kaum bekannten Krankheitsverlauf direkt nach der Ansteckung mit dem HI-Virus. Doch statt expliziter Bilder setzen die Präventionsexperten diesmal auf die Macht des Wortes. «Nach dem Sex noch immer heiss?» oder «Nach Fesselspiel ans Bett gefesselt?» steht in grossen Lettern auf den rosaroten Plakaten. Damit will das BAG die breite Öffentlichkeit für die grippeähnlichen Symptome sensibilisieren, die kurz nach der Infizierung auftreten. Die Früherkennung der Krankheit soll zum einen deren Ausbreitung eindämmen und zum anderen bei Betroffenen den Schaden am Immunsystem eindämmen.

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