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«Wir Diplomaten sind nicht blind»

Was der russische Botschafter in Bern zu den Schweizer Massnahmen gegen Moskau sagt. Und in welchen Punkten Alexander Golowin die Schweiz lobt.

«Wir Diplomaten sind nicht blind»: Alexander Golowin, russischer Botschafter in der Schweiz.
«Wir Diplomaten sind nicht blind»: Alexander Golowin, russischer Botschafter in der Schweiz.

Der russische Botschafter bedauert die Schweizer Massnahmen, die sich auf die Russland-Sanktionen der EU und der USA beziehen. Er nehme aber zur Kenntnis, «dass die Schweizer Regierung vorsichtig vorgeht und nicht eilfertig Beschlüsse der EU und der USA übernimmt», sagt Alexander Golowin in einem Interview mit der «Aargauer Zeitung».

Russland stelle fest, dass die Schweiz ihre restriktiven Massnahmen gegen Russland verschärft habe, sagt der Botschafter. Das sei zu bedauern. «Wir Diplomaten sind nicht blind», antwortet er auf die Frage, ob sich die Beziehungen zwischen der Schweiz und Russland verschlechtert hätten. Russland erwarte, dass die Schweiz ihre Strafmassnahmen bald aufheben würde.

Nach der Verschärfung der Sanktionen der USA und der Europäischen Union gegen Russland als Reaktion auf die Ukrainekrise hatte auch die Schweiz ihre Massnahmen ausgeweitet. Sie verbietet Finanzgesellschaften, mit weiteren 26 Personen und 18 Unternehmen neue Geschäftsbeziehungen einzugehen. Der Bundesrat will damit verhindern, dass die Sanktionen via Schweiz umgangen werden.

«Der Westen macht einen Fehler»

Den Unterschied zwischen Sanktionen und den Massnahmen, die eine Umgehung via Schweiz verhindern sollen, verstehe er «sehr wohl». Er sehe aber auch, dass mehrere bilaterale Treffen abgesagt und Waffenexporte nach Russland verboten worden seien.

Der russische Botschafter zeigt sich unbeeindruckt von den Sanktionen der USA und der EU. «Der Westen macht einen Fehler, wenn er glaubt, Russland damit zu einer Änderung seiner Politik zwingen zu können», sagt er.

Russland werde ob der Sanktionen nicht untergehen: «Es gibt noch rund 170 Staaten, die mit uns in Kontakt bleiben wollen.» Auch die Tatsache, dass die Schweiz keine Waffen mehr nach Russland liefere, sei nicht dramatisch: «Wir werden dafür neue Partner finden.»

Russland als Sündenbock

Den Vorwurf, dass Separatisten in der Ostukraine Ende Juli eine malaysische Passagiermaschine mit Unterstützung von Russland abgeschossen haben sollen, weist Golowin als «absurd» zurück. Die westliche Berichterstattung über das Unglück sei einseitig – teilweise auch in der Schweiz. Er erhalte deswegen viele Briefe von Schweizern. Russland sei auch hierzulande oft der «Sündenbock», den es zu isolieren gelte. Trotzdem schätze man die Vermittlerrolle der Schweiz, die sie im Ostukraine-Konflikt innerhalb der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) wahrnehme.

Bundespräsident Didier Burkhalter wird in diesem Jahr im Rahmen der Feiern «200 Jahre diplomatische Beziehungen» in Moskau erwartet. Zuletzt war darüber spekuliert worden, ob das Treffen angesichts der angespannten Beziehung stattfinden werde. Alexander Golowin sagt dazu: «Wir hoffen es.» Die Einladung gelte immer noch.

SDA/thu

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