Wer folgt auf Leuenberger?

Mit dem Rücktritt des Zürcher Bundesrats Moritz Leuenberger ist das Rennen um seine Nachfolge lanciert. Und die Partei strebt einen Wechsel mit Doppelwirkung an.

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Matthias Chapman@matthiaschapman

«Ich trete per Ende Jahr zurück.» Mit diesem Satz platzte heute Morgen in Bern eine Bombe. Allgemein ging man davon aus, dass Leuenberger mit einem Präsidialjahr 2011 seine politische Karriere beenden wird. Nun hat er also wieder einmal allen ein Schnippchen geschlagen. Nachdem im letzten Jahr Ueli Maurer und Didier Burkhalter neu ins Gremium eingetreten sind, ist das die dritte Auffrischung in der Landesregierung innert kürzester Zeit.

Der Anspruch der SP auf den zweiten Sitz dürfte kaum umstritten sein – wenn auch hier die SVP nichts unversucht lassen wird. Fragt sich nun also, wer folgt auf Leuenberger in die Landesregierung. Ein Punkt ist hier zentral: Wie aus Kreisen der Partei zu hören ist, möchte man nun eine Deutschschweizer Frau ins Gremium hieven, um dann später bei der Nachfolge von Micheline Calmy-Rey einen welschen Mann zu setzen. Ein Wechsel mit Doppelwirkung also. SP-Fraktionschefin Ursula Wyss dazu: «Wir können uns vorstellen, für eine gewisse Zeit mit zwei Frauen im Bundesrat vertreten zu sein.» Die Parteileitung werde die Kantonalparteien auffordern, Kandidaturen vorzuschlagen. Einzige Bedingung: Der Kandidat oder die Kandidatin muss aus der Deutschschweiz sein. Klar ist, in der Welschschweiz hätte die Partei Mühe, eine valable Nachfolgerin, eine Frau, für Micheline Calmy-Rey zu finden.

Sommaruga, Aeppli, Fehr und Fetz

Wo sind sie also, die SP-Frauen aus der Deutschschweiz? Für die Sozialdemokraten beileibe kein Problem. Mit der Berner Ständerätin Simonetta Sommaruga, der Zürcher Bildungsdirektorin Regine Aeppli, der Zürcher Nationalrätin Jacqueline Fehr und der Basler Ständerätin Anita Fetz stehen valable Kandidatinnen bereit.

Und was müssen die potenziellen Kandidatinnen mitbringen? Am besten haben sie Führungserfahrung, sind glaubwürdig und kooperationsfähig. Führungeserfahrung bringt auf den ersten Blick Regine Aeppli mit. Aber auch Simonetta Sommaruga steht diesbezüglich mit ihrer jahrelangen Exekutivtätigkeit in der grossen Berner Gemeinde Köniz nicht mit leeren Händen da.

Favoritin Sommaruga?

Sommaruga werden dem Vernehmen nach parteiintern gute Chancen eingeräumt. Ihr wird Kompromissfähigkeit attestiert. Zudem ist sie auch beliebt. In Meinungsumfragen hatte die Berner Ständerätin immer hohen Zuspruch erzielt. Zudem ist sie dreisprachig und stark vernetzt.

Die Parteilinke wird versuchen, Jacqueline Fehr ins Rennen zu bringen. Die Zürcherin kann allerdings kaum Führungserfahrung vorweisen und hätte bei den Bürgerlichen im Parlament einen schweren Stand. Zwar politisiert sie in der Parteimitte, immer wieder hat Fehr aber Konzessionen an den linken Flügel gemacht. Ins Spiel gebracht wird auch die Basler Ständerätin Anita Fetz. Aber auch sie politisiert eher in der linken Hälfte des sozialdemokratischen Spektrums. Und sollte es doch ein Mann sein? Gefallen ist schon der Name Claude Janiak. Als Präsident der GPDel hat sich der Anwalt in jüngster Zeit hervorgetan.

Wohl keine Doppelvakanz

Wünschbar wäre ein zweiter Rücktritt gewesen, sagt ein ehemaliger Parlamentarier, der sich nicht namentlich ins Nachfolgerennen einmischen will. Gemeint hat er damit eine zweite Vakanz im Bundesrat, und zwar parteiunabhängig. Das hätte mehr Möglichkeiten zur Neuaufstellung der Landesregierung ermöglicht.

DerBund.ch/Newsnet

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