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Wegen Pornographie verurteilter Politiker tritt aus CVP aus

Nach Chats mit minderjährigen Mädchen tritt der St. Galler CVP-Kantonsrat Michael Hugentobler ab. Auch als Lehrer wird er nie wieder arbeiten.

Michael Hugentobler wurde wegen mehrfacher versuchter sexueller Handlungen mit einem Kind und mehrfacher Pornografie verurteilt (siehe Box). Der CVP-Kantonsrat ist am Montag von allen Ämtern zurückgetreten und nun auch aus seiner Partei, wie der der St. Galler CVP-Präsident Patrick Dürr gegenüber blick.ch sagt.

Damit kam Hugentobler einem Ausschlussverfahren seiner Partei zuvor. Diese kritisiert aber, dass der ausgebildete Primar- und Sekundarlehrer die Konsequenzen erst zog, als er verurteilt wurde. Auf blick.ch sagt CVP-Präsident Gerhard Pfister, dass es richtig gewesen wäre, wenn der Kantonsrat schon früher zurückgetreten wäre.

Hugentobler war bis Juli 2017 noch als Lehrer tätig, zuletzt an der katholischen Kantonssekundarschule Flade in St. Gallen. Dort heisst es auf Anfrage, dass man seit Montagmittag, 14. Januar, Kenntnis von der Verurteilung Hugentoblers habe. Zuvor wusste man nichts vom Verfahren. «Schulrat und Lehrerschaft sind zutiefst betroffen und bedauern die unentschuldbaren Übergriffe», so Schulratspräsidentin Margrit Stadler.

Kein Tätigkeitsverbot

Michael Hugentobler sei bis vor drei Jahren als Lehrperson in der Flade angestellt gewesen, danach wechselte er auf eigenen Wunsch in die IT-Branche. Fortan sei er an der Flade als IT-Supporter und Berater tätig gewesen, ab August 2018 im Auftragsverhältnis mit seiner eigenen Firma. Seit Montag habe er jedoch keinerlei Mandate mehr von der Schule und keinen Zutritt mehr in die Räumlichkeiten der Flade.

«Während der gesamten Zeit, als Michael Hugentobler in der Flade tätig war, gab es keinerlei Hinweise auf ein fehlbares Verhalten; er war ein geschätzter Mitarbeiter», so Stadler. Die Flade verlangt von allen Lehrpersonen vor der Anstellung einen Strafregisterauszug, das sei üblich.

Ein Tätigkeitsverbot wurde in vorliegendem Fall nicht ausgesprochen. Laut Roman Dobler, Sprecher der Staatsanwaltschaft St. Gallen, waren dafür die damals geltenden gesetzlichen Voraussetzungen nicht erfüllt. Als Lehrer wird Hugentobler dennoch nie wieder arbeiten. «Er hat sein Lehrerpatent im letzten Jahr unwiderruflich abgegeben», so Dobler. Mit der Verurteilung hat Hugentobler einen Eintrag im Strafregister, eine Meldung an das Bildungsdepartement St. Gallen wurde jedoch nicht gemacht. Grundlage für eine solche Meldung wäre ein Tätigkeitsverbot gewesen.

Prävention in Pfadi wichtig

In seiner Freizeit war Hugentobler in der Pfadi engagiert. Auf der Website der Pfadi Helveter war er bis am Montag noch als Verantwortlicher für die Website aufgeführt. Am Dienstag erscheint er dort nicht mehr. Zudem ist Hugentobler am Montag auch als Vorstandsmitglied des Vereins Bundeslager 2021 per sofort zurückgetreten, wie es auf Anfrage von 20 Minuten heisst. Das Bundeslager (Bula) ist ein nationales Pfadilager der Pfadibewegung Schweiz.

In diesem Lager treffen sich Pfadis aus der ganzen Schweiz und dem Ausland. «Die Pfadibewegung Schweiz betrachtet sexuelle Ausbeutung und Übergriffe sowie Grenzverletzungen als zentralen Angriff auf die Persönlichkeit von Kindern und Jugendlichen. Als Jugendverband duldet die Pfadibewegung Schweiz weder sexuelle Ausbeutung noch grenzverletzendes Verhalten in der Pfadi», so die Medienverantwortliche Daniela Diener.

Die Pfadibewegung Schweiz verlange nicht regelmässig Strafregisterauszüge von Erwachsenen, die sich in der Pfadi engagieren. Man empfehle jedoch insbesondere bei externen Leitenden, die in der Abteilung nicht bekannt sind, eine Referenz von der früheren Abteilung einzuholen. «Ist diese nicht erhältlich, empfiehlt es sich, einen Sonderprivatauszug zu verlangen», so Diener.

Die Prävention sexueller Ausbeutung nehme in den Aus- und Weiterbildungen für Pfadileiterinnen und -leiter sowie in deren Betreuung einen wichtigen Stellenwert ein. «Pfadileitende werden während der Ausbildung darauf sensibilisiert, das Verhalten ihrer Mitleitenden achtsam zu begleiten sowie offen und ehrlich zu kommunizieren», sagt Diener.

(Übernommen von 20min.ch, ergänzt und bearbeitet von Redaktion Tamedia)

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