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Wahrheit ist keine Staatssache

Entschädigungszahlungen für Verdingkinder sind richtig. Doch der Staat darf nicht Richter über die Vergangenheit sein.

Zwangssterilisierte, Zwangsversorgte, Zwangsadoptierte. Misshandelte Heim- und Verdingkinder. Dieses Kapitel der Schweizer Geschichte tut weh, denn noch leben Tausende, die als Opfer und Täter dabei waren. Keine akademische Übung also wie der Deutungsstreit um Marignano oder den Wiener Kongress.

Das Gesetz, das der Bundesrat diese Woche präsentiert hat, um Zahlungen an die Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen zu ermöglichen, steht in einer noch jungen Tradition: der des moralischen Umgangs mit der Vergangenheit. Was früher geschah, wird durch die Brille von heute betrachtet. Der Blick ist gelenkt von den Grundrechten, vom Respekt für individuelle Freiheit und Gleichheit. Staatliches Handeln, das einst rechtens und gesellschaftlich breit akzeptiert war, wird als Unrecht verurteilt.

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