Von der Lobby vernebelt

Die Tabakindustrie hat im Hintergrund geschickt den Gewerbeverband mobilisiert, der vor neuen Geboten und Verboten warnte.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Einmal mehr ist Gesundheitsminister Alain Berset mit einer Präventionsvorlage im Parlament gescheitert. Wie 2012 beim Präventionsgesetz begründet die bürgerliche Mehrheit die Rückweisung des Tabak­produktegesetzes damit, dass der Bundesrat erwachsene Bürger bevormunden und die Marktwirtschaft behindern wolle. Natürlich kann darüber diskutiert werden, wieweit ein Werbeverbot die Raucherquote reduziert. Man darf aber auch fragen, ob Werbung für ein Produkt mit derart schweren gesundheitlichen Risiken gesellschaftlich erwünscht und ethisch vertretbar ist.

15 Kantone sind bereits zum Schluss gekommen, dass sie auf öffentlichem Grund keine Plakatwerbung für Tabak mehr wollen. Haben diese Kantone ihre Bürger entmündigt? Kaum. Wer rauchen will, kann das dort weiterhin tun.

Bedenklich ist die Diskussionsverweigerung über den Tabakkonsum. Zigaretten sind kein Produkt wie jedes andere. Im Unterschied zu Nahrungsmitteln wie Zucker, Salz oder Fett gibt es beim Rauchen keine gesunde Dosis, im Gegensatz zu Alkohol keinen unbedenklichen Konsum.

Es gibt beim Rauchen keine  gesunde Dosis und keinen unbedenklichen Konsum.

Über einzelne Massnahmen in Bersets Tabakgesetz kann diskutiert werden – etwa die Einführung behördlicher Betriebsdurchsuchungen bei Tabakkonzernen ohne Verdachtsmomente. Die Tabakindustrie hat im Hintergrund stark gegen die Vorlage lobbyiert. Geschickt hat sie den Gewerbeverband mobilisiert, der vor neuen Geboten und Verboten warnte. Das ist jedoch Vernebelungs­taktik.

Mit Werbe- und Rauchverboten sowie Warn­aufschriften hat sich die Tabakindustrie längst arrangiert. Aber das Tabakgesetz würde die Voraussetzung schaffen, dass die Schweiz dem WHO-Übereinkommen zur Eindämmung des Tabakkonsums beitreten könnte. Mit diesem müsste die Schweiz den Export von Zigaretten mit hohen Schadstoffwerten verbieten, die hierzulande und in anderen europäischen Ländern nicht mehr verkauft werden dürfen. Soll die Schweiz Produktionsstandort für Zigaretten mit Teer- und Nikotinwerten bleiben, wie sie fast nur noch Drittweltländer ihren Bevölkerungen zumuten? Auch dieser Diskussion müsste sich das Parlament stellen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.12.2016, 21:50 Uhr

Artikel zum Thema

«Die WHO will die Tabakindustrie auslöschen»

Interview Zigarrenproduzent Heinrich Villiger hält Studien für unglaubwürdig, die besagen, dass Werbeverbote Jugendliche vom Rauchen abhalten. Mehr...

Parlament lehnt Verbot von Tabakwerbung ab

Der Bundesrat muss nochmals über die Bücher. Die Mehrheit von SVP, FDP und CVP hat das Bundesgesetz über Tabakprodukte zu Fall gebracht. Mehr...

Das Schweizer Tabakparadies

Die drei grössten Tabakkonzerne der Welt haben Ableger in der Schweiz – aus gutem Grund. Mehr...

Dossiers

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Paid Post

Dank Hightech sicherer im Schnee unterwegs

Gewinnen Sie mit Bächli Bergsport und Mammut ein Lawinenverschütteten-Suchgerät der neusten Generation.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Besuch aus der Heimat: Die Schweizergardisten im Vatikan stehen stramm, denn Bundesrat Alain Berset ist auf Visite. (12. November 2018)
(Bild: Peter Klaunzer) Mehr...