Mehrheit ist für Billag-Gebühr von 200 Franken

16'000 Teilnehmer haben an der grossen Tamedia-Umfrage zu No Billag teilgenommen. Die Resultate der Nachwahlbefragung.

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Die No-Billag-Initiative wurde am Sonntag deutlich abgelehnt. 71,6 Prozent der Stimmenden und sämtliche Stände sagten Nein. So klar waren die Zeichen aber nicht von Anfang an gewesen. Im Dezember hatte eine Umfrage des Marktforschungsinstituts Marketagent.com eine Ja-Mehrheit ergeben.

Eine von Tamedia durchgeführte Nachabstimmungsbefragung zeigt nun, dass vor allem die Gefährdung der Schweizer Medienvielfalt vielen als Hauptargument für ein Nein diente (33 Prozent) – gemäss den Politikwissenschaftlern Lucas Leemann und Fabio Wasserfallen ein sehr hoher Wert. Weiter war die Initiative vielen Stimmenden schlicht zu extrem (23 Prozent). Im Vergleich zur letzten Vorumfrage ist dieser Wert um 8 Prozent höher.

Die sehr hohe Stimmbeteiligung (54,1 Prozent) und Mobilisierung hat wesentlich zum deutlichen Abstimmungsresultat beigetragen. Die sehr starke Ablehnung der No-Billag-Initiative zieht sich durch praktisch alle Untergruppen in der Analyse. Die Zustimmung zur Initiative ist einzig bei den 35- bis 49-Jährigen etwas höher (34 Prozent Ja), bei den SVP-WählerInnen (55 Prozent Ja) und bei den Stimmenden, die ein sehr tiefes Vertrauen in den Bundesrat haben und sich weit rechts positionieren.

Trotz klarer Ablehnung der Initiative wünscht sich eine Mehrheit (62 Prozent) der Befragten eine Reduktion der Gebühren auf 200 Franken. Gleichzeitig möchte aber ebenfalls eine deutliche Mehrheit (58 Prozent) mehr als einen TV- und einen Radio-Sender pro Sprachregion angeboten bekommen. Die Fragen, welche Leistungen die Stimmbevölkerung von der SRG will und wie viel diese kosten sollen, sind daher nach wie vor offen. Der hohe Anteil der Antworten mit «eher Ja» und «eher Nein» zeigt zudem, dass die Meinungen zu diesen Fragen nicht gefestigt sind.

Obschon SRG-Präsident Jean-Michel Cina und Generaldirektor Gilles Marchand mit der Ankündigung eines 100-Millionen-Franken-Sparpakets überraschten, will man in Zukunft auf Unterbrecherwerbung in Spielfilmen verzichten, was jährlich 10 Millionen Franken kostet. Ein komplett werbefreies Fernsehangebot ist indes für die Befragten kein Thema, nur 25 Prozent wünschen sich, dass die SRG künftig ganz auf Fernsehwerbung verzichtet.


Zur Befragung

16’868 Personen aus der ganzen Schweiz haben am 2. und 3. März online an der repräsentativen Tamedia-Nachabstimmungsumfrage zu den eidgenössischen Vorlagen vom 4. März teilgenommen. Die Befragungen wurden in Zusammenarbeit mit der LeeWas GmbH der Politikwissenschaftler Lucas Leemann und Fabio Wasserfallen durchgeführt. Sie gewichteten die Umfragedaten nach demografischen, geografischen und politischen Variablen. Der Fehlerbereich liegt bei 1,9 Prozentpunkten. Weitere Informationen zu den Tamedia-Umfragen sind unter tamedia.ch/umfragen abrufbar.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.03.2018, 06:52 Uhr

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