Untergangspropheten haben in der Schweiz nichts zu melden

Migranten vertrauen dem Staat noch stärker als die «Urschweizer». Das ist ein gutes Zeichen.

Haben Vertrauen in die Schweizer Behörden: Migrantinnen und Migranten. Foto: Reuters

Haben Vertrauen in die Schweizer Behörden: Migrantinnen und Migranten. Foto: Reuters

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Nachricht erstaunt: Ausländer und Eingebürgerte bringen den Schweizer Behörden mehr Vertrauen entgegen als die alteingesessene Bevölkerung. Einwanderer und ihre Kinder haben ein besseres Bild von Politik, Justiz und Polizei.

Die neuen Zahlen des Bundesamts für Statistik kontrastieren auffällig mit den Nachrichten über echte und vermeintliche Diskriminierungen durch die Behörden. Angeblich rassistische Polizisten sind mediale Stammgäste. Natürlich bedeuten die Zahlen nicht, dass es keine solchen Vorfälle gibt. Aber insgesamt dürfen sich gerade Polizisten geschmeichelt fühlen. Zwei von drei Personen mit Migrationshintergrund geben der Polizei eine Note zwischen 8 und 10 (auf einer Skala von 0 bis 10).

Ein Land, dessen Bevölkerung den Institutionen vertraut, hat wenig zu befürchten. Eigentlich.

Gleichzeitig widersprechen die Zahlen der bei den Rechten beliebten These, viele Migranten hielten innerlich mutwillig Abstand zur Schweiz. Wer sich nicht integrieren will, spricht den Institutionen nicht sein Vertrauen aus. Viele Einwanderer kamen gerade deshalb hierher, weil Politik, Justiz und Polizei in ihrer Heimat nicht vertrauenswürdig sind. In der Schweiz haben sie oft nicht nur häufiger mit den Behörden zu tun als die «Urschweizer», sie müssen dabei auch höhere Hürden überwinden. Umso erfreulicher, dass sie ihnen trotzdem stark vertrauen.

Doch nicht allein die Migranten, auch die Einheimischen sind relativ zufrieden mit den Behörden. Die Politik erhält im Durchschnitt die Note 6,6. Die Polizei bekommt eine 7,4 und die Justiz eine 7. Das sind europäische Spitzenwerte. Ein Land, dessen Bevölkerung den Institutionen vertraut, hat wenig zu befürchten. Eigentlich. Aber gelegentlich scheint es, als vertrauten die Politiker sich selber weniger als das Volk. Parteien links wie rechts gefallen sich darin, immer öfter Kassandra zu spielen und den Untergang des Landes vorauszusagen. AHV, Asyl, AKW, Firmensteuern, Europa, Sozialhilfe – immer droht gleich die Katastrophe. Wenn sich die Politik diese Unart abgewöhnt, geniesst sie vielleicht bald so viel Vertrauen wie die Polizei. Dasselbe gilt, dies sei selbstkritisch angefügt, für die Medien. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 31.07.2018, 00:01 Uhr

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Paid Post

Langlaufträume in Österreichs Winterwunderland

Seefeld und Achensee verbinden Natur, Sport und Kulinarik. Zwei Profis verraten Ihnen ihre Geheimtipps.

Kommentare

Werbung

Auswärts essen? Die Gastrokolumne.

Per Mausklick zur Gastrokritik: Wo es der Redaktion am besten mundet, kommen vielleicht auch Sie auf den Geschmack.

Die Welt in Bildern

Mit geschwellter Brust: Ein Mann aus Indien zeigt bei einem Wettbewerb für die beeindruckendste Gesichtsbehaarung stolz seinen Schnurrbart. Der Wettbewerb fand am Rande des jährlichen Kamel Festivals in der nordindischen Wüstenstadt Pushkar statt. (20. November 2018)
(Bild: Himanshu SHARMA ) Mehr...