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Unschön, aber nötig

Der Nationalrat will die «Knebelverträge» von Booking.com per Gesetz untersagen.

MeinungMichael Soukup

Was technisch machbar ist, wird früher oder später Realität. Heute ist Realität, dass man Hotelzimmer ­online sucht, findet und bucht. Das Problem ist, dass mit der zunehmenden Digitalisierung aus einst kleinen, innovativen Start-ups längst Onlinegiganten mit teilweise monopolartiger Marktstellung entstanden sind. Die 1996 in den Niederlanden gegründete und heute zum US-Konzern Priceline gehörende Plattform Booking.com hat allein in der Schweiz einen Markt­anteil von über 70 Prozent bei den Onlinebuchungen.

Für ihre Vermittlungsleistung verlangt die Firma von Schweizer Hotels zwischen 12 und 17 Prozent ­Kommission. Dank ihrer Marktmacht konnten Booking.com und andere grosse Anbieter zudem vertraglich durchsetzen, dass die Hoteliers auf ihrer eigenen Website nicht tiefere Preise als auf der Buchungsplattform offerieren dürfen. Nachdem der Verband Hotelleriesuisse bisher vergeblich über die Wettbewerbskommission diese «Knebelverträge» zu bekämpfen versucht hatte, reagierte die Politik. Gestern stimmte der Nationalrat mit grossem Mehr einer Motion zu, die ­solche Verträge per Gesetz untersagen will.

Für ihre Vermittlungsleistung verlangt Booking.com zwischen 12 und 17 Prozent ­Kommission.

Aus liberaler Sicht ist diese neue Regulierung unsympathisch. Mit Digitalisierung und Globalisierung verändern sich die Märkte. Kein Gesetz der Welt wird diese Entwicklung mehr stoppen können. Es ist zudem nachvollziehbar, dass Booking.com sich gegen die vielen Trittbrettfahrer wehrt: Ohne die Präsenz auf dem Buchungsportal blieben viele Hotels unentdeckt – trotzdem buchen 40 Prozent der Booking-­Kunden das Zimmer lieber direkt beim Hotel.

Tatsache ist aber auch, dass alle Nachbarländer und damit die direkte Konkurrenz des Schweizer ­Tourismus gesetzliche Massnahmen gegen die Bestpreisgarantien erlassen haben. In Deutschland gilt zwar vorerst das Verbot für Booking.com nicht, weil noch eine Beschwerde des Anbieters vor Gericht ­hängig ist. In Frankreich sowie Österreich sind sie aber seit Jahren verboten, und in Italien ist ein ­entsprechendes Gesetz vergangenen Monat verabschiedet worden. Auch das ist eine Realität, der sich die Schweiz nicht entziehen kann.

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