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Umstrittener Kosovo-Diplomat

Die Behörden in Kosovo bestätigen, die Schweiz habe Einwände gegen die Ernennung des diplomatischen Vertreters in Bern. Spekuliert wird über dessen politische Vergangenheit.

Anfang September präsentierte Kosovo zehn Personen, die das Land in verschiedenen Staaten fortan als Diplomaten vertreten sollten. Einer davon ist Naim Malaj, kosovarisch-schweizerischer Doppelbürger, wohnhaft in Genf, vorgesehen für den Posten in der Schweiz.

Dieser Name sorgt nun für diplomatischen Wirbel zwischen Pristina und Bern. Wegen seiner Vergangenheit als Politaktivist verweigere ihm die Schweiz die Nominierung, schrieb gestern die kosovarische Tageszeitung «Koha Ditore» und gibt an, sich auf Quellen aus dem EDA zu stützen. Die Schweizer Strafverfolger würden Malaj auch der Erpressung verdächtigen, heisst es weiter.

EDA-Sprecherin Nadine Olivieri erklärt auf Anfrage, die Schweiz habe «zum jetzigen Zeitpunkt offiziell keine Kenntnis über die Nomination eines Botschafters Kosovos in der Schweiz». Es liege an Kosovo, ein entsprechendes Gesuch zu stellen. Konkreter tönt es aus Pristina. Eine Sprecherin des Aussenministerium bestätigt, dass die Schweiz mitgeteilt habe, Malaj gehöre nicht zu den bevorzugten Personen für diesen Posten.

«Ich war nie ein Extremist»

Malaj bezeichnet die Darstellung der kosovarischen Zeitung als Lüge und als politisches Manöver. Es habe nie ein Strafverfahren gegen ihn gegeben, sagt Malaj dem «Tages-Anzeiger». Er sei vor 18 Jahren als Asylbewerber in die Schweiz gekommen, habe hier studiert und arbeite als Sozialarbeiter in Genf. «Ich bin integriert, und ich wurde 2004 eingebürgert.» Wie denn eine Einbürgerung möglich gewesen wäre, wenn gegen ihn ein Dossier bei der Polizei vorgelegen hätte, fragt Malaj.

Das einzige Problem, das sich in Bezug auf seinen Posten als diplomatischer Vertreter stelle, sei der Umstand, dass er Doppelbürger sei. Denn: Falls die Schweiz ihn irgendwann als Persona non grata, als unerwünschte Person, deklarieren möchte, wäre das bei ihm nicht möglich, weil er auch Schweizer sei. Deswegen stehe er in Kontakt mit dem EDA. Auf jeden Fall sei er aber kein Extremist. «Ich war es auch nie.»

Andere Quellen sprechen davon, Malaj sei Aktivist der militanten kosovarischen LPK und deren Stiftung «Die Heimat ruft» gewesen, und er habe sich während des Kosovo-Krieges auch als Vertreter der Untergrundarmee UCK in Genf präsentiert. Die Bundesanwaltschaft hatte im Juli 1998 zwei Konti der Stiftung «Die Heimat ruft» blockiert. Der Verdacht: Das Geld hätte für Kriegszwecke verwendet werden sollen. Malaj bestreitet, je Mitglied dieser Stiftung gewesen zu sein und Geld gesammelt zu haben. «Ich bestreite aber nicht, dass ich Geld gespendet habe - wie alle Kosovaren.»

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