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«Über eine Wiedergutmachung zu reden, ist zu früh»

Politikerinnen und Politiker äussern sich zurückhaltend über die geforderte Wiedergutmachung für den Schweizer Kinderhandel in Sri Lanka in den Achtzigerjahren.

Die Organisation Back to the Roots wünscht sich mehr Hilfe bei der Herkunftssuche und eine öffentliche Anerkennung, dass Unrecht geschehen sei. Foto: Keystone
Die Organisation Back to the Roots wünscht sich mehr Hilfe bei der Herkunftssuche und eine öffentliche Anerkennung, dass Unrecht geschehen sei. Foto: Keystone

Die Aufarbeitung der bis 1981 praktizierten fürsorgerischen Zwangsmassnahmen ist erst richtig angelaufen, da ist die Politik schon mit dem nächsten Kapitel problematischer Schweizer Geschichte konfrontiert: mit illegalen Adoptionen. Back to the Roots, die Interessenvertretung für Adoptierte aus Sri Lanka, fordert umfassende Aufarbeitung, eine öffentliche Anerkennung des Unrechts und Wiedergutmachung. Auch sollen die Adoptierten und ihre leiblichen Eltern bei der Suche nach der Herkunft unterstützt werden.

Die SP-Nationalrätin Barbara Gysi unterstützt die Forderung nach finanzieller Hilfe bei der Familienzusammenführung. Eine Wiedergutmachung stehe jedoch nicht im Vordergrund. «Generell waren die familiären Lebens­verhältnisse in der Schweiz für Kinder aus Sri Lanka wohl mit weniger Entbehrungen verbunden, als das bei den Betroffenen fürsorgerischer Zwangsmassnahmen der Fall gewesen war. Die Kinder aus Sri Lanka waren für ihre Adoptiveltern ja Wunschkinder.»

Dennoch seien nicht alle Adoptionsverhältnisse ohne soziale Schwierigkeiten gewesen, sagt Gysi, die als Mitglied der Begleitgruppe die Entstehung des Forschungsberichts mitverfolgt hat. Zwingend seien eine offizielle Entschuldigung und ein Fonds, um die Klärung der Familiengeschichte zu ermöglichen.

Rebecca Ruiz (SP), Staatsrätin in der Waadt, hat den Forschungsbericht Ende 2017 mit einem ­Postulat angestossen, als sie noch Nationalrätin war. Heute sagt sie: «Der Staat muss die Aufarbeitung weiter vorantreiben.» Zudem sei es wichtig, dass die Betroffenen in allen Kantonen gleichbehandelt würden, trotz der damals kantonalen Zuständigkeiten für Adoptionen.

Verschiedene Bedürfnisse

Die Politik müsse in dieser ­Angelegenheit sehr behutsam vorgehen, sagt Beat Flach (GLP), Co-Präsident der parlamenta­rischen Gruppe Kindes- und ­Erwachsenenschutzrecht. Nicht alle Betroffenen hätten Kenntnis von ihrer Situation, und nicht alle hätten dieselben Bedürfnisse bezüglich Aufarbeitung und Familienzusammenführung. Der Bund müsse unkompliziert helfen, wo es nötig ist: «Es geht jetzt aber nicht darum, Schuldige zu suchen. Über eine Wiedergut­machung zu reden, ist noch zu früh.»

Auch EVP-Nationalrat Nik Gugger äussert sich zurückhaltend. Er ist 1970 adoptiert worden und hat später seinen Geburtsort in Südindien mit seinen Adoptiveltern besucht, die leiblichen Eltern aber nicht kennen gelernt. Er versteht, dass viele Betroffene ihre leiblichen Eltern kennen lernen möchten. Die Bedürfnisse seien aber sehr verschieden. «Der eine benötigt vielleicht psychologische Unterstützung, der andere ein Flugticket nach Sri Lanka», sagt er. Eine Entschuldigung sei wohl nötig, da «die Behörden informiert waren, aber nichts unternahmen».

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