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Tschechischer Gauner in Schweizer Luxushotel verhaftet

Ein wegen Finanzdelikten gesuchter Unternehmer ist in St. Moritz verhaftet worden. Prag fordert seine Auslieferung – doch manch tschechischer Politiker fürchtet die Heimkehr dieses Mannes.

In Prag in Abwesenheit bereits einmal verurteilt: Tomas Pitr.
In Prag in Abwesenheit bereits einmal verurteilt: Tomas Pitr.

In einem Luxushotel in St. Moritz ist in der Nacht auf Dienstag eine der meistgesuchten Personen Tschechiens verhaftet worden. Der Unternehmer Tomas Pitr war gestützt auf zwei Haftbefehle gesucht worden.

Ein Haftbefehl wurde aufgrund eines Urteils wegen Steuerdelikten erlassen, der andere aufgrund eines Strafverfahrens wegen Betrug und Veruntreuung, wie Folco Galli, Sprecher des Bundesamtes für Justiz, am Donnerstag erklärte.

Das Prager Justizministerium wolle so schnell wie möglich einen Auslieferungsantrag nach Bern schicken, berichtete die österreichische Nachrichtenagentur APA. Allerdings würden sich wohl nicht alle in Prag über seine Auslieferung freuen, berichteten tschechische Zeitungen. Pitr soll kompromittierendes Material über tschechische Politiker besitzen.

Schmiergeld und Prostituierte

Laut der Tageszeitung «Mlada fronta Dnes» soll es sich um Videoaufzeichnungen handeln, die Kontakte einiger nicht genannter Politiker und hochrangiger Staatsbeamter mit der Unterwelt zeigen. Beispielsweise geht es um Aufnahmen, auf denen sie bei der Übernahme von Schmiergeld oder mit Prostituierten zu sehen sind.

Der heute 39-jährige Pitr floh im Juni 2007 aus Tschechien - ein Paar Stunden vor Antritt seiner sechsjährigen Haftstrafe wegen umfangreichen Steuerdelikten und Betrügereien bei Transaktionen mit Wertpapieren. Die Flucht sei ihm auch deshalb gelungen sein, weil ihm einige Polizisten dabei geholfen hätten, hiess es.

Diskussion über Auslieferung

In Tschechien debattiert man nun darüber, ob die Schweiz Pitr ausliefern wird. Es wurde nämlich kolportiert, dass die Taten, deretwegen Pitr gesucht wird, in der Schweiz entweder nicht strafbar oder schon verjährt seien.

Ausserdem weisen die Medien auf den Fall des Filmregisseurs Roman Polanski hin, den die Schweiz trotz des Haftbefehls und Auslieferungsantrags der USA nicht ausgeliefert hat. Selbst der tschechische Justizminister Jiri Pospisil schloss nicht aus, dass die Schweiz die Auslieferung ablehnen könnte. «Es handelt sich um Steuer-Delikte. In diesen Fällen liefert die Schweiz die gesuchten Personen nicht immer aus», sagte er.

Laut Galli vom Bundesamt für Justiz habe die Schweiz Tschechien aufgefordert, ein Auslieferungsersuchen einzureichen. Dann werde ein ordentliches Auslieferungsverfahren eingeleitet. Eine sofortige Auslieferung nach Tschechien lehnt Pitr laut Galli ab.

Kontakte mit der Unterwelt

Pitr soll seinerzeit enge Geschäfts-Kontakte mit dem früheren Chef der tschechischen Unterwelt, Frantisek Mrazek, gehabt haben, der 2006 unter mysteriösen Umständen von unbekanntem Täter erschossen wurde.

Es gab Spekulationen, das Pitr hinter dem Mord stehen könnte. Von Mrazek soll auch das Archiv mit dem belastenden Material gegen die Politiker und Beamte stammen.

Der tschechische Premier Petr Necas zeigte sich über die Verhaftung von Pitr erfreut und gratulierte der tschechischen Polizei, die den schweizerischen Kollegen entsprechende Hinweise gegeben hat. «Ich betrachte dies als ein Ergebnis sehr guter Arbeit», sagte Necas.

(SDA)

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