Thomas Minder bringt sich als Ständerat ins Spiel

Die Anzeichen verdichten sich, dass der Initiant der Abzocker-Initiative für den Ständerat kandidiert. «Der Job würde mich reizen», sagt der Unternehmer.

«Die Gelegenheit war nie so günstig wie jetzt»: Thomas Minder.

«Die Gelegenheit war nie so günstig wie jetzt»: Thomas Minder.

(Bild: Béatrice Devènes)

Der Wahlherbst in Schaffhausen verspricht spannend zu werden. Bereits haben die FDP und die SP Anspruch auf den Sitz des abtretenden Freisinnigen Peter Briner erhoben. Bei der FDP ist auch schon klar, wer ins Rennen steigt: Kantonsratspräsident Christian Heydecker. Doch der derzeitige Kronfavorit auf die Briner-Nachfolge ist noch lange nicht gewählt.

Heydeckers Problem: Er politisiert eher am rechten Flügel der FDP und ist ein klarer Befürworter der Atomenergie. Seine pointierten Positionen wären ihm vor zwei Jahren fast zum Verhängnis geworden: Der langjährige Schaffhauser FDP-Präsident konnte zwar mit seiner Partei einen Wahlsieg feiern, schaffte seine persönliche Wiederwahl in den Kantonsrat aber mit lediglich zwei Stimmen Reserve.

Attacke gegen FDP-Kandidaten

Heydecker sitzt im Vorstand des Forums Vera (Verantwortung für die Entsorgung radioaktiver Abfälle), die Schaffhauser Regierung und Bevölkerung lehnen jedoch ein Tiefenlager in der näheren Umgebung kategorisch ab. Heydecker bringt für diese Haltung wenig Verständnis auf. «Das Tiefenlager muss am besten und sichersten Ort der Schweiz gebaut werden», sagt er. Im Klartext heisst das: Liegt dieser Ort in der Nähe von Schaffhausen, dann muss die Bevölkerung bereit sein, die Kröte zu schlucken. Heydecker glaubt nicht, dass ihn diese Haltung viele Stimmen kosten wird: «Ich vertrete hier klar eine bürgerliche Linie. Wer eine sichere und günstige Energieversorgung will, kommt derzeit nicht um die Kernenergie herum.»

Ganz anderer Meinung ist Thomas Minder. Für den umtriebigen Schaffhauser Unternehmer sind neuerdings nicht nur die Abzocker, sondern auch die Atomenergie-Befürworter ein rotes Tuch. Es gelte, den Wachstums- und Energiewahn zu stoppen, sagt der begeisterte Ornithologe. Mit einer Wahl von Heydecker würde nur ein weiterer Interessenvertreter und Lobbyist der Banken- und Atombranche im Bundeshaus Einsitz nehmen, schrieb Minder in einem Leserbrief.

«Ich sage nie nie»

Seit die FDP den einstigen Nationalliga-B-Fussballer Heydecker nominiert hat, wittert Minder Morgenluft und lässt keine Gelegenheit aus, diesen scharf zu kritisieren und seine persönlichen Ambitionen anzumelden. Erst sagte er in der «Unternehmer-Zeitung», auf einen Einstieg in die Politik angesprochen: «Ich sage nie nie.» In den «Schaffhauser Nachrichten» legte Minder nach und formulierte ein Anforderungsprofil an den künftigen Schaffhauser Ständeratskandidaten, das auf ihn selbst genau zutrifft.

Dem «Tages-Anzeiger» bestätigt er jetzt: «Eine Kandidatur würde mich reizen. Die Gelegenheit dazu war noch nie so günstig wie jetzt.» Dass sich der kantige Minder noch einer Partei anschliessen wird, ist unwahrscheinlich. Am ehesten fühlt er sich den Anliegen der Grünliberalen verpflichtet.

Unter Zugzwang gesetzt

«Es würde mich nicht überraschen, wenn Minder kommt», sagt der Schaffhauser SP-Nationalrat Hans-Jürg Fehr. Da bei den Ständeratswahlen keine Listen eingereicht werden müssen, könnte der Unternehmer auch noch zwei Monate vor der Wahl – portiert von einem Bürgerkomitee – seine Kandidatur verkünden. Auch wenn ihn seine Allianz mit Blocher in der Abzocker-Frage wohl Stimmen bei den Linken kostet, stuft Fehr Minders Wahlchancen als intakt ein.

Hans-Jürg Fehr sagt, was in Schaffhausen derzeit viele denken: Minder hat sich mit seiner scharfen Kritik an Heydecker selber unter Zugzwang gesetzt. So schrieb Verleger Bernhard Ott in der «Schaffhauser AZ»: «Minders Begründung, er wolle nicht kandidieren, weil er als Ständerat nicht mehr so kantig politisieren könne, nimmt man ihm nicht ab. Wer so klare Vorstellungen vom idealen Ständeratskandidaten hat, darf sich nicht drücken, wenn es Ernst gilt.» Diese Stellungnahme bringt Minder in bürgerlichen Kreisen nun den Vorwurf ein, er lasse sich von den Linken vor den Karren spannen.

Christian Heydecker hält eine Kandidatur Minder jedoch für unwahrscheinlich. Der FDP-Kandidat ortet hinter den Attacken Minders vielmehr einen «persönlichen Angriff», der nichts mit Politik zu tun habe. Minder verneint: «Mir geht es um die Sache und nicht um die Kandidatur von Heydecker.»

Tages-Anzeiger

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