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SRF-«Arena» in Como?

Die Lage in Como macht Schlagzeilen: Jetzt plant Jonas Projer eine Sondersendung nahe des Flüchtlingscamps. Die Idee gefällt nicht allen.

Hier ganz in der Nähe, am Bahnhof von Como, soll nach Wunsch von Jonas Projer die Sondersendung aufgezeichnet werden: Das improvisierte Lager der Migranten in einem Park von Como am 17. August 2016.
Hier ganz in der Nähe, am Bahnhof von Como, soll nach Wunsch von Jonas Projer die Sondersendung aufgezeichnet werden: Das improvisierte Lager der Migranten in einem Park von Como am 17. August 2016.
Francesca Agosta, Keystone
Mehrere Hundert Flüchtlinge sind dort gestrandet – auch aufgrund der strengen Rückführungspolitik der Schweizer Behörden. Freiwillige Helfer der Tessiner Hilfsgruppe Associazione Firdaus verteilen in einem Park in der Nähe des Bahnhofs täglich Abendessen.
Mehrere Hundert Flüchtlinge sind dort gestrandet – auch aufgrund der strengen Rückführungspolitik der Schweizer Behörden. Freiwillige Helfer der Tessiner Hilfsgruppe Associazione Firdaus verteilen in einem Park in der Nähe des Bahnhofs täglich Abendessen.
Davide Agosta, Keystone
Findet die Idee «ausgezeichnet»: Doris Fiala, Nationalrätin der FDP des Kantons Zürich, aufgenommen am 1. Dezember 2015 in Bern.
Findet die Idee «ausgezeichnet»: Doris Fiala, Nationalrätin der FDP des Kantons Zürich, aufgenommen am 1. Dezember 2015 in Bern.
Gaetan Bally, Keystone
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Wenige Kilometer entfernt von der Schweizer Grenze, in der italienischen Stadt Como, campieren derzeit Hunderte Flüchtlinge. Viele von ihnen wollen gen Norden weiterreisen, um etwa in Deutschland Asyl zu beantragen. Weil die Schweiz illegal Einreisende – und Durchreisende – aber konsequent nach Italien zurückschickt, sind unzählige Menschen in der Grenzregion gestrandet. Sie übernachten an Bahnhöfen und in öffentlichen Parks – sehr zum Missfallen italienischer Bürger und Politiker, die auch die strenge Rückführungspraxis der Schweiz für die Situation verantwortlich machen.

Wie der «Blick» meldet, will das SRF nun seine nächste «Arena»-Sendung am Bahnhof in Como aufzeichnen. Man wolle «direkt beim Flüchtlingslager» drehen, bestätigte Moderator Jonas Projer das Vorhaben auf Anfrage der Zeitung.

«Übelste Quotenbolzerei»

Seine Begründung für den ungewohnten Aussendreh fernab des komfortablen Studios: Die Flüchtlingskrise sei «sehr aktuell und relevant» und «unglaublich nahegerückt». Durch die Verlagerung des Studio-Talks an einen Brennpunkt wolle er «etwas Licht in die verzwickte Lage bringen» und mit den Menschen vor Ort – Asylsuchenden, Helfern und Politikern – ins Gespräch kommen. Ob die italienischen Behörden grünes Licht geben und Projer die gewünschte Drehgenehmigung erteilen werden, ist derzeit allerdings noch offen. Man prüfe daher weitere «Alternativen an der Südgrenze».

Bereits als Talk-Gäste zugesagt haben «Blick»-Informationen zufolge der Tessiner Lega-Regierungsrat Norman Gobbi, FDP-Nationalrätin Doris Fiala, CVP-Fraktionschef Filippo Lombardi und Grünen-Fraktionschef Balthasar Glättli.

Während FDP-Frau Doris Fiala die Idee «ausgezeichnet» findet und darauf verweist, dass «Service public nicht ohne public stattfinden» dürfe, kann Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer dem geplanten Aussendreh so gar nichts abgewinnen. «Unsinn» und «übelste Quotenbolzerei auf Kosten von Flüchtlingen», urteilt die Sozialdemokratin, die beim SRF generell einen Rechtsrutsch ausmacht und sich an einer Instrumentalisierung von Migranten stört. Moderator und Redaktionsleiter Projer selbst hält die heftige Kritik für ungerechtfertigt, schliesslich wolle man nicht nur über, sondern vor allem auch mit den Menschen vor Ort reden.

Mehr Geld gebe es für die Sondersendung im Übrigen nicht – man werde den Talk im Freien mit geringstmöglichem Aufwand und ohne Extra-Budget realisieren.

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