So sollen die Cheflöhne begrenzt werden

Die Initiative zum Service public hat eine Diskussion über die Löhne bei Swisscom, Post und SBB entfacht. DerBund.ch/Newsnet-Leser haben dazu eine eindeutige Meinung.

Ihre Löhne stehen zur Debatte: Andreas Meyer (SBB), Urs Schaeppi (Swisscom), Susanne Ruoff (Post) (von links, mit Bundesrätin Doris Leuthard).

Ihre Löhne stehen zur Debatte: Andreas Meyer (SBB), Urs Schaeppi (Swisscom), Susanne Ruoff (Post) (von links, mit Bundesrätin Doris Leuthard).

(Bild: Keystone)

Raphaela Birrer@raphaelabirrer

Sie waren das grosse Thema im Abstimmungskampf um die Pro-Service-public-Initiative: die Löhne in den bundesnahen Betrieben. Der Unmut über die Managergehälter bei Post, Swisscom und SBB verschaffte dem Volksbegehren in den Umfragen eine Mehrheit – zum Schrecken der breiten Gegnerschaft. Diese befürchtete einen Abbau des Service public, weil beispielsweise die Quersubventionierung unrentabler durch gewinnbringende Geschäftsbereiche eingeschränkt worden wäre. Einem nicht unwesentlichen Teil des Stimmvolks ging es bei diesem Anliegen jedoch vorab um jenen Passus, wonach die Löhne in diesen Unternehmen nicht mehr über denjenigen der Bundesverwaltung hätten liegen dürfen.

DerBund.ch/Newsnet wollte deshalb wissen: Welche Gehälter sind für die Chefs der bundesnahen Firmen angemessen? Im Verlaufe einer Woche nahmen 2023 Leser an der nicht repräsentativen Umfrage teil – und das Resultat ist eindeutig: Für knapp 80 Prozent der Befragten sind die Löhne zu hoch. Zwar sind rund 50 Prozent der Meinung, die Löhne dürften durchaus hoch sein, aber ein Salär zwischen 1 und 1,8 Millionen Franken erachten sie als übertrieben. Rund 30 Prozent finden, dass die Cheflöhne in den bundesnahen Betrieben nicht über jenen der Bundesräte liegen dürften – das entspricht der Forderung der abgelehnten Initiative. Ein Bundesrat verdient rund 445'000 Franken im Jahr. Das ist im Übrigen für 68 Prozent der Befragten genug; nur 27 Prozent finden, dieses Salär entspreche den Leistungen eines Regierungsmitglieds nicht ausreichend.

Für rund 77 Prozent der Befragten besteht denn auch Handlungsbedarf: Nur für 22 Prozent würde es reichen, wenn der Bundesrat einen weiteren Anstieg der Saläre unterbinden würde. Die Mehrheit (55 Prozent) dagegen will, dass das Parlament die Löhne deckelt. Entsprechende Bestrebungen gibt es auf linker Seite: Aus den Reihen der SP wurden im Verlauf des Abstimmungskampfs zwei Vorstösse eingereicht, welche die Löhne auf Bundesratsniveau begrenzen wollen – um der Initiative den Wind aus den Segeln zu nehmen. Bürgerliche zeigen sich aber zurückhaltend.

Rund ein Fünftel der Teilnehmer zeigt sich jeweils in verschiedenen Fragen einverstanden mit der Entlöhnung der CEOs. Diese machten einen guten Job, führten grosse Unternehmen und sollten deshalb marktgerechte Löhne erhalten, lauten die Argumente.

Keine Lösung sieht aber eine deutliche Mehrheit von rund 84 Prozent in der Privatisierung der bundesnahen Betriebe, wie dies von bürgerlicher Seite gefordert wird. Auf diese Weise gehe der Einfluss auf den Service public vollständig verloren. Zudem halten es 87 Prozent für eine schlechte Idee, die Löhne an die Zufriedenheit der Kunden zu koppeln, denn mit dem Service public seien nie alle zufrieden – und die bundesnahen Betriebe arbeiteten am besten, wenn sie möglichst viele Freiheiten hätten.

Nach den angemessenen Löhnen der einzelnen CEOs befragt, zeigt sich ein eindeutiges Bild: Für jeweils rund die Hälfte der Teilnehmenden sollten die Saläre 500'000 Franken betragen – also ungefähr im Bereich der Bundesratslöhne liegen. Das ist deutlich weniger, als die Chefs dieser Unternehmen aktuell verdienen.

SBB-Chef Andreas Meyer hat ein Jahresgehalt von rund 1,1 Millionen Franken. Für ein Viertel der Befragten ist das angemessen. Nur 4,8 Prozent würden ihm mehr zugestehen, für 70 Prozent aber ist dieser Lohn zu hoch. 19 Prozent würden ihn gar auf 300'000 Franken senken.

Swisscom-Chef Urs Schaeppi verdient mit 1,8 Millionen Franken jährlich deutlich mehr als Meyer. Das ist nur für rund 9 Prozent der Teilnehmenden angemessen oder sogar zu tief – 89 Prozent wollen den Lohn senken. Für ein Viertel dürfte er im Bereich von Meyers Gehalt liegen, für 45 Prozent müsste er die Höhe eines Bundesratslohns haben und für rund 21 Prozent sogar auf 300'000 Franken gesenkt werden.

Post-Chefin Susanne Ruoff hat letztes Jahr 985'000 Franken erhalten – und damit weniger als ihre Kollegen. Trotzdem ist dieser Lohn einem grösseren Prozentsatz der Befragten zu hoch. Insgesamt 74 Prozent möchten ihn senken. Zudem würden ihr nur 4 Prozent mehr als eine Million geben, während es bei Schaeppi mehr als doppelt so viel sind. Das lässt sich zum Teil mit dem Geschlecht der Teilnehmenden erklären: 87 Prozent waren Männer. Während bei den Frauen konstant rund ein Viertel einen Lohn von 300'000 Franken angemessen fände, sind es bei den Männern nur bei Susanne Ruoff 27 Prozent. Die Werte von Schaeppi und Meyer liegen mit 21 und 19 Prozent tiefer. Entsprechend tiefer ist bei den männlichen Teilnehmenden auch die Zustimmung für einen Lohn ab 1 Million für die Post-Chefin, während der Swisscom- und der SBB-CEO in diesen Bereichen auf höhere Werte kommen. Die Frauen wiederum stimmen einem Gehalt von 1 Million bei allen drei Personen zu 17 Prozent zu, 2 Millionen heissen jeweils nur rund 2 Prozent gut.

Weniger eindeutig sind die Resultate in Bezug auf die Betroffenheit. Ob jemand Swisscom-Kunde ist, auf dem Land lebt und damit stärker vom Poststellenabbau betroffen ist oder täglich mit den SBB pendelt, wirkt sich nicht auffallend auf die Beurteilung der Löhne aus.

DerBund.ch/Newsnet

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