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Sexuelle Übergriffe: Jedes 7. Kind betroffen

Relativ wenig war bekannt über sexuelle Übergriffe auf Kinder und Jugendliche in der Schweiz. Eine Studie bringt nun Licht in einen Bereich, in dem die Dunkelziffer hoch ist.

Der Kanton Luzern hat die Zustände in seinen Kinder- und Jugendheimen zwischen 1930 und 1970 untersuchen lassen. Der Kanton bittet die Opfer um Entschuldigung: Eine Tafel im ehemaligen Kloster in Rathausen bei Emmen LU (17. März 2011).
Der Kanton Luzern hat die Zustände in seinen Kinder- und Jugendheimen zwischen 1930 und 1970 untersuchen lassen. Der Kanton bittet die Opfer um Entschuldigung: Eine Tafel im ehemaligen Kloster in Rathausen bei Emmen LU (17. März 2011).
Keystone

Viele Kinder und Jugendliche haben schon einmal einen sexuellen Übergriff erlebt. Aber nur etwa drei bis fünf Prozent der Opfer suchen professionelle Hilfe oder melden den Missbrauch. Die Folge ist eine hohe Dunkelziffer. Das sind einige der Haupterkenntnisse aus der umfangreichen Optimus Studie zu Opfererfahrungen von Kindern und Jugendlichen.

Für die Untersuchung, die auch erstmals eine gesicherte Vorstellung über die Zahl sexueller Übergriffe liefert, wurden 6700 15- bis 17-Jährige in der Schweiz befragt (siehe Info-Box). Fast 15 Prozent von ihnen gaben an, schon einmal gegen ihren Willen zu Sexualverkehr gezwungen oder an intimen Stellen berührt worden zu sein.

Die Opfer sind meist Mädchen

Mehr als jede fünfte weibliche Befragte (22 Prozent) gab demnach an, schon einmal einen Übergriff mit körperlichem Kontakt erlebt zu haben. Bei den Jungen war es etwa jeder zwölfte (8 Prozent). Opfer der gravierendsten Form, dem erzwungenen Geschlechtsverkehr, sind drei Prozent der Mädchen und ein halbes Prozent der Knaben geworden.

Mädchen sind auch von den nicht körperlichen Missbrauchsformen deutlich häufiger betroffen als Knaben. So gaben jedes dritte Mädchen und jeder zehnte Knabe an, schon sexuelle Aggressionen über Internet oder Mobiltelefone erlebt zu haben

Mehr Gleichaltrige als Familienangehörige

Die Täter stammen überwiegend aus dem Bekanntenkreis. Bislang ging man jedoch davon aus, dass das familiäre Umfeld für die meisten Übergriffe verantwortlich ist. Die aktuelle Studie korrigiert dieses Bild nun. Die befragten Kinder und Jugendlichen nannten Gleichaltrige am häufigsten als Täter. Diese sind überwiegend Männer: Aktuelle oder ehemalige Partner, Kollegen oder ein Date.

Dieses Ergebnis werde auch von der Umfrage der Kinderschutzorganisationen deutlich bestätigt, schreiben die Studienverfasser. Die Häufigkeit von Übergriffen durch Gleichaltrige habe sie «am meisten erstaunt», sagt Professor Manuel Eisner von der Universität Cambridge, der den Schlussbericht mitverfasst hat. Die heute veröffentlichte Studie bestätigt auch, dass die Täter früher oft selber Opfer von Gewalt geworden sind.

Die Optimus Studie wurde von der UBS Optimus Foundation lanciert und finanziert. Es handelt sich um ein auf zehn Jahre angelegtes wissenschaftliches Projekt in mehreren Ländern. Die Schweizer Studie wurde überwiegend von Wissenschaftlern der Universität Zürich betreut.

SDA/rub

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