Schwule sollen Blut spenden können

Die Zulassung zur Blutspende soll nicht von der Sexualität, sondern vom Risikoverhalten abhängig sein. Die Entscheidung wird bei Swissmedic liegen.

Diskriminierende Praxis? Einmal homosexuellen Sex nach 1977 reicht, um einen Mann von der Blutspende auszuschliessen. (Archivbild)

Diskriminierende Praxis? Einmal homosexuellen Sex nach 1977 reicht, um einen Mann von der Blutspende auszuschliessen. (Archivbild)

(Bild: Keystone Lukas Lehmann)

Nach dem Anschlag auf einen Gay-Club in Orlando war der Aufschrei gross, dass genau die betroffene Community von der Blutspende ausgeschlossen war, um den Verletzten zu helfen. Die Forderung für eine Änderung dieser Praxis immer lauter.

Homosexuelle Männer sollen in der Schweiz Blut spenden dürfen. Die Organisation Blutspende SRK Schweiz will in den nächsten Tagen bei der zuständigen Aufsichtsbehörde Swissmedic einen entsprechenden Antrag stellen. Pink Cross, der Schweizer Dachverband der Schwulen, begrüsst das Vorgehen von Blutspende SRK.

Ab 2017 sollen Männer, die jemals Sex mit Männern gehabt haben, Blut spenden dürfen, wie es in einer Mitteilung von Blutspende SRK Schweiz heisst. Voraussetzung für die Zulassung zur Spende ist allerdings eine sexuelle Abstinenz von zwölf Monaten.

Kein grundsätzlicher Ausschluss mehr

Heute dürfen Männer wegen der Gefahr einer Übertragung von Krankheiten kein Blut spenden, wenn sie nach 1977 je Sex mit einem Mann gehabt haben. Homosexuelle empfinden diese Regelung als diskriminierend. Sie würden pauschal als Sicherheitsrisiko angesehen, machte die Schwulenorganisation Pink Cross dazu geltend.

Blutspende SRK Schweiz will Schwule künftig nicht mehr grundsätzlich vom Spenden ausschliessen. Auch in anderen westlichen Staaten können Männer, die Sex mit Männern haben oder hatten, unter bestimmten Auflagen Blut spenden. Mit dieser Lockerung würde die Schweiz mit Staaten wie den USA, Frankreich, Japan, den Niederlanden, Australien oder Grossbritannien gleichziehen.

Erarbeitung der Zulassungskriterien noch im Gang

Längerfristig soll nun auch in der Schweiz Sex mit einem Mann kein Grund mehr sein, kein Blut spenden zu dürfen. Stattdessen sollen alle Spendewilligen zu ihrem sexuellen Verhalten befragt werden. Aufgrund des konkreten Risikoverhaltens sollen sie zugelassen werden oder nicht, ungeachtet ihrer sexuellen Orientierung.

Ausschlüsse gäbe es zwar noch, aber meistens nur noch temporär, wie es im Communiqué heisst. Umsetzen lässt sich diese Praxis laut Blutspende SRK Schweiz jedoch frühestens ab 2018. Die Erarbeitung der Zulassungskriterien sei komplex, schreibt die Organisation. Auch müssen die zuständigen Behörden zustimmen.

Diagnostisches Fenster immer noch problematisch

Obwohl Spenderblut auf Krankheiten wie HIV oder Hepatitis getestet wird, bleibt für Patienten ein Restrisiko, über Bluttransfusionen mit einer dieser Krankheiten angesteckt zu werden. Grund ist das diagnostische Fenster: In den Tests lassen sich manche Krankheiten erst mehrere Tage nach der Ansteckung im Blut nachweisen.

Diese diagnostischen Fenster sind laut Blutspende SRK Schweiz dank moderner Tests zwar kleiner geworden, aber es gibt sie nach wie vor: Bei HIV ist der Zeitraum bis zu sieben Tage lang. Bei Hepatitis B sind es 20 Tage und bei Hepatitis C ungefähr fünf Tage.

Blutstammzellspende schneller zugelassen

Blutstammzellen sollen homosexuelle Männer dagegen bereits ab kommendem Mittwoch spenden dürfen. Diese Spenden werden vor allem für Leukämiepatienten benötigt. Von diesem Tag an gelten für die Blutstammzellspende neue, risikobasierte Zulassungskriterien. Hetero- und Homosexuelle werden allein aufgrund ihres persönlichen Sexualverhaltens einer von vier Risikogruppen zugeordnet.

Nach Sex von Männern mit Männern werde gar nicht mehr gefragt, hält Blutspende SRK Schweiz fest. Dass Schwule zur Blutstammzellspende zugelassen werden können, liegt daran, dass Blutspende SRK Schweiz die Ausschlusskriterien aufgrund der unterschiedlichen gesetzlichen Grundlagen in eigener Kompetenz festlegen kann.

Nicht spenden dürfen nur Menschen mit hohem Risiko. Gemeint sind zum Beispiel Männer und Frauen, die innerhalb der vier Monate vor der Spende mehr als drei Sexualpartner oder -partnerinnen hatten oder die in den letzten zwölf Monaten mehr als einmal bezahlten Sex hatten.

sep/sda

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