Schweizer Post startet Mission Drohnenlieferung

Surrt bald ein Quadrokopter vor meinem Fenster und lädt ein Paket ab? Die Schweizer Post zeigt heute, was künftig möglich sein soll.

Luftpost mal anders: Die Drohne der Schweizer Post steigt auf. (Video: Bartek Mudrecki)

Die Post denkt darüber nach, Drohnen einzusetzen, um abgelegene Gebiete zu erreichen. Erste Tests mit den Fluggeräten finden seit heute im Seeland statt. «Wir wollen jeden Winkel der Schweiz erreichen können», sagte Dieter Bambauer, Leiter von Postlogistics, heute vor den Medien auf dem kleinen Flugplatz Bellechasse. «Deshalb prüfen wir auch, wie wir die Drohnentechnologie für uns nutzen können.»

Ein kommerzieller Einsatz ist laut Post frühestens in fünf Jahren realistisch. Zunächst ist eine Reihe von technischen und rechtlichen Fragen zu klären. Dazu gehört die begrenzte Batterielaufzeit der Drohnen – das Versuchsmodell kann mit einer Batterieladung 1 Kilogramm über 10 Kilometer befördern.

Drohne kommt aus dem Silicon Valley

Die US-Firma Matternet hat das Fluggerät entwickelt. Unter anderem half die Firma aus dem Silicon Valley mit, Medikamente und Diagnosegeräte in abgelegene Kliniken im Himalaja zu transportieren.

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Ähnliche Einsätze schweben der Post in hiesigen Randregionen vor. Für denkbar hält sie etwa die Notversorgung einer Siedlung, die nach einem Unwetter von der Umwelt abgeschnitten ist.

Auch der Eiltransport von Laborproben kommt infrage, und die «fliegenden Pöstler» könnten zudem dringend benötigte Medikamente in Bergdörfer bringen.

Drohnen fliegen nicht bei jedem Wetter

Die Drohne ist nach Angaben des Herstellers äusserst leicht gebaut. Bedient wird sie über eine iPhone-App, wie Matternet-Chef Andreas Raptopoulos vor den Medien demonstrierte. Gibt man den Zielort beziehungsweise dessen Koordinaten ein, sucht sich die Drohne mithilfe eines von Matternet entwickelten Routenplaners den Weg selber.

Dabei nimmt sie Rücksicht auf Terrain, Bodenerhebungen, Luftraum und Wetter. Gerade für jedes Wetter ist die Drohne allerdings nicht geeignet, wie Raptopoulos einräumte. Das Gerät unter verschiedenen Bedingungen zu testen, gehört zu den Zielen, die sich die Projektverantwortlichen für die laufenden Tests gesteckt haben.

Am «Projekt Phoenix» beteiligt sich auch die Swiss Worldcargo – die Luftfrachtdivision von Swiss.

Kein Pöstler-Ersatz

Dass Drohnen dereinst die Pöstler ersetzen und die flächendeckende Paketzustellung übernehmen, hält Postlogistics-Chef Bambauer für unrealistisch. «Mit täglich über 500'000 Postpaketen ist dies in unserem schon heute strapazierten kleinen Luftraum kaum vorstellbar.»

ij/sda

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