«Schweizer Helipiloten sind Gebirgsspezialisten»

Sind Super Pumas zuverlässig? Ist der Gotthard besonders schwieriges Fluggebiet? Dazu Helikopter-Experte Eugen Bürgler.

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Beim abgestürzten Helikopter handelt es sich um einen Super Puma. Gilt dieses Modell als sicher?
Ja, die Serie ist sehr zuverlässig. Die Heli-Flotte der Schweizer Luftwaffe – 15 Super Pumas und 11 Cougars – hat im Frühling dieses Jahres die Marke von 100'000 Flugstunden erreicht und präsentiert sich in einem technisch sehr guten Zustand. 2014 hat man bei den ältesten Modellen ein umfangreiches Werterhaltungs- und Modernisierungsprogramm abgeschlossen. Zudem haben sich diese Helis auch bei Auslandeinsätzen wie im Kosovo oder in Griechenland bewährt.

Ist der Gotthard denn ein besonders schwieriges Gelände für Helikopter?
Nein, die Super Pumas und Cougars werden ja gerade im Gebirge sehr oft eingesetzt. Die angesprochenen 100’000 Flugstunden sind unter teilweise schwierigen Bedingungen in den Schweizer Bergen durchgeführt worden. Schweizer Helipiloten sind also eigentliche Gebirgsspezialisten, es gehört zu ihrem täglichen Einsatz in Gebieten wie dem Gotthard unterwegs zu sein.

Welche Unfallursachen sind denkbar?
Ich möchte keine Vermutungen anstellen. Grundsätzlich sollte man einen Absturz aber nicht vorschnell als technischen Defekt abtun. Natürlich spielen Technik und Mensch eine wichtige Rolle, aber auch Kabel auf dem Flugweg sind beispielsweise sehr gefährlich für Helis. Die Vergangenheit hat immer wieder gezeigt, dass es mehr Möglichkeiten gibt, als man im ersten Moment denkt.

Wie sah es bei früheren Super Puma-Unfällen aus?
Über die gesamte Einsatzzeit der Helis seit 1987 hat es nur wenige Unfälle gegeben und die hatten alle keine technischen Ursachen. Weder 2011, als im Maderanertal im Kanton Uri ein Heli der Cougar-Serie abstürzte und drei Personen verletzt wurden, noch 1999, als es zu einem Landeunfall eines Super Pumas im Raum Realp-Hospental kam und auch nicht 1994, als ein Super Puma mit einem zivilen Heli kollidierte.

Wie bereitet sich ein Heli-Pilot auf den Notfall vor?
Notverfahren gehören nicht nur zur Ausbildung jedes Piloten und zum Training im Flugsimulator, sondern werden auch vor jedem Flug thematisiert. Was machen wir, wenn wir einen Triebwerkausfall haben? Wo würden wir landen? Solche Fragen diskutiert die Heli-Besatzung vor dem Abflug. Ein Super Puma wird immer von zwei Piloten geflogen. Ausserdem gehört ein Flugbegleiter in der Kabine zur Standardbesatzung, der für die Sicherheit um den Helikopter und in der Kabine sorgt.

Welche Chance hat die Besatzung im Falle eines Absturzes?
Im Design des Super Pumas gibt es verschiedene Sicherheits-Features wie beispielsweise Crash-resistente Sitze, die darauf ausgelegt sind, Energie bei harten Landungen oder Abstürzen zu absorbieren. Auch andere Design-Elemente der Zelle sind darauf ausgelegt, die Insassen zu schützen. Je nach Höhe und Art des Aufpralls nützen aber alle Sicherheitsvorkehrungen nichts. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.09.2016, 16:48 Uhr

Eugen Bürgler ist Journalist und Helikopter-Experte beim Schweizer Luftfahrtmagazin «Skynews».

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