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Schmuddel-Beizen an den Pranger

Der Kanton Zug will, dass Wirte künftig den Bericht der Lebensmittelkontrolle aufhängen. Konsumentenschützer fordern ein entsprechendes Obligatorium für die ganze Schweiz.

Was in anderen Ländern selbstverständlich ist, möchte Zug als erster Kanton in der Schweiz einführen: Wirte teilen ihren Gästen mit, ob sie bei der staatlichen Lebensmittelkontrolle gut oder schlecht abschneiden. Die Zuger Regierung will im revidierten Gesundheitsgesetz festlegen, dass Restaurants künftig einen vereinfachten, für alle verständlichen Bericht erhalten. Ob die Wirte das Zertifikat tatsächlich aufhängen, dürfen sie selber entscheiden. Der Druck der Gäste soll aber garantieren, dass sich die Beizer nicht davor drücken. Die Konsumentenschützer applaudieren, die Wirte kündigen Widerstand an.

Die Stiftung für Konsumentenschutz hält die Pläne in Zug für einen «Schritt in die richtige Richtung», wie Geschäftsleiterin Sara Stalder sagt. Es sei wichtig, dass ein Kanton ein Signal aussende. Stalder fordert eine strenge Regelung für die ganze Schweiz: «Wir müssen alle Gastronomiebetriebe dazu verpflichten, ein Zertifikat der Lebensmittelkontrolle am Eingang aufzuhängen.» Für die Gäste und die Betriebe habe dies positive Auswirkungen: «Die Konsumenten würden endlich wissen, ob ein Restaurant sauber ist. Die Beizen könnten mit einem positiven Zertifikat für sich werben.» In Ländern wie Dänemark und Finnland sowie in Grossbritannien und den USA habe man gute Erfahrungen mit solchen Regelungen gemacht.

Wirte drohen mit Boykott

Sara Stalder schwebt vor, dass Restaurants künftig einen vereinfachten Kontrollbericht veröffentlichen, der folgenden Punkte klärt: Auf welchem Stand ist die Kücheneinrichtung? Wie gut hält ein Betrieb die Hygienevorschriften ein? Wie und wie lange lagert er die Vorräte? Sind alle Angestellten über Hygienefragen genügend aufgeklärt? Eine detaillierte Liste stelle auch sicher, dass ein Restaurant in einigen Punkten zwar mittelmässig abschneiden, dafür anderswo punkten könne. Wie der vereinfachte Bericht in Zug aussehen wird, ist noch offen.

Ebenso unklar ist noch, ob die Zuger Regierung die Änderung des Gesetzes tatsächlich durch das Parlament bringt. Im Kantonsrat organisiert sich aus Gastrokreisen erbitterter Widerstand, wie die «Neue Zuger Zeitung» gestern berichtete. Der CVP-Kantonsrat und Präsident des Zuger Gewerbeverbandes, Silvan Hotz, hat im Parlament den Antrag eingereicht, den entsprechenden Paragrafen zu streichen. Der Kantonsrat wird an seiner heutigen Sitzung darüber entscheiden. Für den Fall, dass sich die Politiker für das Zertifikat aussprechen, drohen die Beizer mit einem Boykott. Der Wirteverband Gastro Zug hat seinen Mitgliedern empfohlen, im Falle einer Einführung das Zertifikat nicht aufzuhängen. Die Überlegung: Wenn alle Restaurants, Bäckereien und Metzgereien nicht mitmachten, entstünde auch kein Druck, die freiwillige Massnahme umzusetzen.

Konsumentenschützerin Stalder findet den Widerstand der Wirte absurd: «Saubere Betriebe haben nichts zu fürchten», hält sie fest. «Nur die schwarzen Schafe werden Probleme bekommen.» Und diese hätten es nicht anders verdient. Doch auch Wirte in anderen Kantonen sind strikte dagegen, ihren Gästen die Resultate der Lebensmittelkontrolle zugänglich zu machen. «Eine weitere Verschärfung der Kontrollen ist nicht nötig», sagt Gastrosuisse-Sprecherin Brigitte Meier. «Der Profi im Gastgewerbe mit langjähriger Erfahrung weiss, was er zu tun hat, damit die Hygiene nicht leidet.»

Zürich: 23 Restaurants katastrophal

Tatsache ist jedoch, dass es Restaurants gibt, die bei Kontrollen sehr schlecht abschneiden. Das kantonale Labor in Zürich beurteilt die Qualität der Betriebe bei den jährlichen Kontrollen in 95 Prozent der Fälle als «in Ordnung» bis «sehr gut». Bei fünf Prozent verlangten die Beamten jedoch eine deutliche Verbesserung. Im Jahr 2007 gab es in Zürich 23 Restaurants mit katastrophalen Zuständen. Die betroffenen Wirte mussten ihre Sortiment reduzieren, einen Teil des Betriebes schliessen oder das Restaurant gründlich reinigen, bevor sie wieder Gäste bedienen durften.

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