Religionspolizei im Jugendsport

Wenn der Bund nur einzelne christliche Jungschar-Gruppen nicht mehr subventioniert, ist das diskriminierend.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Bund will über 200 Jungschar-Gruppen von Jugend + Sport (J + S) ausschliessen, ohne dass es dafür einen konkreten Anlass gibt. Die J+S-Verantwortlichen werfen den christlichen Gruppen pauschal vor, religiös-missionarische Ziele zu verfolgen. Zuvor hat schon das Bundesamt für Sozialversicherungen diesen Organisationen die Subventionen gestrichen.

Mit diesen Entscheiden begibt sich der Bund auf ganz heikles Terrain. Das J+S-Programm unterstützt laut Gesetz «die Entwicklung und Entfaltung der Kinder und Jugendlichen und ermöglicht ihnen, Sport ganzheitlich zu erleben». Entweder ist Sport förderungswürdig, oder er ist es nicht. Ob er von Buddhisten, Atheisten oder Christen betrieben wird, muss egal sein. Wenn für J + S nun plötzlich die Geisteshaltung der Organisatoren massgebend sein soll, lässt das nur den Schluss zu, dass es bei J + S nicht nur um die Sportförderung geht, sondern auch noch um irgendwelche anderen, ideologischen Ziele.

Auch das Bundesamt für Sozialversicherungen zahlt weiterhin Subventionen an viele Jugendorganisationen, die alles andere als weltanschaulich neutral sind: an die Jungparteien, den WWF, an Pro Natura, die Jugendabteilungen der Gewerkschaften, jüdische Studentenverbände, um nur einige zu nennen. All diese Organisationen vermitteln den Jugendlichen politische und ideologische Werte – und trotzdem erscheinen sie dem Bund förderungswürdig. Dass er bei Organisationen, die christliche Werte vertreten, dann plötzlich eine Grenze zieht, ist reine Willkür.

Noch irritierender ist, dass der Bund nur einen Teil der christlichen Jugendverbände auf die schwarze Liste setzt. Cevi, Jungwacht, Blauring und die ­katholische Pfadi sind ihm weiterhin genehm. Dabei spricht zum Beispiel der Cevi in seinen Statuten mindestens so deutlich von christlicher Mission wie jene Jugendverbände, die jetzt vom Bund ausgeschlossen werden. Diese Ungleichbehandlung ist diskriminierend. Die zuständigen Bundesräte Alain Berset und Guy Parmelin tun gut daran, ihre beiden Bundesämter rasch zurückzulotsen aus dem politischen Minenfeld, auf das sie sich verirrt haben.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.04.2017, 23:40 Uhr

Artikel zum Thema

Zu religiös für J+S-Fördergelder

Weil bei ihnen eine «religiöse Mission» im Zentrum steht, verbannt der Bund über 200 evangelische Gruppen aus dem J+S-Programm. Mehr...

Darf man Kinder noch in die Pfadi schicken?

Blog Mamablog Helikopter-Eltern, Generation Rücksitz, Paranoia-Parenting – die Kultur der ängstlichen Eltern trägt viele Namen. Zeigt der tragische Unfall vom Pfingstwochenende, dass sie recht haben? Papablog von Philippe Zweifel. Zum Blog

Dossiers

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Wettbewerb

Gratis nach Singapur fliegen

Seit Anfang August fliegt Singapore Airlines auch ab Zürich mit einem neu ausgestatteten Airbus A380. Gewinnen Sie zwei Flugtickets.

Kommentare

Werbung

Auswärts essen? Die Gastrokolumne.

Per Mausklick zur Gastrokritik: Wo es der Redaktion am besten mundet, kommen vielleicht auch Sie auf den Geschmack.

Die Welt in Bildern

Kultur für Kleine: In Dresden öffnet die erste Kinderbiennale in Europa. Anders als sonst im Museum, kann und darf hier selbst gestaltet und mitgemacht werden. (21. September 2018)
(Bild: Sebastian Kahnert/dpa) Mehr...