Religionspolizei im Jugendsport

Wenn der Bund nur einzelne christliche Jungschar-Gruppen nicht mehr subventioniert, ist das diskriminierend.

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Markus Häfliger@M_Haefliger

Der Bund will über 200 Jungschar-Gruppen von Jugend + Sport (J + S) ausschliessen, ohne dass es dafür einen konkreten Anlass gibt. Die J+S-Verantwortlichen werfen den christlichen Gruppen pauschal vor, religiös-missionarische Ziele zu verfolgen. Zuvor hat schon das Bundesamt für Sozialversicherungen diesen Organisationen die Subventionen gestrichen.

Mit diesen Entscheiden begibt sich der Bund auf ganz heikles Terrain. Das J+S-Programm unterstützt laut Gesetz «die Entwicklung und Entfaltung der Kinder und Jugendlichen und ermöglicht ihnen, Sport ganzheitlich zu erleben». Entweder ist Sport förderungswürdig, oder er ist es nicht. Ob er von Buddhisten, Atheisten oder Christen betrieben wird, muss egal sein. Wenn für J + S nun plötzlich die Geisteshaltung der Organisatoren massgebend sein soll, lässt das nur den Schluss zu, dass es bei J + S nicht nur um die Sportförderung geht, sondern auch noch um irgendwelche anderen, ideologischen Ziele.

Auch das Bundesamt für Sozialversicherungen zahlt weiterhin Subventionen an viele Jugendorganisationen, die alles andere als weltanschaulich neutral sind: an die Jungparteien, den WWF, an Pro Natura, die Jugendabteilungen der Gewerkschaften, jüdische Studentenverbände, um nur einige zu nennen. All diese Organisationen vermitteln den Jugendlichen politische und ideologische Werte – und trotzdem erscheinen sie dem Bund förderungswürdig. Dass er bei Organisationen, die christliche Werte vertreten, dann plötzlich eine Grenze zieht, ist reine Willkür.

Noch irritierender ist, dass der Bund nur einen Teil der christlichen Jugendverbände auf die schwarze Liste setzt. Cevi, Jungwacht, Blauring und die ­katholische Pfadi sind ihm weiterhin genehm. Dabei spricht zum Beispiel der Cevi in seinen Statuten mindestens so deutlich von christlicher Mission wie jene Jugendverbände, die jetzt vom Bund ausgeschlossen werden. Diese Ungleichbehandlung ist diskriminierend. Die zuständigen Bundesräte Alain Berset und Guy Parmelin tun gut daran, ihre beiden Bundesämter rasch zurückzulotsen aus dem politischen Minenfeld, auf das sie sich verirrt haben.

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