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Reeder befürchten Rhein-Blockade wegen Nato-Gipfel

Wenn die Nato im nächsten April in Strassburg ihren 60. Geburtstag feiert, stört das auch die Hotelschiffe der Basler Uhren- und Schmuckmesse.

Die Staatschefs der 26 Nato-Mitglieder möchten zusammen über eine Brücke gehen. Und zwar nicht über irgendeine, sondern über die neu erbaute Mimram-Brücke zwischen Kehl (D) und Strassburg (F). Anlass ist der Nato-Doppelgipfel vom 3. und 4. April 2009 zum 60. Geburtstags der Nato in Strassburg und Kehl.

Das versetzt die Rheinschifffahrt in Aufregung. Wie die Hauszeitung der Schweizerischen Vereinigung für Schifffahrt und Hafenwirtschaft schreibt, werde über «eine Sperrung des Rheins über mehrere Tage nachgedacht». Dass über eine komplette Stilllegung des Güter- und Personenverkehrs auf dem Rhein diskutiert wird, haben die Betroffenen erst vor zwei Wochen an einer Sitzung der Behörden und der Schleusenbetreiber erfahren. Weitere Informationen gab es nicht. «Von wo bis wo und wie lange gesperrt werden soll, weiss noch niemand», sagt Erwin Fessmann von der Zentralkommission für Rheinschifffahrt (ZKR), in Strassburg.

Baselworld vor einem Problem

Dabei ist die Frage nach Zeitpunkt und Dauer der Sperrung zentral. Auch für die Basler Uhren- und Schmuckmesse Baselworld. Diese findet vom 26. März bis zum 2. April statt. Um den erhöhten Bedarf an Übernachtungsmöglichkeiten zu decken, legen während der Messe jeweils knapp zwanzig Hotelschiffe mit insgesamt rund 3000 Zimmern in Basel an. Wenn nun wegen des Nato-Gipfels der Rhein just zum Ende von Baselworld gesperrt würde, könnten viele der Schiffe nicht rechtzeitig an die Ausgangsorte ihrer anschliessenden Reisen gelangen. Das gilt besonders dann, wenn sie flussabwärts neue Passagiere aufladen, wie etwa in Karlsruhe oder Köln. Erschwerend kommt hinzu, dass am Oberrhein gleichzeitig viele Schleusen revidiert werden, was zu zusätzlichen Engpässen führt.

Eine allfällig mehrtägige Rheinsperrung und geschlossene Schleusen wären für die Betreiber der schwimmenden Hotels existenzbedrohend. «Wir müssen bereits am Tag nach Ende der Messe in Strassburg eine Reisegruppe aufladen und flussabwärts weiterfahren», sagt etwa Manuela van Zelst, von der Reederei Scylla-Tours, die für die Baselworld sieben Hotelschiffe mit insgesamt rund 800 Plätzen vor Anker hat. Der Vertrag mit dem Reiseveranstalter ist schon lange unterschrieben und ein Nichteinhalten hätte hohe Kosten zur Folge. Gar nicht erst nach Basel zu fahren, wäre ebenfalls teuer, und das gilt nicht nur für Scylla Tours, sondern für alle Reedereien, die zur Uhren- und Schmuckmesse ein Schiff am Rheinknie anlegen lassen.

Wichtige Kunden im Hotelschiff

Die Hotelschiffe sind begehrt während der Messe. «Wir platzieren wichtige Kunden auf den Schiffen im Zentrum der Stadt, ein Ausfall würde sicherlich vertraglich sanktioniert», sagt Bernard Keller von Baselworld. Die Messe lässt deshalb abklären, welche Lösungen es gibt. Denn: «Wenn bis lange nach der Messe gesperrt würde, dann hätten wir ein Problem», sagt Keller, der zum jetzigen Zeitpunkt noch optimistisch ist. Er hält eine Totalsperrung über mehrere Tage für eher unwahrscheinlich: «Schliesslich fahren nicht nur Hotelschiffe auf dem Rhein, auch die Transportunternehmen werden Druck machen.»

Doch momentan sind allen Verkehrsteilnehmern auf dem Rhein gleich wie Baselworld die Hände gebunden. Noch ist nicht einmal bekannt, welche Stellen am Nato-Gipfel für die Sicherheitsvorkehrungen auf dem Rhein zuständig sind. Verhandlungen können also noch gar keine geführt werden.

Das bestätigt ZKR-Sekretär Fessmann, der ohnehin nur bedingt an einen allfälligen Erfolg von Verhandlungen mit den Veranstaltern des Gipfeltreffens glaubt. «Wir haben zwar signalisiert, dass die Schifffahrt freie Fahrt braucht, aber die Nato ist eine militärische Organisation, da haben wir vermutlich nicht viel mitzureden», sagt Fessmann. Der Besuch des Papstes in Köln oder derjenige von George W. Bush 2005 im Rheinland habe gezeigt, wie gross die Einschränkungen bei Besuchen von Staatsoberhäuptern sein können: «Beim Besuch von Präsident Bush wurde der Rhein für die ganze Schifffahrt für einen Tag gesperrt. Es war nicht einmal erlaubt, vor Anker zu gehen.»

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