Rauchende Köpfe und ein Weltmeister im Bundeshaus

Russische Parlamentarier traten in Bern zum Schach gegen ihre Schweizer Kollegen an. Wer dominierte – und wie SP-Chef Christian Levrat seine Teilnahme erklärt.

Das Schachturnier war schon lange geplant – und wurde nun kritisiert: Schweizer und russische Parlamentarier traten im Strategiespiel gegeneinander an.

Für einmal stand nicht die Politik im Vordergrund: Schweizer National- und Ständeräte duellierten sich heute mit russischen Politikern im Schach. Mit Anatoli Karpow nahm sogar ein ehemaliger Weltmeister am Turnier teil. Entsprechend gross war das Interesse – dicht gedrängt standen die Zuschauer im kleinen, stickigen Zimmer 1 des Bundeshauses. Die je sechs Spieler beider Länder traten in 36 Blitzpartien à sieben Minuten gegeneinander an. Die russische Seite dominierte das Turnier zwar eindeutig, aber die schachbegeisterten Schweizer Parlamentarier freuten sich, gegen Karpow antreten zu können.

Der Anlass hatte angesichts der schwelenden Ukrainekrise im Vorfeld für Kritik gesorgt. Aussenpolitiker fanden es unangebracht, dass sich ihre Ratskollegen mit einer Konfliktpartei an den Spieltisch setzen. FDP-Ständerat Hans Altherr betonte gegenüber DerBund.ch/Newsnet indes, er habe keine Bedenken, am Turnier mitzumachen. Schliesslich sei Schach ein unpolitisches Spiel. Mit Karpow habe er darum am Tisch auch nicht über Politik, sondern über Spielzüge geredet.

SP-Ständerat Christian Levrat kann die Skepsis nachvollziehen. Gleichzeitig verweist er aber auch darauf, dass das Strategiespiel schon immer auch in Zeiten des Kriegs gespielt wurde. Das Turnier sei bereits vor einem Jahr geplant worden, sagte Organisator und CVP-Ständerat Filippo Lombardi. Es fand im Rahmen der Feierlichkeiten zum 200-Jahr-Jubiläum der diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern statt. Gerade in Krisensituationen sei es umso wichtiger, den Dialog aufrechtzuerhalten, so Lombardi. Am Vormittag habe die Schweizer Parlamentariergruppe während 90 Minuten Gespräche mit der russischen Delegation geführt – und dabei auch ihre Besorgnis zu den Entwicklungen in der Ukraine zum Ausdruck gebracht.

DerBund.ch/Newsnet

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