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Pro-Tell-Präsident schmeisst den Bettel hin

Der Waffenlobby-Verein kommt nicht zur Ruhe: Nach acht Monaten als Präsident gibt Hans-Peter Wüthrich sein Amt per sofort ab. Bereits sein Vorgänger ging im Streit.

Die neue EU-Waffenrichtlinie im Visier: Pro Tell kämpft gegen eine Verschärfung des Waffenrechts.
Die neue EU-Waffenrichtlinie im Visier: Pro Tell kämpft gegen eine Verschärfung des Waffenrechts.
Keystone

Er sollte Pro Tell in ruhigere Fahrwasser führen, nun zieht er sich zurück: Der frühere Brigadier Hans-Peter Wüthrich hat am Sonntag seine sofortige Demission als Präsident der Waffenlobby-Organisation eingereicht. «Wir bedauern diesen Rücktritt sehr», sagt Pro-Tell-Generalsekretär Robin Udry.

Gemäss Udry ist Wüthrich zum Schluss gekommen, dass das Präsidentenamt zu zeitaufwendig und nicht kombinierbar mit seinen übrigen Aktivitäten sei. Der 70-jährige Wüthrich ist Inhaber einer Beratungsfirma. Er war heute nicht erreichbar.

Wie Udry sagt, ist der Mitgliederbestand von Pro Tell unter Wüthrich von 8700 im Juni auf inzwischen 12'000 gestiegen: «Wüthrich hat mit enormem Einsatz aus Pro Tell eine professionell geführte Organisation gemacht.» Die Belastung für die Vorstandsmitglieder sei entsprechend, in der Regel würden sie dreimal pro Woche für Referate angefragt.

Interimistisch werden die Geschäfte durch den Vizepräsidenten, den Walliser SVP-Nationalrat Jean-Luc Addor, geführt. Der neue Präsident soll laut Udry wieder aus der Deutschschweiz stammen und «ein ehemaliger hoher Offizier oder ein aktiver Politiker sein».

Pro Tell ist politisch gut vernetzt: Die parlamentarische Gruppe für ein liberales Waffenrecht, die dem Verein nahesteht, zählt 60 Mitglieder. Aussenminister Ignazio Cassis war kurz vor seiner Wahl Pro Tell beigetreten, nur um nach seiner Wahl den Verein wieder zu verlassen.

Alter Präsident sprach von «Putsch»

Wüthrichs Abgang nach nur acht Monaten überrascht – zumal bereits sein Vorgänger Willy Pfund abrupt das Amt aufgegeben hatte. Der Alt-FDP-Nationalrat aus dem Kanton Solothurn trat jeweils mit markigen Worten in der Öffentlichkeit auf.

Mit seinem Rücktritt im September 2016 kam Pfund schliesslich seiner Absetzung durch den Vorstand zuvor, der sich immer stärker am autokratischen Führungsstil des 77-Jährigen gestört hatte. Pfund selber bezeichnete dieses Vorgehen als «Putsch, statutenwidrig und respektlos».

Kampf gegen neues Waffenrecht

Pro Tell kämpft derzeit mit Vehemenz gegen die geplante Revision des Waffenrechts. Diese wird nötig, weil die EU ihre Waffenrichtlinie verschärft und die Schweiz als Schengen-Mitglied davon betroffen ist. Zwar konnte die Schweiz gewisse Sonderbestimmungen aushandeln, doch Pro Tell wird aller Voraussicht nach das Referendum ergreifen – selbst auf Kosten der Schengen-Mitgliedschaft.

Der Verein stösst sich unter anderem daran, dass die EU halbautomatische Waffen wie das Schweizer Sturmgewehr der Ausnahmebewilligungspflicht unterstellt. «Der legale Waffenbesitzer wird unter dem Vorwand der Terrorbekämpfung unter Generalverdacht gestellt», sagt Udry. Pro Tell werde das nie akzeptieren. «Das ist der Kampf meines Lebens», sagt der Generalsekretär.

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