Politiker rechtfertigen den Gentech-Boykott

In einem Brief bekräftigen Parlamentarier, dass die Schweizer Landwirtschaft keine Gen-Pflanzen braucht. Damit widersprechen sie einer Studie, welche die Vorteile des Gentechs aufzeichnet.

«Natur, Sicherheit, Gesundheit und Nachhaltigkeit»: Adèle Thorens (rechts) steht an der Spitze der Gentech-Gegner.

«Natur, Sicherheit, Gesundheit und Nachhaltigkeit»: Adèle Thorens (rechts) steht an der Spitze der Gentech-Gegner.

(Bild: Keystone)

Die Schweizer Landwirtschaft benötige keine gentechnisch veränderten Pflanzen (GVP), schreiben sieben Nationalräte in einem offenen Brief. Sie reagieren damit auf einen Bericht der Akademien der Wissenschaften Schweiz, der GVP als umweltschonende Alternative darstellt.

Das Parlament hätte das Gentech-Moratorium unter Berücksichtigung der Ergebnisse des Nationalen Forschungsprogramms (NFP) 59 verlängert, erklärte Nationalrätin Adèle Thorens (GP/VD) im Brief, der heute in der Zeitung «Le Temps» erschienen ist. Darin wehren sich die Parlamentarier gegen die Vorwürfe von Thierry Courvoisier, Präsident der Akademien der Wissenschaften Schweiz.

Studienergebnisse missachtet?

Er hatte Ende Februar in einem offenen Brief den eidgenössischen Räten vorgeworfen, das Gentech-Moratorium ohne Kenntnis der Forschungsergebnisse des NFP 59 verlängert zu haben. Dieses war zum Schluss gekommen, dass GVP keine Umwelt- und Gesundheitsrisiken bergen, die nicht auf für konventionell gezüchtete Pflanzen bestehen.

Anders sehen dies die Nationalräte. Die Forschungsergebnisse belegten, dass GVP nicht die Kriterien der «Qualitätsstrategie» erfüllen, über die in politischen, wirtschaftlichen und landwirtschaftlichen Kreisen ein breiter Konsens bestehe, heisst es in dem Brief. Dazu zählten Natur, Sicherheit, Gesundheit und Nachhaltigkeit.

Rentabilität nicht bewiesen

Die «Qualitätsstrategie» bedeute, sich für Transparenz über die Qualität der Produkte und objektive Informationen an Konsumenten einzusetzen, schreiben die Parlamentarier weiter. Diese Positionierung sei ein sehr guter Weg, um die Schweizer Landwirtschaft konkurrenzfähig, leistungsfähig und attraktiv für Konsumenten im In- und Ausland zu machen.

Ausserdem seien GVP von keinem Nutzen für einheimische Landwirte. Die Kosten der Koexistenz mit konventionell gezüchteten Pflanzen wären erheblich, was vom Forschungsprogramm aber nur teilweise in Betracht gezogen worden sei. Die Rentabilität von GVP für Schweizer Bauern ist in den Augen der Nationalräte nicht bewiesen.

GVP: Bei Bevölkerung unbeliebt

Zudem stehe die Schweizer Bevölkerung der Einführung von GVP skeptisch gegenüber. Gemäss einer Umfrage von Professor Heinz Bonfadelli vom NFP 59 gaben 60 Prozent der Befragten an, dass sie keine gentechnisch veränderten Lebensmittel konsumieren möchten. Dagegen wünschen 71 Prozent, die Wahlfreiheit zwischen konventionellen und GVP-Produkten zu besitzen.

Neben der Autorin Adèle Thorens haben Isabelle Chevalley (GLP/VD), Andreas Aebi (SVP/BE), Prisca Birrer-Heimo (SP/LU), Hansjörg Hassler (BDP/GR), Markus Ritter (CVP/SG) und Jacques Bourgeois (FDP/FR) den Brief unterzeichnet.

mrs/sda

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt