Zum Hauptinhalt springen

«Er hat die Politik vermisst»

Plötzlich hat Peter Spuhler wieder Zeit für Politik. Wen das mögliche Comeback des SVP-Schwergewichts freut – und wem es ungelegen kommt.

Ein Idealer Kandidat für die SVP: Und das, obwohl sein Verhältnis zur Partei nicht immer einfach war.
Ein Idealer Kandidat für die SVP: Und das, obwohl sein Verhältnis zur Partei nicht immer einfach war.
Gian Ehrenzeller, Keystone

Endlich ist er da, der grosse Tag der FDP. Nach einer monatelangen Kandidatenkür ist die Aufmerksamkeit für die Partei am Mittwochmorgen um 8.26 Uhr maximal. Soeben hat der abtretende Bundesrat Didier Burkhalter seine Abschiedsrede gehalten, der Applaus im Nationalratssaal hallt noch nach, als die Push-Nachricht auf den Handys aufblinkt: Peter Spuhler gibt die operative Führung seiner Stadler-Rail-Gruppe auf Anfang 2018 ab.

Es ist eine Meldung aus der Wirtschaft, aber sie hat auch politische Relevanz. Spuhler, der von 1999 bis 2012 für die Thurgauer SVP im Nationalrat politisierte, ist ein Schwergewicht in der Partei – und wurde in der Vergangenheit mehrfach als Bundesratskandidat gehandelt. Dass er für die Information über seinen Rücktritt als CEO ausgerechnet diesen einen Tag wählte, ist deshalb für viele eine Botschaft: Spuhler meldet sich zurück auf der Politbühne.

«Er hat die Politik vermisst», sagt seine Nachfolgerin im Nationalrat, Verena Herzog. «Der Zeitpunkt der Information zeigt, dass er 2019 für ein politisches Amt zur Verfügung stehen wird», zeigt sich auch ihr Thurgauer Rats- und Parteikollege Hansjörg Walter überzeugt. Und SVP-Präsident Albert Rösti «würde es begrüssen, wenn Peter Spuhler wieder für ein politisches Amt kandidieren würde.»

SVP würde nicht zögern

Spuhler selbst bestätigt im Interview mit Redaktion Tamedia, dass er «gerne Politik gemacht» habe. Er war 2012 zurückgetreten, weil er sich wegen der Währungskrise auf sein Unternehmen konzentrieren wollte. Bundesratsambitionen dementiert er aber – wie bereits mehrfach, wenn seine Partei oder die Medien ihn ins Spiel gebracht hatten. An seiner ges­trigen Pressekonferenz erteilte Spuhler den Mutmassungen sogar eine dezidierte Absage: «Es wird definitiv nie einen Bundesrat Peter Spuhler geben.»

Spuhler schliesst ein politisches Comeback nicht aus. (Video: Tamedia/Nicolas Fäs)

Ein erneutes Nationalratsmandat schliesst Spuhler ebenfalls aus. Die Tür zum Ständerat lässt er hingegen offen. Zurzeit gebe es dort keine Vakanz. Aber: «Wenn die Partei anfragt, werde ich mir das überlegen.»

Dabei dürfte es eher umgekehrt sein: Wenn Spuhler seine Ambitionen kundtut, wird die Partei nicht lange überlegen und die Kandidatur ermöglichen. Den Thurgauer SVP-Sitz im Stöckli hat zurzeit Roland Eberle inne. Dieser wird im Wahljahr 2019 66 Jahre alt sein – und hatte jüngst mehrfach mit gesundheit­lichen Problemen zu kämpfen. Bereits dreimal erkrankte er an einem bakteriellen Infekt, der infolge einer Hüftoperation auftrat. Wegen eines mehrwöchigen Spitalaufenthalts konnte er letztes Jahr nicht an der Wintersession teilnehmen.

Eberle, der in der SVP ebenfalls Ansehen geniesst, äussert sich bislang nicht dazu, ob er nach acht Jahren eine weitere Legislatur im Ständerat bleiben will. Die SVP betont zwar ihre Zufriedenheit mit dem Unternehmer, doch der Druck auf ihn dürfte nun steigen. Mangelnde Sensibilität?

Klar ist: Sollte der 58-Jährige dereinst doch Bundesratsambitionen haben, stünde seiner Kandidatur nichts im Weg.

Ostschweizer Vertreter im Parlament fühlten sich gestern denn auch ungut an letztes Jahr erinnert, als Spuhler in einem Interview grundsätzliches Interesse an einem Ständeratsmandat bekundet hatte. Das Timing war damals ebenfalls speziell: Eberle war im Spital. Das hatte im Thurgau zu einer Kontroverse geführt; Spuhler wurde mangelnde Sensibilität vorgeworfen.

Die SVP ist im Kanton mit über 30 Prozent Wähleranteil die stärkste Partei. Eine Option wäre deshalb auch, dass die beiden Unternehmer 2019 gemeinsam antreten und der CVP den Sitz streitig machen würden, den zurzeit Brigitte Häberli-Koller besetzt. Doch Spuhler scheint nach Einschätzung enger Vertrauter nicht für ein solches Vorgehen zu gewinnen zu sein.

Immer in der Nähe

Dabei war der Unternehmer gar nie wirklich weg aus Bundesbern. «Man sieht ihn hin und wieder in der Wandelhalle», sagt etwa SP-Wirtschaftspolitiker Corrado Pardini und erinnert auch an dessen Kritik an der Währungspolitik der Nationalbank 2015. Damals plädierte Spuhler dafür, den Franken zu schwächen, um bessere Rahmenbedingungen für die Exportwirtschaft zu schaffen. Das dürfte dazu beigetragen haben, dass die SNB ihre Politik revidiert habe, sagt Pardini. Die Wirtschaft wünscht sich denn auch ein verstärktes politisches Engagement von Spuhler, wie Arbeitgeberverbandspräsident Valentin Vogt sagt.

Klar ist: Sollte der 58-Jährige dereinst doch Bundesratsambitionen haben, stünde seiner Kandidatur nichts im Weg. Finanzminister Ueli Maurer wird in absehbarer Zeit zurücktreten – und für die SVP wäre Spuhler als verdienter Unternehmer und Politiker der ideale Kandidat. Und das, obwohl sein Verhältnis zur Partei nicht immer einfach war. In zentralen Fragen wich er von der Parteilinie ab; die grösste Differenz bestand bei der Masseneinwanderungsinitiative.

Für die FDP aber hätte eine Kandidatur Spuhlers weitreichende Folgen: Die Partei beansprucht den Ostschweizer Sitz für sich. Sie dürfte für die Nachfolge von Johann Schneider-Ammann auf die St. Gallerin Karin Keller-Sutter setzen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch