Patienten sollen weniger in die Röhre

Die Computertomografie hat die Strahlenbelastung durch medizinische Untersuchungen stark erhöht.

Nicht harmlos: Ein Computertomograf am Triemlispital. Foto: Walter Bieri (Keystone)

Nicht harmlos: Ein Computertomograf am Triemlispital. Foto: Walter Bieri (Keystone)

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Bei immer mehr Untersuchungen werden Computertomografen (CT) eingesetzt. In den Spitälern und privaten Radiologieinstituten der Schweiz stehen insgesamt 330 dieser Geräte, doppelt so viele wie noch vor 20 Jahren. Die um den Körper rotierenden Röntgenapparate haben die medizinische Diagnostik in den letzten Jahrzehnten revolutioniert. CT liefern scharfe, dreidimensionale Bilder aus dem Körperinneren. Bei der Abklärung von Krebs- und Kreislauferkrankungen, bei Rückenleiden oder nach schweren Unfällen sind die Bilder von grossem Wert.

Doch wie fast alles hat auch die Computertomografie Nebenwirkungen, vor allem wenn sie zu viel eingesetzt wird. Die Strahlen sind potenziell krebserregend. Je höher die Strahlenbelastung eines Menschen, desto grösser ist das Krebsrisiko. Die Strahlendosis eines einzigen CT des Schädels oder Brustkorbes entspricht etwa der natürlichen Strahlenbelastung in der Schweiz während eines Jahres. Mittlerweile werden in der Schweiz gegen eine Million CT-Untersuchungen pro Jahr gemacht. Die durchschnittliche Strahlenbelastung der Bevölkerung aufgrund der medizinischen Anwendungen hat in den letzten 15 Jahren um 40 Prozent zugenommen.

Jedes fünfte CT unnötig?

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) will diesen Trend nun bremsen. Gemäss ausländischen Studien sind nämlich 20 bis 30 Prozent der CT-Untersuchungen unnötig. Für die Schweiz gibt es bisher keine solche Studie. Ziel sei es, unnötige CT-Abklärungen zu verhindern, sagte Sébastien Baechler vom BAG gestern vor den Medien im Berner Inselspital, wo sechs Computertomografen stehen. Dank verbesserter Geräte sei es heute möglich, die Untersuchung mit einer geringeren Strahlendosis durchzuführen. Im Vergleich zu CT-Abklärungen von 2010 kann ein Schädel mit einer um 22 Prozent geringeren Dosis untersucht werden. Beim Brustkorb-CT konnte die Strahlenbelastung um 30 Prozent reduziert werden.

Das BAG tritt allerdings nicht als Kontrollbehörde auf. Vielmehr sollen Fachkollegien bei sämtlichen radiologischen Instituten der Schweiz (zurzeit 255) sogenannte Audits durchführen. Ziel ist es, dass Ärzte, Medizinphysiker und Fachleute für medizinisch-technische Radiologie die Arbeit ihrer Berufskollegen evaluieren. Als Beispiel für eine unnötige Anwendung nannte der Radiologe Sebastian Schindera die Abklärung einer Blinddarmentzündung. Eines der besuchten Institute habe bei einer schlanken jungen Frau dazu einen CT eingesetzt. Dabei hätte in diesem Fall eine Untersuchung mit einem Ultraschallgerät genügt. Der Einsatz eines CT wäre beim Blinddarm nur bei stark übergewichtigen Patienten angezeigt.

Als Alternative zum CT bietet sich unter Umständen auch eine Magnetresonanztomografie an. Bei dieser Untersuchungsmethode werden keine Röntgenstrahlen verwendet, sondern ein Magnetfeld und Radiowellen, was nach heutigem Kenntnisstand unbedenklich ist.

Manchmal genügt ein Durchlauf

Bei den Audits in den Instituten werden konkrete Fälle analysiert. Gefragt wird etwa, ob die Indikation zwingend ein CT erforderte und ob nicht eine geringere Strahlendosis oder nur ein CT-Durchgang genügt hätte. Oft werden zur Untersuchung von Organen mehrere Durchläufe gemacht: zunächst einer ohne, dann einer oder mehrere mit Kontrastmittel. Bei Verdacht auf Lungenembolie könne unter Umständen auf den Durchgang ohne Kontrastmittel verzichtet werden, sagte Schindera, der leitender Arzt am Kantonsspital Aarau ist.

Zurzeit werden an einzelnen Radiologieinstituten Pilotaudits durchgeführt. Ab 2020 sollen diese dann systematisch in allen Instituten stattfinden. Laut der Strahlenschutzverordnung des Bundes muss ein solches Audit alle fünf Jahre durchgeführt werden.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.05.2018, 23:37 Uhr

Kantonale Spitalplanung

Obergrenzen für die Löhne

Die Kantone wollen bei der Spitalplanung enger zusammenarbeiten. Die Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektoren (GDK) hat gestern ihre Empfehlungen zur Spitalplanung umfassend revidiert. Diese Empfehlungen sind zwar für die Kantone nicht bindend. Dennoch werden sie vom Bundesverwaltungsgericht bei Entscheiden zur Spitalplanung beigezogen. Die neuen Empfehlungen ermöglichen es den Kantonen unter anderem, Lohnobergrenzen festzulegen für Spitäler mit einem kantonalen Leistungsauftrag. Welche Wirkung solche Obergrenzen hätten, sei abzuwarten, sagt GDK-Präsident Thomas Heiniger. Ziel sei nicht ein Abgleich der Löhne unter den Kantonen. Die postulierte Lohntransparenz in den Spitälern könne den Wettbewerb um Spitalpersonal allenfalls gar noch verschärfen und die Löhne in die Höhe treiben, sagt der Zürcher Gesundheitsdirektor.

Hauptziel der kantonalen Spitalplanungen ist eine bedarfsgerechte, qualitativ gute und finanzierbare Versorgung. Die GDK will dazu die Koordination unter den Kantonen verstärken. Ziel sei es, Überkapazitäten und unnötige Angebote zu vermeiden. «Wir wollen verhindern, dass die Kantone aneinander vorbeiplanen», so Heiniger. Eine gut koordinierte Planung rechne sich letztlich auch für den Prämien- und Steuerzahler. (br)

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