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Patienten sollen leichter an Cannabis kommen

Bald sollen Ärzte medizinisches Cannabis direkt verschreiben können. Antworten auf die sechs wichtigsten Fragen.

Ungefähr zwanzig Schweizer Bauern könnten sich etwas dazuverdienen, wenn sie auf Cannabis setzen würden. Indoor-Anbau von THC-armem Cannabis in Schönenberg. Foto: Christian Beutler (Keystone)
Ungefähr zwanzig Schweizer Bauern könnten sich etwas dazuverdienen, wenn sie auf Cannabis setzen würden. Indoor-Anbau von THC-armem Cannabis in Schönenberg. Foto: Christian Beutler (Keystone)

«Ich könnte in Deutschland wohl etwa das Zwanzig- bis Dreissigfache der Menge absetzen, die ich in der Schweiz verkaufe», sagt Markus Lüdi, Hanfpionier, Chemiker und mit seiner Cannapharm AG einer der wichtigsten Produzenten von Medizinalcannabis in der Schweiz. Seit Jahren kämpft Lüdi dafür, dass er seinen Hanf auch ins Ausland exportieren darf. Seit heute ist er seinem Wunsch ein grosses Stück näher. Nach dem Nationalrat hat nun auch der Ständerat einen entsprechenden Vorstoss angenommen. Der Bundesrat hat eine Gesetzesänderung bereits in die Wege geleitet, die nebst dem Wegfall des Exportverbots insbesondere einen erleichterten Zugang zu medizinischem Cannabis für Schweizer Patientinnen und Patienten vorsieht.

Wie viele Patienten nutzen Cannabis als Medikament?

In den letzten Jahren deckten sich jeweils etwas über 3000 Schweizer Patienten legal mit Cannabispräparaten ein. Dies entspricht jedoch nur einem Bruchteil derjenigen, welche Hanf zur Linderung verschiedenster Gebrechen auch tatsächlich einsetzen. Der Weg über eine Ausnahmebewilligung, die nur das Bundesamt für Gesundheit (BAG) erteilen kann, ist kompliziert, die vorhandenen Cannabismittel sind teuer. Viele besorgen sich deshalb Cannabis illegal. Gemäss Schätzungen des BAG sind dies bis zu 111’000 Patienten.

Wie teuer ist eine solche Behandlung?

Patientinnen und Patienten zahlen für den Einsatz von legalem Medizinalcannabis im Monat bis zu mehrere Hundert Franken. Die Krankenkassen zahlen nur in der Hälfte aller Fälle etwas an eine solche Therapie. Auf dem illegalen Markt ist Cannabis wesentlich billiger, durchschnittlich zehn Franken pro Gramm. Das Problem: Der berauschende THC-Anteil kann sehr hoch sein, und der Stoff ist teilweise verunreinigt. Zudem würden viele unbescholtene Bürger die Gefahr auf sich nehmen, kriminalisiert und bestraft zu werden, warnt die Gesundheitskommission des Nationalrates, welche auf eine schnelle Umsetzung drängt.

Wann kommen Patienten einfacher an Medizinalcannabis?

Gesundheitsminister Alain Berset betont, dass der Bund die Revision des Betäubungsmittelgesetzes so schnell als möglich umsetzen will. Damit können Ärzte künftig Cannabis zu medizinischen Zwecken direkt verschreiben, der Weg über das BAG entfällt. Nicht berücksichtigt wird die Frage nach der Vergütung durch die obligatorische Krankenversicherung. Dies soll später geprüft werden.Die Vernehmlassung ist seit letztem Oktober abgeschlossen und stiess bei allen Parteien, den Kantonen und auch bei den Ärzten auf positiven Widerhall. Der Bundesrat werde die entsprechende Botschaft noch diesen Frühsommer ans Parlament überweisen, betont Berset in der Parlamentsdebatte. Laut Daniel Dauwalder vom BAG könnte das überarbeitete Gesetz somit frühstens Mitte 2021 in Kraft treten, sofern kein Referendum ergriffen wird.

Bei welchen Krankheiten wird Cannabis als Medikament eingesetzt?

Nur bei vier Indikationen kann das BAG heute eine Bewilligung erteilen:– Spastik unter anderem bei multipler Sklerose– bei chronischen Schmerzzuständen– Appetitlosigkeit bei HIV-Erkrankungen– Übelkeit, Appetitlosigkeit und Schmerzen bei KrebserkrankungenErfolge werden aber auch bei anderen Krankheiten verzeichnet, wie etwa bei der Epilepsie, bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie etwa Morbus Crohn, Tinnitus oder Schlafstörungen.

Wer wird vom Wegfall eines Exportverbots von Medizinalcannabis profitieren?

Bei der Produktion des Grundstoffs, also der Cannabispflanze, könnten einige Bauernbetriebe profitieren. Markus Lüdi ist überzeugt, dass mit einer Exportbewilligung sicher 20 Bauern in der Schweiz einen schönen Zusatzverdienst machen könnten. Bei der Verarbeitung kommen dann vor allem Hersteller von Phytoarzneimitteln und spezialisierte Apotheken zum Einsatz. Für die Qualität und die Zulassung ist Swissmedic vorgesehen.

Wie gross ist der Markt für Medizinalcannabis?

Gemäss dem «European Cannabis Report», einer Marktanalyse des britischen Büros Prohibition Partners, hätte ein vollständig liberalisierter Schweizer Markt bis ins Jahr 2028 im medizinischen Bereich ein Potenzial von 1,3 Milliarden Franken. Aber das grosse Marktpotenzial haben andere Länder schon längst entdeckt. Nebst den Pionieren in diesem Segment wie etwa Israel oder Kanada forciert auch Deutschland seit kurzem den Anbau von medizinischem Cannabis. Die erste grosse Anlage entsteht in Neumünster und dürfte Ende dieses Jahres ihre Produktion beginnen. Insgesamt umfasst die erste deutsche Cannabisausschreibung 10,4 Tonnen, verteilt auf vier Jahre. Das in der Schweiz in grossen Mengen produzierte Cannabis mit einem THC-Gehalt unter einem Prozent, CBD genannt, wird zunehmend exportiert, vor allem nach Italien und Frankreich. Das Gesamtvolumen des CBD-Marktes wird auf rund 60 Millionen Franken geschätzt.

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