Nur zwei Wochen – dabei darf es nicht bleiben

Zwei Wochen Vaterschaftsurlaub muten symbolisch an. Erst eine längere Elternzeit würde Gleichberechtigung ermöglichen.

Der Ständerat hat Ja gesagt zu zwei gesetzlich garantierten Wochen Vaterschaftsurlaub. Foto: Keystone

Der Ständerat hat Ja gesagt zu zwei gesetzlich garantierten Wochen Vaterschaftsurlaub. Foto: Keystone

Raphaela Birrer@raphaelabirrer

So viele treffende Analysen! So viel parteiübergreifende Einigkeit! Väter wollen heute präsenter sein in ihren Familien, Mütter müssen besser in den Arbeitsmarkt integriert werden – das betonten in der Debatte um den Vaterschaftsurlaub alle Ständerate und Ständerätinnen. Doch damit endete die seltene Harmonie. Denn auch nach weit über 30 abgelehnten Vorstössen zum Thema streiten die Parteien noch immer darüber, wie man diesen Anliegen politisch gerecht werden könnte.

Wie festgefahren die Diskussion ist, zeigt sich im Kompromiss, dem der Ständerat nun zugestimmt hat: Zwei gesetzlich garantierte Wochen Vaterschaftsurlaub sollen es sein, finanziert über die Erwerbsersatzordnung. Mit dem exakt gleichen Vorschlag hatte sich das Parlament schon einmal befasst. Damals hat ihn der Nationalrat knapp abgelehnt, und auch die vorberatende Ständeratskommission war dagegen. Es hat fünf Jahre und den Druck einer populären Volksinitiative gebraucht, um endlich Bewegung in die verhärteten Fronten zu bringen. Insofern ist der von Mitte-links getragene Kompromiss den politischen Realitäten geschuldet: Es ist zwar ein kleiner, aber ein heute mehrheitsfähiger Schritt.

Doch dabei darf es nicht bleiben. Zwei Wochen Auszeit für Väter muten nur symbolisch an. Zwei Wochen werden weder die Mütter nachhaltig entlasten noch die langfristige Kinderbetreuungszeit der Väter erhöhen. Dafür bräuchte es eine Elternzeit – eine längere Zeit also, die sich im Anschluss an den 14-wöchigen Mutterschaftsurlaub beide Elternteile aufteilen könnten, um die Familienarbeit gleichberechtigt zu organisieren. Damit gälten nicht länger nur die Frauen als berufliches Ausfallrisiko, sondern generell alle Arbeitnehmenden, die eine Familie gründen wollen. Eine Elternzeit ist deshalb nicht primär eine familienpolitische Massnahme, sie ist eine wichtige Voraussetzung für echte gesellschaftliche Gleichstellung.

Der FDP ist es in der heutigen Debatte gelungen, den Begriff zu besetzen. Die Partei will eine 16-wöchige Elternzeit etablieren: Nach 8 für die Mutter reservierten Wochen sollen sich die beiden Elternteile die restliche Zeit flexibel aufteilen. Die freisinnigen Ständeräte haben heute eine entsprechende Motion eingereicht. «Eine echte Innovation» nannten sie das im Rat; eine Lösung auch, die im Unterschied zum Vaterschaftsurlaub nicht die bestehenden Rollenbilder zementiere.

Das stimmt. Die FDP kommt zur richtigen Zeit mit dem richtigen Konzept. Aber ihre Variante überzeugt nicht, denn sie stellt den 14-wöchigen Mutterschutz infrage – eine sozialpolitische Errungenschaft, die keinesfalls leichtfertig geopfert werden darf. Darum ist der FDP-Vorschlag keine «echte Innovation», sondern echter Rückschritt. Eine richtige Elternzeit würde den Mutterschutz und anschliessend flexibel aufteilbare Wochen umfassen. Die genaue Dauer müsste politisch ausgehandelt werden. Ein Blick ins europäische Ausland zeigt: Das ist weder masslos noch verwegen – es ist schlicht Standard.

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