Nur Oberwil-Lieli stellt sich quer

Die Gemeinde des SVP-Asylchefs Andreas Glarner will keine Flüchtlinge aufnehmen. Jetzt zeigt sich: Damit steht die Gemeinde im Kanton Aargau mittlerweile allein da.

«Wir müssen ein Zeichen gegen die völlig verfehlte Asylpolitik setzen»: Andreas Glarner vor der Ortstafel in Oberwil-Lieli AG. (23. September 2015)

«Wir müssen ein Zeichen gegen die völlig verfehlte Asylpolitik setzen»: Andreas Glarner vor der Ortstafel in Oberwil-Lieli AG. (23. September 2015) Bild: Dominic Steinmann/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Noch vor einem Jahr nahm rund ein Drittel der Aargauer Gemeinden keine oder zu wenige Flüchtlige auf. Sie zahlten dafür eine Art Busse. Seit Anfang Jahr wurde diese Strafe verschärft. Jetzt zeigt sich: Nur noch 9 der 213 Gemeinden erfüllen ihre Aufnahmepflicht nicht. Das haben Recherchen der SRF-Nachrichtensendung «10vor10» ergeben.

Gemäss dem neuen Gesetz muss im Kanton Aargau jede Gemeinde, die ihre Aufnahmepflicht nicht erfüllt, pro nicht aufgenommenen Flüchtling 110 Franken pro Tag zahlen. Die Idee des Gesetzes ist, einen finanziellen Anreiz zu schaffen, dieser Verpflichtung auch nachzukommen. Die Umsetzungsfrist des Gesetzes lief Ende Juli ab.

«Das ist eine Erfolgsgeschichte»

Als Beispiel nennt «10vor10» die Gemeinde Sisseln, die noch letztes Jahr lieber zahlte. Heute leben zwei Flüchtlingsfamilien im Ort. Die Aufnahme der Syrer sei besser gelaufen als erwartet, sagt der Vize-Gemeindeammann Urs Schmid. «Stand heute ist die Bevölkerung mit dem Zustand, den wir jetzt haben, zufrieden.»

Auch die Kantonsbehörden sind froh. «Das ist eine Erfolgsgeschichte, weil es unsere kantonale Unterkunft entlastet und die Leute dorthin kommen wo sie hingehören, nämlich in die Gemeinden – da, wo sie am besten integriert werden können», sagt Regierungsrätin Susanne Hochuli zum SRF.

Oberwil-Lieli will ein Zeichen setzen

Die neun Gemeinden, die ihrer Aufnahmepflicht noch nicht nachkommen, müssten zusammen 33 Personen beherbergen. Acht dieser Gemeinden suchen aktuell die dafür nötigen Wohnräume.

Nur eine Gemeinde weigert sich: Oberwil-Lieli, die Gemeinde des SVP-Asylchefs und Nationalrats Andreas Glarner. «Das mag unsolidarisch wirken, aber wir müssen ein Zeichen gegen die völlig verfehlte Asylpolitik setzen», sagt Glarner zu «10vor10». Oberwil-Lieli müsste zehn Personen unterbringen.

«10vor10» betont in einer Medienmitteilung zur Sendung, dass die Zahlen provisorisch sind, weil fünf Gemeinden Beschwerden eingereicht haben.

(mch)

Erstellt: 12.08.2016, 22:19 Uhr

Artikel zum Thema

Der heilige Glarner und die Flüchtlingsbabys

Kommentar Der SVP-Asylverantwortliche Andreas Glarner herzt in Griechenland Babys und schwört in kuscheligen Homestorys seine Liebe zur Frau im Allgemeinen. Ist jetzt endlich alles wieder gut? Mehr...

Oberwil-Lieli hat sein Budget unter Dach und Fach

Die Gemeindeversammlung hat das Budget 2016 bewilligt. Oberwil-Lieli AG hat nun Geld zur Verfügung, um sich von der Unterbringung von Asylbewerbern freizukaufen. Mehr...

«Andy, spiel jetzt nicht die Mimose»

Nach der Asyl-Abstimmung in Oberwil-Lieli greift die Aargauer Regierungsrätin Susanne Hochuli Gemeindeamman Andreas Glarner frontal an. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Wettbewerb

Gratis nach Singapur fliegen

Seit Anfang August fliegt Singapore Airlines auch ab Zürich mit einem neu ausgestatteten Airbus A380. Gewinnen Sie zwei Flugtickets.

Blogs

Zum Runden Leder Ein Banker im Wankdorf

Michèle & Friends Werden Kater mit dem Alter schlimmer?

Abo

Das digitale Monatsabo Light für Leser.

Nutzen Sie den «Bund» digital im Web oder auf dem Smartphone. Für nur CHF 19.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Grossflächig: Der für seine in die Landschaft integrierten Kunstwerke bekannte französische Künstler Saype zeigt im Park La Perle du Lac sein Werk «Message from Future». (16. September 2018)
(Bild: Valentin Flauraud) Mehr...