No-Billag-Effekt? SRF im Quotenhoch

Über eines kann sich das Schweizer Fernsehen derzeit nicht beklagen: Mangelndes Publikum.

Seine Sendungen werden derzeit von vielen Zuschauern verfolgt: Moderator Franz Fischlin während einer Ausgabe der «Tagesschau». (11. Dezember 2017)

Seine Sendungen werden derzeit von vielen Zuschauern verfolgt: Moderator Franz Fischlin während einer Ausgabe der «Tagesschau». (11. Dezember 2017)

(Bild: Keystone Ennio Leanza)

Martin Wilhelm@martin_wilhelm

Ist es der Abstimmungskampf? Oder das Wetter? Das Schweizer Fernsehen verzeichnet seit Anfang Jahr überdurchschnittlich hohe Zuschauerzahlen und Marktanteile. So sahen sich am Mittwoch rund 788'000 Personen die Hauptausgabe der «Tagesschau» an, was einem Marktanteil von 57,7 Prozent entsprach. In den letzten zwei Wochen erzielte das Flaggschiff des Schweizer Fernsehens unter der Woche jedoch durchwegs Marktanteile von 53 bis 57 Prozent, während der Jahresdurchschnitt bei nur gut 48 Prozent liegt. Auch im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Vorjahr verzeichnet die «Tagesschau» sowohl mehr Zuschauer als auch höhere Marktanteile.

Besonders gut läuft es derzeit «Schweiz aktuell». Die Sendung wurde seit Anfang Jahr bereits siebenmal von mehr als 500'000 Personen geschaut. Das kam in der ersten Januarhälfte vor einem Jahr nur einmal vor. Der Marktanteil der Sendung betrug öfters um die 47 bis 49 Prozent. Vor einem Jahr lag der Höchstwert bei 42 Prozent. Ähnlich viele Zuschauer wie vor einem Jahr verzeichnete hingegen «10vor10» in den letzten Wochen.

Teilweise waren die guten Zahlen sicher auf das Wetter zurückzuführen. Am 3. Januar tobte der Sturm Burglind – 981'000 Personen sahen sich die Hauptausgabe der «Tagesschau» an – ein Spitzenwert. Am 9. Januar, als der Schnee Zermatt und weitere Orte von der Umwelt abschnitt, erzielte die «Tagesschau» mit 58 Prozent zudem den höchsten Marktanteil der letzten Monate.

No-Billag-Effekt?

Denkbar wäre auch, dass sich derzeit viele Stimmberechtigte ein Bild über das Angebot der SRG machen möchten und sich deshalb Sendungen ansehen, zu deren Publikum sie sonst nicht gehören. Ob die anstehende Abstimmung über die Abschaffung der Rundfunkgebühren einen derartigen Einfluss auf die Einschaltquoten hat, ist für SRF-Sprecherin Andrea Wenger nicht klar. Bei «Tagesschau» und «10vor10» lasse sich seit einigen Monaten eine positive Entwicklung beobachten. Hinzu komme, dass die Zuschauerzahlen an Tagen mit einer aussergewöhnlichen Newslage wie am 3. Januar besonders hoch ausfielen. SRF sei mit den Zuschauerzahlen in den ersten Januarwochen jedenfalls aber sehr zufrieden, so Wenger.

Zweifellos einen No-Billag-Effekt zu verzeichnen haben derweil jene SRF-Sendungen, in denen über die Initiative diskutiert wird: Die «Publikumsarena» vom 5. Januar zur Volksinitiative sahen sich 291'000 Zuschauer an, was einem überdurchschnittlich hohen Marktanteil von 27,5 Prozent entsprach. Ebenso erzielten die No-Billag-«Arena» vom 3. November und der «Medienclub» vom Dienstag ausserordentlich gute Einschaltquoten.


Video – Jungparteien stellen sich hinter SRG

Hinter der No-Billag-Initiative stehen Jungfreisinnige und Mitglieder der Jungen SVP. Die anderen Jungparteien sind entschieden dagegen.

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