«Nicht-Gymnasiasten leiden unter falschen Komplexen»

Rund zwei Drittel der Schweizer finden, es gebe zu viele Maturanden: Eine Umfrage heizt die Debatte über das Schweizer Bildungssystem an.

2015 betrug die gymnasiale Maturitätsquote 20,1 Prozent: Gymnasium Kirschgarten in Basel. (Archivbild)

2015 betrug die gymnasiale Maturitätsquote 20,1 Prozent: Gymnasium Kirschgarten in Basel. (Archivbild)

(Bild: Keystone Georgios Kefalas)

Besser ein bodenständiger Schreiner als ein Maturand mit Lateinkenntnissen: 59 Prozent der Schweizer Stimmbevölkerung sind der Meinung, dass es zu viele Gymnasiasten gibt. Nur 2 Prozent finden, dass es zu viele Lehrlinge hat. 20 Prozent halten das Verhältnis für genau richtig. Das zeigen die Resultate der neuesten Vimentis-Umfrage. Insbesondere SVP-, BDP-, Lega- und EDU-Wähler vertreten diese Meinung.

2015 betrug die gymnasiale Maturitätsquote 20,1 Prozent. Frauen erlangten mit 23,7 Prozent häufiger die Matur als Männer (16,7 Prozent). Die Quote steigt stetig an: 1980 lag sie noch bei 10,6 Prozent. Im internationalen Vergleich liegt die Schweiz allerdings hinten. In Deutschland liegt die Quote der Abiturienten bei rund 40 Prozent, in Frankreich sogar bei 80 Prozent.

SVP schürt den Konflikt

«Schon jetzt fehlen uns Elektriker oder Bäcker», sagt Felix Müri, SVP-Nationalrat und Präsident der Bildungskommission. «Gleichzeitig gibt es immer mehr Akademiker, die keinen Job finden.» Gemeinsam mit dem Gewerbeverband und der Organisation der Arbeitswelt (OdA) wolle man nun Gegensteuer geben.

«Es gibt mit Sicherheit nicht zu viele Gymnasiasten», sagt dagegen Bildungspolitikerin Kathy Riklin (CVP). «Offenbar leiden viele Personen mit einem Lehrabschluss unter falschen Minderwertigkeitskomplexen und lassen ihren Frust an den Gymnasiasten ab.» Die SVP wisse die beiden Seiten gezielt gegeneinander auszuspielen.

Übernommen von «20 Minuten» und bearbeitet von Tagesanzeiger.ch

dp

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