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Neuenburger SVP zeigt Auflösungserscheinungen

Nach Differenzen wirft die kantonale Parteileitung Nationalrat Raymond Clottu aus der Partei.

Die SVP Neuenburg ist am Boden. Bei den Kantonsratswahlen Anfang April verlor die Partei 11 ihrer 20 Sitze. Parteipräsident Yvan Perrin kündigte umgehend seinen Rücktritt an. Nachwuchshoffnung Xavier Challandes, mit 25 Jahren bereits Kantonsratspräsident, kehrte der SVP trotz souveräner Wiederwahl gar den ­Rücken und bescherte seiner Partei damit einen zusätzlichen Sitzverlust. Damit nicht genug: Vor Ostern warf sie ihren Nationalrat Raymond Clottu aus der Partei, weil dieser Beiträge nicht bezahlt und die Parteileitung kritisiert hatte. Noch-Präsident Yvan Perrin sagt: «Den Entscheid traf die kantonale Parteileitung, worauf die Sektion Le Locle ihr Mitglied Clottu schriftlich ausschloss.»

Clottu traf der Entscheid unerwartet. Er sagt, er habe der Parteileitung klargemacht, dass er die 5000 Franken für sein Nationalratsmandat und die 100 Franken Mitgliederbeitrag so lange nicht überweise, bis die Partei die Finanzbuchhaltung im Griff habe. Der Buchhaltungsexperte aus La Brévine ortet bei der Führung der Parteifinanzen Mängel. Er habe 2016 nie eine Rechnung bekommen. Erst am 14. März sei bei ihm eine Zahlungserinnerung für die Parteimitgliedschaft eingegangen: «Sie datierte vom 27. Februar.» Für ihn ist damit klar: «Die Missstände auf dem Parteisekretariat sind nicht behoben.» SVP-Präsident Perrin sieht darin eine Ausrede. Er sagt: «Als Nationalrat habe ich die 5000 Franken stets ohne Rechnung bezahlt.» Der SVP fehle der Betrag.

«Tiefer kann die Partei nicht mehr fallen»

Ihr wird bald noch viel mehr Geld fehlen. Der Kanton Neuenburg entschädigt die Parteien jährlich mit 3000 Franken pro Kantonsratsmandat. Die SVP kosten die 12 Sitzverluste also 36'000 Franken. Clottu, von 2007 bis 2013 Vizepräsident der Neuenburger SVP, vermutet, man schliesse ihn «aus Neid» aus. Als Yvan Perrin für die Kantonsregierung kandidieren wollte, war der 49-Jährige dagegen. Doch Perrin wurde gewählt. Clottu rückte für ihn 2013 in den Nationalrat nach. Dann erlitt Perrin im ersten Amtsjahr ein Burn-out und musste zurücktreten. Auf seinem Sitz in Bern sass nun Clottu. Perrin sagt, er habe mit Clottus Benehmen generell ein Problem, weil dieser sich wiederholt abschätzig über Vorstandsmitglieder geäussert und wichtige Parteianlässe geschwänzt habe.

«Tiefer kann die Partei nicht mehr fallen. Jetzt braucht sie einen Psychologen», sagt Walter Willener, bis Dezember SVP-Fraktionschef im Kantonsparlament. Doch die Parteileitung der SVP Schweiz will keinen Coach entsenden, wie Generalsekretär Gabriel Lüchinger betont. Man sei mit der Neuenburger Sektion in Kontakt, sie müsse sich aber selbst wieder aufrappeln. Offen ist, ob Clottu in der SVP-Bundeshausfraktion verbleibt. Stellt er den Antrag, dürfte die Fraktion während der Sommersession darüber abstimmen.

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