Neue Millionenklage wegen Holocaust-Geldern

Zwei Israelis bereiten laut einem Bericht eine Klage gegen die Schweizer Regierung und die Grossbanken UBS und CS vor. Man habe ihnen den Zugriff auf Familienvermögen verweigert, sagen sie.

Die Vergangenheit droht die Schweizer Grossbanken erneut einzuholen: Credit Suisse am Zürcher Paradeplatz im Hintergrund. (9. August 2011)

Die Vergangenheit droht die Schweizer Grossbanken erneut einzuholen: Credit Suisse am Zürcher Paradeplatz im Hintergrund. (9. August 2011)

(Bild: Keystone)

M. Katz aus Modi’in und ein Mitkläger, den die Online-Ausgabe der israelischen Zeitung «Haaretz» «S.» nennt, wollen die Schweizer Regierung, die UBS und die Credit Suisse (CS) vor einem Gericht in den USA auf insgesamt 315 Millionen US-Dollar (287 Millionen Franken) verklagen. Ein US-Gesetz erlaube ihnen, ausländische Staaten in Holocaust-Fällen zu belangen, sagen die beiden Israelis.

Beide Kläger machen geltend, sie oder ihre Eltern hätten sich jahrelang vergeblich um Zugriff auf die Konten bemüht, die ihre Familien vor dem Zweiten Weltkrieg in Zürich eingerichtet hätten.

«Die Gauner haben sie rausgeworfen»

Katz, der auf 185 Millionen Dollar klagen will, sei im Besitz eines Büchleins mit den genauen Kontoangaben, das ihm seine Mutter Paulina Grunfeld kurz vor ihrem Tod 1984 gegeben habe. Demnach habe sie 1938 bei der UBS ein Konto über eine Million Dollar und bei der CS ein solches über 450'000 Dollar eröffnet. Bei der CS habe sie zudem ein Schliessfach gemietet, wo sie Gold, Diamantschmuck, jüdische Kunst und zwei Gemälde von Picasso und Monet deponierte. Laut «Haaretz» beinhaltet die Klage von M. Katz die Wertsachen nicht.

Nach dem Krieg sei Mutter Grunfeld nach Zürich gereist, um die Gelder und Wertsachen abzuholen. «Doch zu ihrer Überraschung haben die Gauner sie rausgeworfen», sagt Katz. Vertreter der Banken hätten ihr gesagt, sie wüssten nicht, wer sie sei und sie solle beweisen, dass das Geld ihr gehöre. In den folgenden Jahren habe sie weiter vergeblich versucht, an ihr Geld zu kommen.

Die Bemühungen von Katz waren laut dem Bericht nicht erfolgreicher. Seine Eingabe im Rahmen des Vergleichs zwischen den Banken und jüdischen Organisationen in den 1990er-Jahren sei abgelehnt worden. Das Konto könne nicht gefunden werden, hiess es.

Banken: Keine Informationen gefunden

Ähnlich sei es dem zweiten Kläger «S.», einem 79-jährigen Mann aus Haifa, ergangen. Seine Familie habe 1938 2,9 Millionen Dollar bei der UBS in Zürich deponiert. Er will nun auf 130 Millionen Dollar klagen.

In Stellungnahmen verweisen die UBS und die CS auf die Untersuchungen der Volcker-Kommission ab 1996. Diese hätten keine Informationen zu den von den beiden Männern genannten Konten zutage gefördert.

rub

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