Nach Gewalt in Genf – Pfister nennt Ratskollegen «Heuchler»

Die brutalen Vorfälle in Genf haben die Schweiz empört. Der CVP-Präsident und der SP-Nationalrat Carlo Sommaruga stritten sich auf Twitter.

Hier unterhalten sie sich friedlich (v.r.): Carlo Sommaruga (SP, GE) und Gerhard Pfister (CVP, ZG) während Beratungen im Nationalrat in Bern. (Archiv)

Hier unterhalten sie sich friedlich (v.r.): Carlo Sommaruga (SP, GE) und Gerhard Pfister (CVP, ZG) während Beratungen im Nationalrat in Bern. (Archiv)

(Bild: Keystone Lukas Lehmann)

Nach den Angriffen in Genf auf fünf junge Frauen (am vergangenen Mittwoch) und einen Polizisten (in der Nacht auf Sonntag) protestierten in mehreren Schweizer Städten Hunderte gegen Gewalt an Frauen. Was in Genf passiert ist, sei nur eine schlechte Nachricht, die die lange Liste der Gewalt gegen Frauen ergänze, prangerte in Lausanne die Ständerätin und Vizepräsidentin der SP Schweiz, Géraldine Savary, «eine Epidemie der Gewalt gegen Frauen» an.

Savarys Parteikollege, der Genfer SP-Nationalrat Carlo Sommaruga, äusserte sich dazu auf Twitter. Am Sonntag teilte er zwei Artikel zu den Gewalttaten. Diese seien «des internationalen Genf unwürdig», schrieb Sommaruga und forderte eine Verstärkung der Präventionsmassnahmen.

Der Tweet des Genfers veranlasste auch den CVP-Präsidenten Gerhard Pfister, in die Tasten zu hauen – und zu einer verbalen Attacke auszuholen. Pfister nannte Sommaruga auf Twitter «einen der grössten Heuchler unter der Genfer Sonne» und bezeichnete ihn «als Kommunisten-Fan und Antisemiten». Er bezog sich dabei auf Sommarugas Boykottaufruf für israelische Produkte und seine angebliche «Verehrung von linken Diktatoren und Machos».

Auf Nachfrage der NZZ verdeutlichte Pfister seine (mittlerweile gelöschten) Äusserungen: Sommaruga sei aufgrund seiner politischen Positionierung nicht der Richtige, um Menschenrechte und Rechtsstaat einzufordern. Die links regierten Westschweizer Grossstädte böten laut Pfister einen guten Nährboden für extreme Ansichten. Der Lausanner Stadtregierung warf Pfister vor, «das Drogenmilieu und die Kriminalität» zu tolerieren. Pfister bezog sich dabei auf den Strassendeal, der diesen Frühling am Genfersee eine grosse Polemik ausgelöst hatte.

Sommaruga: Pfister will Anzahl Follower steigern

Sommaruga entgegnet auf Pfisters Aussage, dass das eine «schlicht und einfach nichts mit dem anderen zu hat». Den Vorwurf der Heuchelei konterte der Genfer mit den privaten Verfehlungen der ehemaligen CVP-Nationalräte Yannick Buttet und Christophe Darbellay. Wie die NZZ weiter schreibt, gebe sich Sommaruga auch im persönlichen Gespräch unnachgiebig.

Vielmehr habe Sommaruga eine Entschuldigung Pfisters erwartet. Solche Äusserungen seien eines Präsidenten unwürdig, wird Sommaruga in der NZZ zitiert. Er könne sich die Angriffe nur dadurch erklären, dass Pfister entweder die Anzahl seiner Twitter-Follower steigern wolle oder das Gefühl habe, beim Thema der Stunde – der festgefahrenen Europapolitik – zu wenig erhört zu werden, mutmasste Sommaruga.

Er habe Pfister in einer privaten Nachricht aufgefordert, die Tweets zu löschen, so Sommaruga. Mittlerweile ist Pfister darauf eingegangen und hat sich für seine «nicht angemessene» Wortwahl entschuldigt.

Spitalreif geprügelt

Fünf Frauen mit Jahrgängen zwischen 1985 und 1996 waren am Mittwoch in Genf von einer Gruppe von Männern auf offener Strasse angegriffen worden. Zwei von ihnen mussten mit schweren Kopfverletzungen ins Spital gebracht werden, eine Frau liegt noch immer im Koma.

In der Nacht auf Sonntag war ein Polizist in Genf bei einem Einsatz von einem Mann angegriffen und schwer verletzt worden. Er erlitt einen Schädelbruch und lag mehrere Stunden im Koma.

nag

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