«Ich könnte die Rolle nicht erfüllen, wie es für die Partei nötig ist»

GLP-Fraktionschefin Tiana Angelina Moser sagt, dass sie nicht Parteipräsidentin werden will, obwohl sie beste Chancen dazu gehabt hätte. Jetzt sei nicht der richtige Zeitpunkt.

Tiana Moser gibt sich optimistisch: «Wir sind gut aufgestellt, man spürt eine Aufbruchstimmung.» Foto: Christian Beutler (Keystone)

Tiana Moser gibt sich optimistisch: «Wir sind gut aufgestellt, man spürt eine Aufbruchstimmung.» Foto: Christian Beutler (Keystone)

Sie gelten als Favoritin für die Nachfolge von GLP-Parteipräsident Martin Bäumle. Bisher haben Sie offengelassen, ob Sie kandidieren – haben Sie sich nun entschieden?
Ja. Ich behalte mein Amt als Fraktionschefin und werde nicht für das Präsidium der Grünliberalen kandidieren.

Warum?
Wir sind in einer Phase, in der wir uns behaupten müssen. Da braucht es ein starkes und eingespieltes Team. Zum jetzigen Zeitpunkt wäre es ungünstig, wenn wir einen doppelten Wechsel an der Parteispitze hätten – also einen neuen Präsidenten und einen neuen Fraktionschef. Würde ich kandidieren und gewählt, würde das auch einen Wechsel an der Fraktionsspitze bedeuten.

Dennoch: Ein Präsident ist das Aushängeschild einer Partei, und Sie sind neben Martin Bäumle die national bekannteste Politikerin der GLP. Da liegt es doch auf der Hand, dass Sie das Amt übernehmen.
Die Partei braucht jemanden als Präsidentin, die neben der Öffentlichkeitsarbeit die lokalen und kantonalen Parteien aufbaut und besucht. Das bedeutet, abends und am Wochenende viel unterwegs zu sein – eine Belastung, die im Wahljahr nochmals zunimmt. Als Fraktionspräsidentin kann ich dagegen flexibler arbeiten, was meinen Entscheid mit beeinflusste.

Welche Rolle spielt dabei, dass Sie kleine Kinder haben?
Selbstverständlich ist das auch ein Punkt, meine drei Buben sind noch klein. Es gibt nicht per se eine Unvereinbarkeit von Parteipräsidium und Familie. Aber im Moment könnte ich die Rolle nicht so erfüllen, wie es für die Partei nötig ist. Deshalb bleibe ich Fraktionspräsidentin. Das Amt ist eine Spitzenposition, die es erlaubt, unsere Politik zu prägen und eine wichtige Botschafterin der Partei zu sein.

Eine Kandidatur zu einem späteren Zeitpunkt schliessen Sie nicht aus?
Nein, ganz und gar nicht. Der Entscheid, nicht zu kandidieren, ist mir nicht leichtgefallen. Die Mischung von Basisarbeit und politischer Arbeit, die das Parteipräsidium ausmacht, ist sehr spannend. Ich habe auch die Zürcher Kantonalsektion als Co-Präsidentin mit aufgebaut.

Sie vertreten eine urbane Wählerschicht, Nationalrätin Kathrin Bertschy – die zweite Favoritin – ebenfalls. Bräuchte es zum Ausgleich an der Parteispitze nicht jemanden aus dem unternehmerischen Flügel?
Der Ausgleich zwischen diesen beiden Flügeln findet ohnehin statt, egal, wer an der Spitze der Partei steht: Eine Einmannpartei sind wir schon lange nicht mehr. Wir tauschen uns innerhalb unserer Fraktion im Bundeshaus intensiv aus, die Hierarchien sind sehr flach. Nun müssen wir daran arbeiten, dass diese Breite innerhalb der Partei auch in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird.

«Die Leute wollen nicht, dass man jahrelang in Bern an einer Vorlage arbeitet und dann alles an die Wand fährt.»

Als Fraktionschefin arbeiten Sie eng mit dem Parteipräsidenten zusammen. Wer wäre Ihr persönlicher Wunschkandidat?
Den habe ich nicht. Ich denke aber, ein Parteipräsident sollte im Parlament vertreten sein. Von jenen Personen, die infrage kommen, kann ich mit allen gut zusammenarbeiten.

Seit dem Absturz bei den eidgenössischen Wahlen 2015 haben die Grünliberalen auf kantonaler Ebene lediglich einen Sitz dazugewonnen. Wie der Erfolg von Operation Libero zeigt, besteht in der Mitte aber durchaus Potenzial.
Das stimmt, die Mitte ist im Moment ein freies Feld. Besonders, seit die CVP und FDP nach rechts gerutscht sind. Diese Leute müssen wir nun besser erreichen.

Wie wollen Sie die Mittewähler ansprechen?
Ich denke, wir sind gut aufgestellt, man spürt eine Aufbruchstimmung. Mit dem Aufbau des GLP Lab haben wir Leute erreicht, die wir sonst nie angezogen hätten. Wir haben eine Jungpartei, die zieht. Und wir haben, trotz einer kleinen Bundeshausfraktion, die Politik entscheidend mitgestaltet. Bei wichtigen Themen konnten wir zeigen, wofür wir einstehen, und sind so sichtbarer geworden.

Viel Aufmerksamkeit genossen die Grünliberalen während der Frühlingssession bei der Revision der Altersvorsorge, wo sie das Zünglein an der Waage spielten. Der Kurswechsel sorgte allerdings für Irritation.
Das sehe ich nicht so. Eines unserer zentralen Anliegen war es von Anfang an, Sachpolitik zu betreiben. Bei der Altersvorsorge konnten wir einmal mehr zeigen, dass wir das auch durchziehen. Der Entscheid, die Variante von CVP und SP zu unterstützen, fiel uns keineswegs leicht.

Dennoch: Am Schluss stimmte Ihre Partei der Vorlage zu und verhalf ihr auf diese Weise zum Durchbruch.
Wir hatten bis zum Schluss für eine bessere Vorlage gekämpft. Doch es ist meine tiefste Überzeugung, dass das Parlament in einem solch wichtigen Dossier Reformfähigkeit beweisen muss. Wenn man das nicht mehr schafft, schadet das dem ganzen politischen System. Die Leute wollen auch nicht, dass man hier in Bern jahrelang an einer so wichtigen Vorlage arbeitet und am Ende alles an die Wand fährt, weil man nicht das Maximum erreicht hat.

Riskieren Sie damit nicht, das Profil der Partei zu verwischen?
Im Gegenteil, die lösungsorientierte Politik ist eines unserer Markenzeichen. Zudem hat die GLP auch eigene Themen gesetzt, beispielsweise in der Agrarpolitik. Während Parteien, die sich selber als liberal bezeichnen, Goodies nach allen Seiten verteilen, haben wir das gesamte volkswirtschaftliche Interesse vor Augen. Als junge Partei haben wir den Vorteil, dass wir keine Klientel bedienen müssen.

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