Mörgelis Quatsch nicht zensurieren

Wenn Facebook während des Wahlkampfs Politikerprofile sperrt, ist das problematisch.

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Christoph Mörgelis Facebook-Post ist ohne Zweifel dumm und geschmacklos. Er zeigt ein mit Flüchtlingen überladenes Schiff, versehen mit dem Kommentar «Die Fachkräfte kommen». Es ist auch nicht das erste Mal, dass der SVP-Nationalrat die Grenzen des Anstands überschreitet. Mehrere Nutzer haben ihn offenbar bei Facebook gemeldet, worauf Mörgelis Profil vorübergehend gesperrt wurde. Wegen «unangemessener Inhalte». Mitten im Wahlkampf.

Das darf der Social-Media-Riese natürlich. Als privater Konzern kann er selbst bestimmen, was über seine Server verbreitet wird. Ist es aber auch richtig? Und dient es der Demokratie, wenn Facebook bestimmt, was Politiker sagen dürfen und was nicht? Solche Fragen hätten sich Mark Zuckerbergs Leute stellen sollen, bevor sie zur Tat schritten. Immerhin wurde Mörgelis Profil inzwischen wieder aufgeschaltet. Zu Recht.

Facebook ist in der zwischenmenschlichen Kommunikation heute derart dominant, dass seine Zensurentscheide von politischer Relevanz sein können. Mit dieser Macht muss das Unternehmen vorsichtig umgehen. Die vorübergehende Sperrung von Mörgelis Profil hingegen war willkürlich. Denn auf Facebook kursieren viel schlimmere Posts als diejenigen des SVP-Nationalrats – unzensuriert.

So funktioniert die Demokratie

Der amerikanische Internetriese sollte beim Sperren von Profilen zurückhaltend sein – erst recht bei gewählten Politikern, die sich im Wahlkampf befinden. Mörgelis umstrittener Post blieb ja keineswegs unkommentiert. Vielmehr wurde der SVP-Nationalrat für seinen menschenverachtenden Blödsinn harsch kritisiert. Und der Eintrag gereichte ihm keineswegs zum Vorteil. So funktioniert die Demokratie. Dafür braucht es keine Facebook-Zensur, solange sich die Diskussion im legalen Rahmen bewegt. Kommt hinzu, dass sich niemand Mörgelis Quatsch ansehen muss. Man braucht auf Facebook nicht mit ihm befreundet zu sein, muss ihm auf Twitter nicht folgen und kann solche Posts auch ignorieren.

Facebook sollte sich also nicht in politische Auseinandersetzungen einmischen. Und für Mörgeli gilt die bekannte Regel: Erst überlegen, dann posten und twittern. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.09.2015, 12:28 Uhr

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