Mit PK-Bezug in die Sackgasse – vier Beispiele

Börsengeschäfte, Casinospiel und Immobilienfonds: Fälle aus der Zentralschweiz, bei denen nach Kapitalverlusten Ergänzungsleistungen beantragt wurden.

Wenn das Geld weg ist, endet der Weg oft hier: Amtsbüros auf einer kantonalen Verwaltungsstelle.

Wenn das Geld weg ist, endet der Weg oft hier: Amtsbüros auf einer kantonalen Verwaltungsstelle.

(Bild: Keystone)

Lynn Scheurer@Ciao_Lynn

Wie viele Rentner verjubeln das Geld aus der Altersvorsorge und sind dann auf Ergänzungsleistungen angewiesen? Der Kanton Schwyz machte 2012 eine Erhebung, um dieser Frage nachzugehen. Von den 622 Personen, die Ergänzungsleistungen beantragten, hatte knapp ein Viertel zuvor Kapital aus der Pensionskasse bezogen. Im Rahmen dieser Erhebung sammelte die Ausgleichskasse Fallbeispiele und gab sie auf Anfrage zur anonymisierten Veröffentlichung frei:

  • Herr Z. hat sich mit 63 Jahren 1'200'000 Franken von der Pensionskasse auszahlen lassen. Als sein Vermögen auf 18'347 Franken geschrumpft war, meldete er sich bei der Ausgleichskasse Schwyz und machte risikoreiche Börsengeschäfte geltend. Die Ausgleichskasse muss ihm heute Ergänzungsleistungen zahlen.
  • Herr B. war in einer Kaderstellung in einem Industriebetrieb tätig. Mit 60 Jahren bezog er von der Pensionskasse 506'045 Franken. Seit Juli 2011 bekommt er von der Arbeitslosenversicherung kein Geld mehr. Ende 2011 hatte er noch ein Vermögen von 181 Franken. Den Rest hatte er im Casino verspielt. Die Ausgleichskasse Schwyz verweigerte ihm Ergänzungsleistungen. Darauf verpflichtete das Verwaltungsgericht die Ausgleichskasse zu prüfen, ob Herr A. «krank» war, als er in das Casino ging. Sein Anwalt hat das Casino angezeigt.
  • Herr C. bezog mit 65 Jahren ein Pensionskassenkapital von 545'666 Franken. Später gibt er 580'000 Franken an die Bank X, die es unter anderem in amerikanische Immobilienfonds anlegte. Ende 2001 hatte C. noch rund 620'000 Franken Vermögen. Ende 2009 waren es nur noch 82'000 Franken – ein Verlust von über einer halben Million Franken. Die Ausgleichskasse verweigerte dem Mann zuerst die Ergänzungsleistungen. Das Verwaltungsgericht Schwyz spricht C. aber Ergänzungsleistungen zu, heute erhält er jährlich 10'000 Franken.
  • Ein Fall aus dem Kanton Nidwalden: Frau T. bezog 2004 von der Pensionskasse rund 200'000 Franken. Ein Jahr später stellte sie das Geld ihrem Sohn als Darlehen für ein Immobilienprojekt zur Verfügung. Der Sohn ging Konkurs, Frau T. beantragte Ergänzungsleistungen. Die Ausgleichskasse wollte, dass die Frau auf die 200'000 Franken Vermögen verzichtete. Die Einsprache der Frau dagegen wurde abgelehnt, sie erhält keine Ergänzungsleistungen.

DerBund.ch/Newsnet

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