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Mit Mini-WEF zu weltweitem Ruhm

Was macht ein Städtchen, das im Geld schwimmt? Es versucht, sich als Mekka der globalen Vordenker zu positionieren. Fast wie Davos mit seinem WEF.

«Perle von Kleinstadt»: Stein am Rhein.
«Perle von Kleinstadt»: Stein am Rhein.
Keystone

Stein am Rhein preist sich auf seiner Web-Seite als «Perle von Kleinstadt» an. Das ist nicht übertrieben. Die Gemeinde am östlichen Zipfel des Kantons Schaffhausen hat eine intakte Altstadt mit prächtigen Riegelhäusern. In den verträumten Gassen lässt es sich herrlich flanieren. Und wer kulinarische Genüsse schätzt, kommt ebenfalls nicht zu kurz.

Ansonsten geschieht in der 3200-Seelen-Gemeinde selten etwas Aufsehen Erregendes. Letztes Jahr feierte das Städtchen, das bereits 1972 mit dem renommierten Wakker-Preis ausgezeichnet worden war, sein 1000-jähriges Bestehen. Christoph Blocher überbrachte die Grussbotschaft des Bundesrats, und es gab drei Sondermarken der Schweizer Post. So richtig ins nationale Scheinwerferlicht kam Stein aber erst diesen Sommer: als Spielstätte des «Donnschtig-Jass» von SF DRS. Zu vermelden ist ausserdem, dass der populäre Schauspieler Matthias Gnädinger hier seinen Wohnsitz hat.

Solche Kleinstädte gibt es viele in der Schweiz – mit einem gewichtigen Unterschied: Stein am Rhein ist steinreich, die Stadt schwimmt regelrecht im Geld. Zu verdanken hat sie das dem Geschwisterpaar Jakob und Emma Windler, das der Gemeinde vor über dreissig Jahren eine der grössten Schweizer Stiftungen vermacht hat. Das Vermögen bestand damals vor allem aus Sandoz-Aktien, die später zu Novartis-Aktien wurden. Derzeit umfasst es rund 500 Millionen Franken und warf letztes Jahr einen Ertrag von 12 Millionen ab. Zum Vergleich: Die Steiner Steuereinnahmen betrugen 10 Millionen Franken.

Dank dem Geldsegen hat Stein die wohl am perfektesten renovierte Altstadt der Schweiz. Die Sanierung der mittelalterlichen Burg Hohenklingen ist ebenfalls zu einem Bijou geworden (Kosten: 22 Millionen). Geplant sind ausserdem die Neugestaltung des Rheinufers inklusive Strandbad (18 Millionen), ein Parkhaus (5 Millionen) und ein Spielzeugmuseum (14 Millionen).

«Geist von Stein am Rhein»

«Wir sind glücklich, uns geht es gut», sagt Stadtpräsident Franz Hostettmann (SVP) und strahlt. Weil das so ist und die jährlich anfallenden Stiftungsmillionen nach immer neuen Ideen rufen, soll das Steiner Glück künftig weit in die Welt hinaus strahlen: mit dem «The Stein am Rhein Symposium». Es findet erstmals am nächsten Wochenende statt. Die Referenten reisen aus allen Gegenden des Globus an und sollen den «Geist von Stein am Rhein» zum Leben erwecken – in Analogie zum renommierten World Economic Forum (WEF) und dessen «Geist von Davos». Das unbescheidene Ziel sei es, Stein als «Campus- und Kongressstadt» zu positionieren, sagt Hostettmann.

Wer glaubt, das sei etwas zu hoch gegriffen, mag sich durch einen Blick auf die Referentenliste belehren lassen. Zwar gingen punkto Stars nicht alle Wünsche in Erfüllung: Noch letztes Jahr nannte Hostettmann die Namen Al Gore und Kofi Annan. Und auch der indische Friedensnobelpreisträger Rajendra Pachauri musste passen – angeblich aus gesundheitlichen Gründen. Dennoch wartet das Symposium mit etlichen klingenden Namen auf, unter ihnen der englische Futurologe Patrick Dixon, Sony-Chef Nobuyuki Idel aus Tokio, Jürgen Hambrecht, Chef des deutschen Chemiekonzerns BASF, und Zhao Xiao, Wirtschaftsberater der chinesischen Regierung.

Biker bleiben nur 3,5 Stunden

Organisiert wird der viertägige Anlass vom Think Thank Thurgau. Generalsekretär des Symposiums ist der Publizist Alex Bänninger, ehemaliger Kulturchef des Schweizer Fernsehens. Er betont die Unterschiede zum Davoser WEF und spricht von einer «nach innen gerichteten Veranstaltung». Das Konzept: Namhafte Unternehmen haben insgesamt 80 junge Führungskräfte bestimmt, die mit den Global Leaders und ausgewählten Gästen im intimen Rahmen den Austausch pflegen sollen.

Klein, aber fein, lautet das Motto von «Mini-Davos». Dem Städtchen am Rhein eröffneten sich damit «wunderschöne Chancen», ist Hostettmann überzeugt, denn die Gemeinde stosse in eine Marktlücke. Langfristiges Ziel sei es, «einen internationalen Tourismus mit hoher Wertschöpfung anzukurbeln». Stein zählt heute bis zu einer Million Besucher pro Jahr und wird vor allem von Bikern regelrecht überfahren. Doch deren Aufenthaltsdauer beträgt im Schnitt bloss 3,5 Stunden.

Weg vom Massentourismus

Den Massentourismus überwinden will auch Bänninger. Er hat kürzlich einen «Masterplan für den kulturellen Erlebnisraum am Untersee» entworfen. Sein Fazit: Die wunderschöne Gegend im Spannungsfeld zweier Länder werde heute schlecht bis gar nicht verkauft. Und sein Appell: «Es braucht jetzt Weitblickende und Beherzte, welche die Chancen erkennen.»

An Geld wird es jedenfalls nicht fehlen. Die zweite Auflage des Wirtschaftssymposiums ist denn auch bereits in Planung. Und jeweils im Frühjahr soll Stein auch zum Mekka der Forscher werden. Ein erster Wissenschaftskongress fand bereits dieses Jahr zusammen mit der Uni Konstanz zum Thema «Europa» statt. Der nächste ist dem trendigen Thema «Ernährung» gewidmet und wird mit ETH und Uni Zürich durchgeführt. Dann soll die Universität St. Gallen an der Reihe sein. «Es läuft hervorragend», sagt Hostettmann, «wir sind rundum glücklich.»

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