Mission Publizistik

Blocher geht es um die Fortsetzung seiner politischen Mission mit publizistischen Mitteln.

Daniel Foppa@DFoppa

Kaum ein Politiker in diesem Land glaubt derart an die Kraft der vierten Gewalt wie Christoph Blocher. Die Betätigung im Medienbereich zieht sich denn auch wie ein roter Faden durch seine Karriere: vom Erwerb des «Bündner Tagblatts» in den 80er-Jahren über sein Engagement bei der «Basler Zeitung» bis hin zum nun erfolgten Kauf von 25 Gratistiteln. Die Absicht dahinter ist klar: Blocher geht es um die Fortsetzung seiner politischen Mission mit den Mitteln der Publizistik. Entsprechend kontrovers nahm die Öffentlichkeit diese Engagements wahr. Der Umbau der «Basler Zeitung» zum rechtskonservativen Meinungsblatt versetzte die Stadt am Rheinknie in Aufregung: Abonnements wurden gekündigt, Unterschriften gesammelt und die Ränkespiele um die Zeitungsübernahme in einem Kinofilm und einem Theaterstück verarbeitet.

Mit dem Zehnder-Verlag dringt Blocher nun in die Gratismedien vor. Damit kann der SVP-Stratege zwar nicht den Traum eines rechten Boulevardblatts oder einer nationalen Gratis-Sonntagszeitung verwirklichen. Aber er schafft den Sprung aus der Basler Ecke, die ein steiniges Pflaster für SVP-Gedankengut ist. Blocher ­gewinnt auf einen Schlag über 700 000 Leserinnen und Leser. Er dürfte auch diesen Kanal nutzen, um seine Botschaft unters Volk zu bringen. Geschehen wird es auf subtile Weise: Der SVP-Mann und sein CEO Rolf Bollmann sind zu sehr Geschäftsleute, als dass sie gleich zum Holzhammer greifen. Aber das Beispiel «Basler Zeitung» zeigt, dass Blochers Medienenga­gement nicht nur der Marktlogik folgt.

Im positiven Sinn könnte man eine stärkere politische Ausrichtung der Zehnder-Blätter als Beitrag zur Meinungsvielfalt sehen, als zusätzliche Stimmen im ­öffentlichen Wettstreit der Argumente. Hält man sich jedoch die bisherigen Postillen und Gratisaussendungen der SVP vor Augen, bleibt nicht viel Positives übrig: Es wird zugespitzt, vereinfacht und verdreht. Sollte diese Art Publizistik dank der nun erworbenen Gratisblätter noch mehr Verbreitung finden, würde das einem differenzierten politischen Diskurs schaden. Deshalb löst Blochers Medienoffensive Besorgnis aus. Allen Beteuerungen der Verantwortlichen zum Trotz.

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