Mehr Drogenkompetenz

Der Mensch hat sich immer berauscht. Statt Drogen zu verbieten, sollte man akzeptieren und aufklären.

Drogenkompetenz erlernt man nur in einem Umfeld, das Drogen nicht pauschal verteufelt: Ein Mann zeigt seine MDMA-Pille. Bild: Keystone

Drogenkompetenz erlernt man nur in einem Umfeld, das Drogen nicht pauschal verteufelt: Ein Mann zeigt seine MDMA-Pille. Bild: Keystone

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Am Freitagabend geht es los: Bis am Sonntag werden Hunderttausende Menschen in Zürich herumraven. Sie werden nicht nur an der Street Parade selbst, sondern auch an den zahl­reichen Club-Events mit Live-Acts und Konzerten anzutreffen sein, oft mit verdächtig grossen Pupillen und beneidenswert guter Laune. Denn ein Rave ohne Drogen ist wie ein Auto ohne Motor. Entsprechend werden im Verlaufe des Wochenendes allerlei Substanzen durch die Blutbahnen der Besucher rauschen.

Drogen machen Spass, aber man muss sie richtig einsetzen. Das ist nicht immer einfach. Bei den Ecstasy-Pillen, der klassischen Raverdroge, hat die Konzentration des Wirkstoffs MDMA in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. Momentan sind Pillen mit 240 Milligramm des Wirkstoffs im Umlauf, «20 Minuten» berichtete. Die therapeutische Dosis für eine Person von 70 Kilo beträgt 50–100 mg. Ab 200 mg wird der Stoff toxisch.

Genussvolle wie risikoreiche Seiten anerkennen

MDMA ist bei kontrolliertem Gebrauch relativ unbedenklich. Nur setzt «kontrollierter Gebrauch» etwas voraus, was gerade junge Menschen selten mitbringen: Drogenkompetenz. Wer sich einfach Drogen einwirft, der hat zwar Drogenerfahrung, aber nicht unbedingt Kompetenz. Dazu braucht es Wissen, nämlich was man konsumiert, wie man es konsumiert und in welchen Mengen, unter ­welchen Bedingungen, mit welcher Wirkung zu rechnen ist. Man sollte auch wissen, was sich unternehmen lässt, wenn es Probleme gibt.

Drogenkompetenz erlernt man nur in einem Umfeld, das Drogen nicht pauschal verteufelt, sondern sowohl ihre genussvollen wie auch ihre risikoreichen Seiten anerkennt. Zwar hat in der Schweiz nach dem Platzspitz-Debakel ein zaghaftes Umdenken stattgefunden. Aber nach wie vor wirft man lieber alle Drogen in denselben Topf und macht den Deckel zu. Viel klüger wäre es anzuerkennen, dass Menschen sich immer berauschen werden, wenn sie können. Und dass dies bei vernünftigem Gebrauch auch ziemlich harmlos ist. Dafür liefert das Street-Parade-Wochenende jedes Jahr zuverlässig den Beweis.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.08.2018, 20:38 Uhr

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