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Mehr als Quotenbolzerei

Die Diskussion in der «Arena» von SRF verlief weitgehend sachlich, aber auch zahm.

Die Arena zum Urteil im Fall Rupperswil. Screenshot: SRF
Die Arena zum Urteil im Fall Rupperswil. Screenshot: SRF

Sie betreibe Quotenbolzerei, musste sich die «Arena» vorwerfen lassen, als sie ankündigte, eine Diskussionsrunde zum Verbrechen in Rupperswil abzuhalten – nur Stunden nachdem der Täter verurteilt worden war. Geht das? Kann man in einer Politsendung über ein grausames Verbrechen debattieren, ohne pietätlos zu wirken? Ohne dass es zu einem Affront für die Hinterbliebenen wird? Die Antwort nach der gestrigen Sendung: Ja, das geht. Die Studiogäste diskutierten unaufgeregt und mit der nötigen Zurückhaltung. Über das Urteil gegen den Täter Thomas N. äusserten sie sich einstimmig positiv. Das Gericht habe das Maximum ausgeschöpft, sagte SVP-Nationalrätin Natalie Rickli, forderte später aber mehrmals ein schärferes Strafrecht.

Das bedeutete zwar auch, dass die prägnanten Voten ausblieben und die Sendung über weite Strecken zahm wirkte – doch etwas anderes wäre dem sensiblen Thema wohl gar nicht gerecht geworden. So sprach die «Arena»-Runde über die lebenslange Verwahrung und warum sie sich in der Praxis kaum umsetzen lässt. Sie argumentierte mit Statistiken, Gutachten, Therapien und Hochrückfälligkeit – doch die brennenden Fragen, die die Zuschauer nach der «Jahrhundertstraftat» (FDP-Ständerat Andrea Caroni) am meisten beschäftigen dürften, kamen aus dem Publikum: Wieso soll ein so brutaler Täter noch eine Therapie erhalten? Warum soll man ihm eine, wenn auch minime, Chance geben, wieder auf freien Fuss zu kommen? Wer kann garantieren, dass der Täter nicht mehr rückfällig wird?

Forensiker Marc Graf fragte eine Zuschauerin zur Antwort: «Können Sie sich vorstellen, dass ein betagter Straftäter wenigstens die letzten Monate entlassen wird, um in Würde zu sterben?» Die Zuschauerin konnte das nicht. Und da offenbarte sich das grundlegende Problem in dieser «Arena», das sich auf die Gesellschaft übertragen lässt: Zuschauer und Experten argumentierten auf einer anderen Ebene. Für das Publikum war bei der Frage, wie lange ein Risikotäter weggesperrt werden soll, die Schuld entscheidend. Für die Studiogäste war es – wie es dem Rechtssystem entspricht – die Frage des Rückfallrisikos des Täters.

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