Matters wahre Chefs in der Standortfrage

SRF-Direktor Rudolf Matter will das Radiostudio Bern schliessen. Ein kaum bekanntes Gremium könnte ihm einen Strich durch die Rechnung machen.

2005 aufwendig renoviert: SRF-Radiostudio an der Schwarztorstrasse in Bern.

2005 aufwendig renoviert: SRF-Radiostudio an der Schwarztorstrasse in Bern.

(Bild: Adrian Moser)

Martin Wilhelm@martin_wilhelm

Die Radio- und Fernsehgesellschaft SRG ist regional stark verankert, was sie im Abstimmungskampf um die No-Billag-Initiative gerne betonte. Die regionale Verankerung hat aber nicht nur diese symbolische Seite, sondern auch eine rechtliche, die den obersten Führungsgremien unbequem werden könnte.

Im Streit um die Schliessung der Radiostudios Bern und die Verlegung von unter dem Strich rund 150 Radiomitarbeitern von Bern nach Zürich erhielt man bisher den Eindruck, der Entscheid obliege alleine dem Verwaltungsrat der SRG. Sprecher Edi Estermann bestätigt aber auf Anfrage, dass «über eine Änderung der regionalen Studiostandorte gemäss Statuten abschliessend der Regionalvorstand entscheiden wird».

Die nächste Sitzung des Regionalvorstands findet am 15. Juni statt. Traktandiert wird laut Estermann aber nur eine Information zur Standortüberprüfung, ein Entscheid werde noch nicht fallen. «Der Regionalvorstand wird die Erkenntnisse des Verwaltungsrats von dessen Sitzung Ende Juni abwarten.»

Bern zählt auf andere Regionen

Für Stadt und Kanton Bern, die sich zumindest seit Montag laut und deutlich gegen den Umzug wehren und gar einen Ausbau des Standorts Bern zu einem Kompetenzzentrum Information verlangen, bedeutet dies, dass sie auf einen Schulterschluss der SRG-Regionen hoffen müssen. Der Berner Stadtpräsident Alec von Graffenried glaubt nach eigenen Angaben an einen solchen. Die SRG-Regionen täten seiner Ansicht nach gut daran, sich nicht gegeneinander ausspielen zu lassen, sagt er. «Heute steht Bern zur Diskussion, in einigen Jahren vielleicht wieder Basel.» Die SRG lebe davon, dass sie vom ganzen Land mitgetragen werde. «Eine Radio-, Fernsehen- und Online-Gesellschaft Leutschenbach hat in der Schweiz bestenfalls als Rumpfgebilde eine Überlebenschance.»

Leise Kritik an den Berner Behörden sowie der SRG Bern Freiburg Wallis kommt von betroffenen Radiomitarbeitern und aus anderen SRG-Regionen. Im Gegensatz zu Basel, das sich nicht nur das Kulturradio SRF 2 sicherte, sondern auch noch die Kultur- und die Wissenschaftsredaktion des Fernsehens an den Rhein holte, agiere Bern zu zögerlich.

Das Basler Powerplay

Im Fall Basel spielten drei Faktoren eine Rolle: Argumente (Basel ist Kultur- und Forschungsstandort), politischer Druck (die Basler Behörden standen rascher auf die Hinterbeine), vor allem aber auch finanzielle Anreize (die SRG Basel nutzt den bisherigen Standort, ein Grundstück im Wohnquartier Bruderholz, um Gelder zu generieren und dem SRF den Einzug ins vornehme Meret-Oppenheim-Hochaus beim Bahnhof zu ermöglichen). Während Bern die Bundespolitik und die Unterstützung vieler nationaler Politiker in die Wagschale werfen kann, ist noch nicht klar, ob die von der Stadt angebotene Suche nach einem Standort für die SRG-Generaldirektion in der Nähe des Bahnhofs und des bestehenden Radiostudios der SRG ausreichen wird.

Ob die anderen SRG-Regionen Bern unterstützen werden, sollte es hart auf hart kommen, ist noch unklar. An der Generalversammlung der SRG Basel wurde zwar bereits diskutiert, wie man den Bernern helfen könnte. Man habe sich aber darauf geeinigt, auf eine rasch verpuffende Sympathiebekundung zu verzichten, sagt Niklaus Ullrich, Präsident der SRG Basel und stellvertretender Präsident der SRG Deutschschweiz. Erst einmal müsse die SRF-Leitung nun darlegen, inwiefern die Umbaupläne, die ja auch die Schliessung des Radiostudios Brunnhof in Zürich umfassten, einen Gewinn für den Service public darstellten.

Kritik an Kommunikation der SRF-Spitze

Abwartend zeigen sich auch die anderen SRG-Regionen. Man wisse bisher nicht mehr, als öffentlich bekannt sei, sagt Peter Moor-Trevisan, Präsident der SRG Aargau Solothurn, weshalb man sich noch nicht zu den Plänen äussern werde. Klar ist immerhin die Position der SRG Bern Freiburg Wallis, deren Genossenschafterinnen Anfang Mai einstimmig gegen die Umzugspläne stimmten. Leander Jaggi, Präsident der SRG Bern Freiburg Wallis, betont aber, eine sachliche Diskussion führen zu wollen. Bern habe genügend gute Argumente auf seiner Seite – so das staatspolitische Argument und auch jenes des erst 2005 teuer umgebauten Studios.

An der derzeit «sehr emotionalen» Debatte stört sich Jaggi hingegen. Schuld daran trägt für ihn schlechte Kommunikation. «Wenn bei den Mitarbeitern der Eindruck besteht, es handle sich nicht um eine Prüfung, sondern um eine bereits beschlossene Sache, ist etwas schiefgelaufen.» Sprecher Estermann sagt hierzu, die SRG habe stets unterstrichen, dass es sich um eine Machbarkeitsstudie handle, die den dafür zuständigen Gremien als Entscheidungsgrundlage dienen soll.

Offen bleibt, ob sich der Regionalvorstand getrauen würde, ein bereits vom Verwaltungsrat vorberatenes Geschäft zu kippen. Wie aus SRG-Kreisen zu hören ist, weiss der Verwaltungsrat bisher noch nicht, was ihm Radio- und Fernsehdirektor Matter beantragen wird.

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