Luftmessungen sprechen für ein Rauchverbot

Zur Schadstoffbelastung auf Perrons und in Bahnhofshallen liegen nur wenige Daten vor – doch diese sprechen für ein Rauchverbot.

«Rauchen gehört zum Warten am Bahnhof dazu»: Züricherinnen und Zürcher äussern sich zum Rauchverbot. Video: Lea Blum

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die SBB wollen nächstes Jahr in mehreren Bahnhöfen, darunter offenbar Zürich-Stadelhofen, ein generelles Rauchverbot testen. Über die Gründe für den Versuch geben die Bundesbahnen keine Auskunft – über die genaue Umsetzung seien noch keine Entscheide gefällt worden. In einer Stellungnahme, die das Unternehmen nach entsprechenden Berichten von «Basler Zeitung» und NZZ am Mittwochabend veröffentlichte, ist die Rede von einer «Erhöhung der Aufenthaltsqualität».

Ein guter Grund, um das Rauchen zu verbieten, wäre eine hohe Schadstoffbelastung. Systematische Untersuchungen existieren dazu keine. Einzelne Untersuchungen lassen aber vermuten, dass die Feinstaub-Grenzwerte in den Bahnhöfen überschritten werden – und dies auch mit dem Rauchen zu tun hat.

Hohe Belastung abseits der Geleise

Bei einer Pilotmessung im Bahnhof Basel SBB registrierten Forscher an einem Freitagnachmittag pro Kubikmeter Luft bis zu 200 Mikrogramm feinste Staubpartikel mit einem Durchmesser von bis zu 2,5 Tausendstelmillimetern. Damit war der von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlene Grenzwert von 10 Mikrogramm pro Kubikmeter um das Zwanzigfache überschritten.

Am grössten war die Feinstaubbelastung in der Passerelle über den Geleisen, wie Umweltepidemiologe Martin Röösli vom Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut in Basel sagt. Dies lässt vermuten, dass die gefährlichen Teilchen in der Luft nicht in erster Linie auf den Bahnverkehr zurückzuführen sind. «Es ist unwahrscheinlich, dass durch die Aufgänge viel Feinstaub von den Geleisen her in die Passerelle gelangt», so Röösli.

Tiefe Belastung im rauchfreien S-Bahnhof

Eine Studie der SBB weist in dieselbe Richtung: Im rauchfreien unterirdischen S-Bahnhof Museumstrasse liegt die Feinstaubbelastung unter den Grenzwerten – was die SBB auf immer bessere elektrische Bremsen sowie den Umstieg von Grauguss- auf Verbundstoff-Bremssohlen zurückführen, die weniger Abrieb erzeugen.

Vergleichswerte von anderen, nicht rauchfreien Bahnhöfen liegen keine vor, da die SBB angesichts der guten Luftqualität im sehr viel befahrenen und stark abgeschlossenen Tiefbahnhof davon ausgingen, dass die Feinstaubbelastung durch die Züge auch andernorts kein Problem darstellt. «Selbst an diesem sehr exponierten Standort wurden die Arbeitsplatzgrenzwerte um mindestens Faktor 10 unterschritten», schreibt SBB-Sprecher Christian Ginsig auf Anfrage.

Umfrage

Soll es in Bahnhöfen ein komplettes Rauchverbot geben?




Klarheit über die Herkunft des Feinstaubs in den Bahnhöfen könnte eine chemische Analyse der Partikel schaffen. Eine solche Studie sei derzeit jedoch nicht geplant, sagt Röösli. Der Professor der Universität Basel hält ein Rauchverbot zumindest in den schlecht durchlüfteten Bereichen aus präventiver Sicht für angezeigt. «Ein Rauchverbot wäre eine sehr einfache Massnahme, um die Feinstaubbelastung zu reduzieren.»

Dies sieht auch die Lungenliga so. Die Pendler hielten sich zwar nur kurz, aber doch jeden Tag an den Bahnhöfen auf, sagt Bereichsleiterin Elena Strozzi. «Man darf nicht vergessen, dass viele Bahnhöfe fast geschlossene Räume sind, aus denen der Rauch kaum mehr abzieht». Es sei nötig, einen lückenloses Schutz vor Passivrauchen zu gewähren, was man von den SBB auch wiederholt gefordert habe. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.11.2017, 14:41 Uhr

Artikel zum Thema

SBB testen komplett rauchfreie Bahnhöfe

Ab Ende 2018 könnte Rauchen beim Warten auf dem Perron nicht mehr erlaubt sein. In einer Testphase sollen drei verschiedene Nichtraucher-Regelungen ausprobiert werden. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Wettbewerb

Gratis nach Singapur fliegen

Seit Anfang August fliegt Singapore Airlines auch ab Zürich mit einem neu ausgestatteten Airbus A380. Gewinnen Sie zwei Flugtickets.

Kommentare

Abo

Das digitale Monatsabo für Leser.

Nutzen Sie den «Bund» digital ohne Einschränkungen. Für nur CHF 32.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Grossflächig: Der für seine in die Landschaft integrierten Kunstwerke bekannte französische Künstler Saype zeigt im Park La Perle du Lac sein Werk «Message from Future». (16. September 2018)
(Bild: Valentin Flauraud) Mehr...