Zum Hauptinhalt springen

Lehrer brauchen keine Matur mehr

Der Lehrermangel zwingt die Kantone, neue Wege zu gehen: Künftig sollen auch erfahrene Berufsleute ohne Matur Lehrerinnen und Lehrer werden können.

Lehrermangel lässt Einstiegshürden sinken: Ein Lehrer vor seiner Klasse. (Archivbild)
Lehrermangel lässt Einstiegshürden sinken: Ein Lehrer vor seiner Klasse. (Archivbild)
Keystone

Die Zulassungsbestimmungen für Lehrer werden gelockert. Auch Berufsleute sollen Jugendliche unterrichten dürfen. Die Quereinsteiger müssen über 30 Jahre alt sein und über mindestens drei Jahre Berufserfahrung verfügen, hat die Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) entschieden.

Bisher war eine gymnasiale Matur oder eine Berufsmatur mit Ergänzungsprüfung Voraussetzung für eine Lehrerausbildung. Wer ohne diese Abschlüsse Lehrerin oder Lehrer werden will, muss die für ein Hochschulstudium nötige Studierfähigkeit in einem Dossier nachweisen können. Zudem kann eine Ergänzungsprüfung in Allgemeinbildung durchgeführt werden, wie die EDK am Donnerstag mitteilte.

Erfahrung zählt

Grundsätzlich dauert die Ausbildung für die Vorschul- und die Primarschulstufe 3 Jahre, jene für die Sekundarstufe I 4,5 Jahre. Je nach Vorleistungen und Kompetenzen kann die Studienzeit verkürzt werden. Davon profitieren auch Quereinsteiger mit gymnasialer Maturität. Sie können sich die bei der Jugendarbeit, in Vereinen oder bei Sprachaufenthalten erworbene Kompetenzen anrechnen lassen.

Neu ist es zudem möglich, schon während der Ausbildung vor einer Klasse zu stehen. Frühestens nach dem ersten Ausbildungsjahr und nach einer Berufseignungsüberprüfung können Quereinsteiger eine Teilzeitstelle übernehmen. Die Lehrertätigkeit gilt als Teil der Ausbildung und wird von der Hochschule begleitet.

Kantone und Hochschulen entscheiden selber, ob sie Quereinsteigende ausbilden wollen oder nicht. Die neuen Zulassungsregeln gelten ab 1. August 2012. Nötig geworden waren sie, weil die Schulen immer mehr Mühe hatten, alle Stellen zu besetzen. Dieses Jahr beispielsweise hatten Mitte Juni noch rund 40 Prozent der Deutschschweizer Volksschulen eine Stelle offen.

Abstriche beim Unterricht

Dies ergab eine Mitgliederbefragung des Verbands Schulleiterinnen und Schulleiter Schweiz (VSLCH). Mangel herrscht insbesondere an Kindergärtnerinnen und Kindergärtnern sowie an Lehrpersonen für die Sekundarstufe I. Laut VSLCH sind viele Schulleitende gezwungen, Stellen mit unzureichend qualifizierten Lehrpersonen zu besetzen, was zu Qualitätsverlusten führt.

In ihrer Mitteilung vom Donnerstag weist die EDK darauf hin, dass der Lehrermangel nur ein Grund für die geänderten Zulassungsbedingungen sind. Auf lange Sicht könnten Berufsleute mit ihrer Lebens- und Berufserfahrung einen Gewinn für die Schule darstellen, schreibt die EDK.

SDA/rub

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch

Mehr zum thema