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Legte Ghadhafi Merz mit einem Vermittler rein?

Der GPK-Bericht zur Libyen-Krise, der am Freitag veröffentlicht wird, enthält laut Medienberichten brisante Informationen. Ex-Bundesrat Hans-Rudolf Merz liess sich auf einen dubiosen Vermittler ein.

Die Libyen-Affäre wurde in über einjähriger Arbeit von der Geschäftsprüfungskommission des Ständerats unter die Lupe genommen. Unter der Federführung des Schaffhausers Peter Briner (FDP) ...
Die Libyen-Affäre wurde in über einjähriger Arbeit von der Geschäftsprüfungskommission des Ständerats unter die Lupe genommen. Unter der Federführung des Schaffhausers Peter Briner (FDP) ...
Keystone
... sowie Claude Janiak (SP/BL).
... sowie Claude Janiak (SP/BL).
Keystone
Am Tag vor der Freilassung von Max Göldi am 13. Juni 2010 reiste Aussenministerin Micheline Calmy-Rey zu Muammar Ghadhafi nach Tripolis.
Am Tag vor der Freilassung von Max Göldi am 13. Juni 2010 reiste Aussenministerin Micheline Calmy-Rey zu Muammar Ghadhafi nach Tripolis.
Keystone
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Beim Versuch, die beiden Libyen-Geiseln Max Göldi und Rachid Hamdani freizubekommen, vertraute der damalige Bundespräsident Hans-Rudolf Merz einem tunesischen Geschäftsmann. Dies geht aus dem noch unveröffentlichten Libyen-Bericht der Geschäftsprüfungskommission des Ständerats hervor. Möglicherweise stand sogar der libysche Diktator Muammar Ghadhafi hinter dem Mann, der sich der Schweiz als Vermittler anbot, wie der «Blick» in der heutigen Ausgabe berichtet.

Nach anfänglicher Skepsis und einer Internet-Recherche liess sich Merz offensichtlich auf den Tunesier ein. Am 25. August 2009 durfte der Geschäftsmann sogar mit der Schweizer Delegation nach Tripolis fliegen, wo Merz einen fragwürdigen Staatsvertrag mit Libyen unterzeichnete. Der Vertrag brachte Göldi und Hamdani nicht die Freiheit. Gemäss Recherchen von «SonntagsBlick» und «Blick» hatte sich der im Ölhandel tätige Tunesier gegenüber Merz als wohlhabender und erfolgreicher Geschäftsmann ausgegeben. Ausserdem behauptete der Mann, dass er über beste Kontakte verfüge.

Wegen Drogenhandels verurteilt

Der Geschäftsmann, dem Merz vertraut hatte, hat eine bewegte Biografie. Der gelernte Koch, der Anfang der Achtzigerjahre in die Schweiz eingereist war, war wegen Drogenhandels, Veruntreuung und Diebstahls verurteilt worden. Zudem hatte er einen Landesverweis von fünf Jahren erhalten. Der Mann, der eine Schweizerin heiratete, war auch als Sportsponsor aktiv: Er übernahm einen Tessiner Basketballklub, führte diesen zunächst zum Meistertitel und danach in die Zahlungsunfähigkeit.

Der Tunesier war zwischenzeitlich Minderheitsaktionär der libyschen Erdölgesellschaft Tamoil, bevor er seine Anteile an Ghadhafis Unternehmen Oilinvest verkaufte, wie der «Blick» berichtet. Ab Ende der Neunzigerjahre wirkte der Tunesier unter anderem als Vizepräsident eines italienischen Baumwollverarbeiters, in den der libysche Staatsfonds Lafico viel Geld investierte. Dabei soll der Tunesier die Interessen von Lafico wahrgenommen haben. In diesem Fall könnte der Geschäftsmann gute Verbindungen zum Regime in Tripolis gehabt haben – und damit auch zur Entourage von Ghadhafi.

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