Last-Minute-Attacke gegen Isabelle Moret

Offiziell wird die Waadtländer Bundesratskandidatin von den FDP-Frauen unterstützt. Aus deren Basis kommt nun aber ein Angriff.

«Wir bitten Sie, Ignazio Cassis in den Bundesrat zu wählen», forderten zwei FDP-Frauen per Mail.

«Wir bitten Sie, Ignazio Cassis in den Bundesrat zu wählen», forderten zwei FDP-Frauen per Mail.

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Die FDP-Bundesratskandidatin Isabelle Moret sieht sich mit einem Angriff aus den eigenen Reihen konfrontiert – und das quasi in letzter Minute vor der Wahl. In den letzten Tagen bekamen Parlamentarier anderer Parteien ein Mail mit dem offiziellen Logo der FDP-Frauen. Darin heisst es: «Die FDP.Die Liberalen Frauen Schweiz engagieren sich für Diversität in allen Bereichen. Weil heterogen zusammengesetzte Teams nicht nur Punkto Geschlecht, sondern auch bezüglich kultureller und sprachlicher Herkunft eminent wichtig sind, würden wir es sehr begrüssen, wenn die italienische Schweiz wieder in der Landesregierung vertreten wäre. Wir bitten Sie deshalb, am kommenden Mittwoch Ignazio Cassis in den Bundesrat zu wählen. Der Zusammenhalt in unserem Land hängt wesentlich von der Einbindung der Sprachminderheiten ab.»

Wie viele Mitglieder des Parlaments das Mail direkt erhalten haben, ist nicht bekannt. Inzwischen macht es aber die Runde in der Bundesversammlung und sorgt dort für beträchtliche Irritation. Die unverblümte Wahlempfehlung für Ignazio Cassis kommt nämlich einer Desavouierung von dessen Konkurrentin Isabelle Moret gleich: Die Verfasserin oder die Verfasserinnen erwecken in Wortlaut und Signatur den Eindruck, in offiziellem Namen der freisinnigen Frauensektion zu sprechen. Dabei haben sich die von der Zürcher Nationalrätin Doris Fiala präsidierten FDP-Frauen offiziell hinter Moret als Kandidatin gestellt.

Die Pelli-Connection

Unterschrieben ist die E-Mail von Béatrice Acklin Zimmermann und Ursula Uttinger. Beide sind in der Partei bekannte Grössen. Die Freiburger Theologin Acklin Zimmermann gab 2015 mit dem vormaligen FDP-Präsidentin Fulvio Pelli eine Aufsatzsammlung zur Zukunft des freisinnigen Gedankenguts heraus («Was heisst denn heute liberal?»). Die Nähe zum Tessiner Pelli könnte auch ihr Engagement zu Gunsten des Tessiner Kandidaten Cassis erklären.

Video: «Suffä für d'Demokratie»

Alan Cassidy und Philipp Loser im «Politbüro» zur Bundesratswahl.

Ursula Uttinger war bis April diesen Jahres Präsidentin der Stadtzürcher FDP-Frauen. Sie distanzierte sich am Dienstagabend aber dezidiert von dem Mail und seinem Inhalt. «Ich habe kein Mail an irgendeinen Parlamentarier verschickt», hielt sie fest. Auch den Inhalt des Mails habe sie nicht gekannt. Sie habe nur im Juli zusammen mit Acklin in der NZZ einen Leserbrief pro Cassis veröffentlicht, als Moret noch nicht Kandidatin war.

Die FDP-Frauen Schweiz distanzieren sich jedenfalls vehement von dem Mail, über das am Dienstagabend auch die Online-Ausgabe der «Aargauer Zeitung» berichtete. «Das ist nicht mit uns abgesprochen», sagt Doris Fiala. Die Präsidentin der FDP-Frauen ärgert sich darüber, dass Acklin und Uttinger den Eindruck erwecken, sie schrieben im Namen ihrer ganzen Organisation. Acklin und Uttinger hätten beide heute keine offiziellen Funktionen in den FDP-Frauen, sondern seien nur Einzelmitglieder. Fiala vermutet, dass sie «sich auf Kosten der Gesamtpartei persönlich profilieren wollen».

Die BDP warnte die FDP-Frauen

Fiala weiss nicht, wie viele Parlamentsmitglieder das Mail erhalten haben. Sie selber sei vor ein paar Tagen von BDP-Nationalrätin Rosmarie Quadranti darauf hingewiesen worden. Seither hatte Fiala Kontakt mit den beiden Frauen. Dabei habe Uttinger schon ihr gegenüber geltend gemacht, Acklin habe den exakten Wortlaut des Mails gar nicht mit ihr abgesprochen.

Fiala bemüht sich, den Ball flach zu halten. Aus ihrer langjährigen Erfahrung wisse sie, dass es gerade bei Wahlen halt um viel gehe und sich dann einige immer wieder dazu verleiten liessen, sich öffentlich verlauten zu lassen: «Loyalität ist nicht jedermann und jeder Frau gegeben.» Die ganze Aktion sei «eine Tischbombe» und werde am Mittwochmorgen sicher keinen Einfluss auf die Bundesratswahl haben.

In den anderen Fraktionen sorgt der Dolchstoss bei den FDP-Frauen jedoch für beträchtliche Irritation. Politiker der SVP, CVP und SP sagten gegenüber dem DerBund.ch/Newsnet, sie wüssten über das Mail Bescheid. Vor allem in der CVP finden es viele Parlamentarier nicht in Ordnung, wie die FDP mit Moret umgehe. Konkret ist in der CVP-Fraktion darum jetzt die Rede davon, dass im ersten Wahlgang bis zu einem Drittel der CVP-Stimmen an Moret gehen sollen - aus Solidarität.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.09.2017, 21:19 Uhr

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