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Krebspatientin muss Maske mit Bostitch flicken

Die Knappheit an Masken wird immer dramatischer: Im Unispital Basel soll es zu Diebstählen gekommen sein. Eine Patientin musste ihre Maske reparieren.

Schutzmasken sind ein immer knapperes Gut. Diese Bernerin ist aber ausgerüstet. Foto: Anthony Anex (Keystone)
Schutzmasken sind ein immer knapperes Gut. Diese Bernerin ist aber ausgerüstet. Foto: Anthony Anex (Keystone)

Die Basler Krebspatientin A.N.* ist in einer Chemotherapie, ihr Immunsystem ist deshalb geschwächt. Sie hat ein Rezept für Schutzmasken und trägt eine, wann immer sie Ansammlungen von Menschen nicht vermeiden kann. Denn dort könnte sie sich mit irgendeinem Virus anstecken. Doch schon vor drei Wochen bekam sie in der Apotheke auch auf Rezept keine Schutzmasken mehr.

Als A.N. kürzlich zur Untersuchung im Unispital Basel erschien, trug sie deshalb dieselbe leicht beschädigte Maske, die sie schon seit Tagen benutzt. Anstatt ihr eine neue zu geben, riet ihr der Arzt dazu, die alte Maske mit einem Bostitch zu reparieren. Das war nur der Höhepunkt von zahlreichen Begebenheiten, welche die Managerin im Unispital Basel erlebte und die bei ihr den Eindruck hinterliessen, dass die Schutzmasken in Basel langsam knapp werden.

«Unerklärlich hoher Verbrauch»

Pflegende erzählten ihr, dass der Verbrauch von Masken eingeschränkt worden sei. Ärzte und Pflegende seien angehalten, nur noch Hygienemasken statt Schutzmasken zu verwenden, und zwar den ganzen Tag die gleiche. Auch sie selber bekam die Einschränkung zu spüren: Nach einer 24-stündigen Chemotherapie wollte sie an die frische Luft. Statt der üblichen Schutzmaske bekam sie nur eine Besuchermaske. Als sie zurückkam, fand sie einen Zettel auf ihrem Tisch mit der Aufforderung, die Maske auf gar keinen Fall fortzuwerfen.

Gemäss einer Spitalmitarbeiterin besteht ein Notstand bei den Schutzmasken, weil von den Abteilungen und sogar aus dem Lager zahlreiche Masken gestohlen worden seien. Dies bestätigt eine zweite Quelle. Diese berichtet gar von 50’000 gestohlenen Schutzmasken. Die Pflege habe nun die Anweisung, die Masken einzuschliessen. A.N. erhielt dann eine einzige Schutzmaske, jene, die einen Tag später leicht defekt war und die sie mit einem Bostitch reparieren sollte. Je nach Immunabwehr bekommen Patienten nur noch eine weniger gut schützende Hygienemaske.

Nicolas Drechsler, Sprecher des Unispitals, bestätigt, dass Ärzte und Pflegende angewiesen worden sind, die Masken sparsam einzusetzen. Auch Diebstähle und «unerklärlich hohen Verbrauch» bestätigt er. Aber er weiss nichts von Diebstählen aus dem Lager. Von den Schutzmasken, die A.N. braucht, seien noch 15’000 Exemplare vorhanden. Man stehe andauernd mit dem Kanton in Kontakt und melde dort den Bedarf an Masken an.

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Das Gesundheitsdepartement des Kantons Basel-Stadt schreibt, dass es einen Notvorrat an Masken an Lager habe. Die genaue Zahl wolle man jedoch nicht kommunizieren. Gemäss NZZ löst der Bund nun seine Vorräte an Schutzmasken auf. Wie viele Masken der Kanton Basel-Stadt vom Bund erhält, sei derzeit in Abklärung, schreibt das Gesundheitsdepartement.Sie würden vorwiegend an die Basler Spitäler gehen. Wie hoch der Bestand vor Ausbruch der Pandemie war, gibt der Kanton nicht bekannt.

Daniel Koch, Leiter der Abteilung übertragbare Krankheiten im Bundesamt für Gesundheit (BAG), sagte in der «Arena» des Schweizer Fernsehens, der Vorrat an Masken reiche für drei Monate. Warum nach rund sechs Wochen Pandemie die Masken schon knapp werden, beantwortete das BAG gestern nicht. Eine Anfrage an die Kommunikationsabteilung der Armee wird an das Bundesamt für Bevölkerungsschutz weitergeleitet. Dort ist zu erfahren, dass die Armeeapotheke laufend Masken aufkaufe. Das deutet darauf hin, dass die Vorräte für drei Monate gar nie vorhanden waren.

Und was macht nun A.N.? Zu Hause brauche sie keine Masken, solange alle um sie herum gesund seien. «Ich darf aber nicht in geschlossene Räume mit Leuten, da ich mir dort etwas einfangen könnte», sagt sie. Sie bitte ihr Umfeld, ihr zu helfen, damit sie nie in einen Laden zum Einkaufen gehen müsse. «Man fühlt sich ausgeliefert», sagt A.N., «und ja, ich habe Angst, angesteckt zu werden.» Gefährlich wäre für A.N. nicht nur das Coronavirus, sondern auch irgendeine andere Infektion. Am Mittwoch müsse sie wieder ins Spital, erzählt sie. Sie betont, dass die Betreuung hervorragend sei. Für den Weg dahin werde sie wohl wieder die reparierte Maske von letzter Woche brauchen. «Aber dann frage ich im Spital wieder, ob ich eine neue Maske bekomme.»

*Name der Redaktion bekannt.

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