Zum Hauptinhalt springen

«Keine Worte wie: Es tut uns leid!»

Das Tötungsdelikt im Zürcher Seefeld schlägt hohe Wellen bei den Politikern. SVP-Nationalrätin Natalie Rickli ist entrüstet über den Justizapparat.

Kämpft für einen härteren Strafvollzug: Natalie Rickli, hier während einer Sondersession in Bern. (26. April 2016)
Kämpft für einen härteren Strafvollzug: Natalie Rickli, hier während einer Sondersession in Bern. (26. April 2016)

Die Zürcher Justizdirektorin Jacqueline Fehr will an der Hafturlaubspraxis festhalten – trotz des Tötungsdelikts im Zürcher Seefeld. Statistiken würden belegen, dass in 98,5 Prozent aller Fälle die Hafturlaube gut verlaufen, sagte sie an einer Pressekonferenz.

SVP-Nationalrätin Natalie Rickli ist «schockiert» über die Äusserungen der Behörden und teilt ihre Meinung dazu via Facebook mit.

Bei der CVP spricht man hingegen von grosser Verunsicherung: «Falls sich der vorliegende Verdacht erhärten sollte, fordern wir eine lückenlose Aufklärung. Frau Regierungsrätin Jacqueline Fehr tut gut daran, einen externen Gutachter mit den Aufklärungsarbeiten zu beauftragen», teilt die Partei in ihrem Newsletter mit.

Der St.Galler Strafrechtsprofessor und Kriminologe Martin Killias sagt zum «Blick»: «Rückblickend gesehen war die Gewährung von Hafturlaub klar ein Fehlentscheid». Doch nimmt er das System auch in Schutz, da sich Fehlbeurteilungen nie ganz vermeiden liessen. «Man musste ihm die Chance geben, sich zu bewähren. Denn nach fünfeinhalb Jahren wäre er sowieso wieder in Freiheit», so Killias über den verdächtigen Mittäter Tobias Kuster.

Warum werden Hafturlaube überhaupt gewährt? Es gehöre zum Vollzug dazu, Leute bei ihrer Rückführung in die Freiheit zu unterstützen, sagt Strafvollzugsexperte Benjamin F. Brägger zu «10vor10» Wenn gut vorbereitet, sei der Hafturlaub ein wichtiger Schritt in diesem Prozess.

Eine Liste schwerer Delikte

Nach dem Tötungsdelikt an einem Mann im Zürcher Seefeld, sucht die Kantonspolizei nach dem aus der Strafanstalt Pöschwies geflohenen Häftling Tobias Kuster. Der 23-Jährige wird dringend verdächtigt, an der Tat beteiligt gewesen zu sein. Ein bereits am Donnerstag verhafteter Mann befindet sich in Untersuchungshaft.

Der Verdächtige war nach einem Hafturlaub nicht mehr in die zürcherische Strafanstalt zurückgekehrt, wie die Staatsanwaltschaft und die Zürcher Kantonspolizei am Samstag mitteilten. Der Geflüchtete sei als gewaltbereit einzustufen und dürfte bewaffnet sein.

Der Schweizer sass wegen Freiheitsberaubung, versuchten Raubes, versuchter Nötigung und anderer Delikte im Gefängnis. Er war im September 2015 vom Zürcher Obergericht zu einer Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren und einer ambulanten Massnahme verurteilt worden. Die Strafe verbüsste er bereits seit Februar 2014.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch